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Ratgeber Ernährung

Schlank ohne Hunger? Von Atkins bis Vollwert

Menschen, die eine neue Ernährung ausprobieren, haben oft so ein Leuchten in den Augen. Sie spielen, probieren und entdecken, wie gut es tut, sich von ungesunden Gewohnheiten zu verabschieden. Weil nicht jede wohlklingende Diät hält, was sie verspricht, haben wir die populärsten Konzepte einem Check unterzogen.

Makrobiotik

Speisen nach Yin und Yang

Die Makrobiotik ist eine philosophische Lehre, die sich vom Zen-Buddhismus ableitet. Die heutige Form der Ernährungslehre beruht ursprünglich auf dem Konzept des Japaners George Ohsawa (1892 bis 1966). Michio Kushi, ein Schüler Ohsawas, entwickelte im Gegensatz zu der des Meisters eine moderatere Form der Lehre, die nicht rein vegan ist.

Die Makrobiotik unterscheidet Lebensmittel nach den Kräften Yin und Yang. Der Speiseplan sollte so komponiert sein, dass beide den Körper in Balance bringen und der Mensch sich wohlfühlt. Bei der Bewertung der Speisen spielen die Art des Anbaus sowie der Zubereitung eine Rolle.

Der mit Abstand wichtigste Baustein makrobiotischer Ernährung ist Vollkorngetreide - es soll nach der Lehre Kushis neben Gemüse, Sojaprodukten und Hülsenfrüchten mehr als 50 Prozent der Kost ausmachen. Dazu kommen Ölsaaten, Algen, etwas Fisch und kleine Mengen Obst.

Milchprodukte und Fleisch sind weitgehend verboten, tropische Früchte und Tomaten tabu. Nach Ohsawa sollen Makrobiotiker wenig trinken. Außerdem sieht sein Konzept eine zehnstufige Steigerung der makrobiotischen "Verdichtung" vor. Als höchste Stufe wird der ausschließliche Verzehr von Vollkorn postuliert.

Wissenschaftliche Bewertung: hohes Mangelrisiko

Die Basis dieser Lehre - die Einteilung von Lebensmitteln in Yin und Yang - ist mit den Methoden der Ernährungswissenschaft nicht nachvollziehbar. Das Defizit an Vitaminen wächst von Stufe zu Stufe des Ernährungsplans (nach Ohsawa) und damit die Gefahr von Mangelerkrankungen. Zudem enthalten empfohlene Soja- und Algenprodukte oft sehr viel Salz. Wer dann noch zu wenig trinkt, riskiert, dass der Körper dehydriert und die Nieren Schaden nehmen.

Ohsawa hält zum Beispiel Vitamin C für überflüssig, weil der Körper es angeblich selbst herstelle. Auch Milchprodukte benötige der Mensch nicht - für die Aufnahme wichtiger Mineralien wie Kalzium seien vielmehr Magnesium und Silizium erforderlich, aus denen dann Kalzium gebildet werde. Solche Thesen sind unsinnig und gesundheitsschädlich.

Ausgewogener ist die neue, modernisierte Makrobiotik nach Kushi. Sie baut auch auf eine sorgfältige Auswahl der Kost, ist aber weniger strikt, lässt etwas mageren Fisch, viele pflanzliche Lebensmittel und eine normale Flüssigkeitszufuhr zu. Maßvoll betrieben, scheint das Yin-Yang-Konzept sogar schützend auf Herz und Kreislauf zu wirken: Mit erhöhten Blutfettwerten, Diabetes oder Bluthochdruck haben die Anhänger dieser Kost nur selten zu kämpfen.

Fazit: unsinnige Thesen

Die gemäßigte Makrobiotik taugt mit Einschränkungen als Wohlfühl-Ernährung für gesunde Erwachsene, die sich gern von fernöstlichen Lehren inspirieren lassen. So sollten Makrobiotiker unbedingt dafür sorgen, dass sie genug Kalzium und Vitamine zu sich nehmen. Für Kinder, Schwangere und stillende Mütter ist makrobiotische Ernährung auf keinen Fall geeignet. Durch ihren Mehrbedarf an Nährstoffen wird für sie die Kost schnell einseitig und energiearm. Zudem fehlen Kalzium, Eisen, Vitamin B12 und Vitamin D.


Jutta von Campenhausen / Sabine Kartte / Kirsten Milhahn

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