Ob Claus Hipp auch dafür mit seinem Namen steht? Sein Instant-Tee für Kinder hat den "Goldenen Windbeutel" der Verbraucherorganisation Foodwatch für die "dreisteste Werbelüge des Jahres" gewonnen. Von Christoph Fröhlich
Gesund geht anders: Der Instant-Tee von Hipp ist der Gewinner des Negativpreises "Goldener Windbeutel 2012", den die Verbraucherorganisation Foodwatch alljährlich für die dreisteste Werbelüge vergibt. Der Tee zum Anrühren wird für Kinder ab dem zwölften Monat beworben - trotz des Zuckergehalts von fast zweieinhalb Stück Würfelzucker pro Tasse (200 Milliliter). Damit sei er nicht mehr als ein "Zuckergranulat mit Wasser aufgegossen", kritisiert Oliver Huizinga von Foodwatch. "Eltern ein solches Produkt für Kleinkinder zu empfehlen ist unverantwortlich und passt in keiner Weise zu dem so oft betonten Anspruch von Hipp, 'kindgerechte' und 'gesunde' Produkte anzubieten."
Der Konzern lehnt den Vorwurf des Etikettenschwindels ab: "Fakt ist, dass HiPP die kritisierten Produkte gar nicht bewirbt. Folglich müsste sich der Vorwurf der 'Werbelüge' allein auf die Angaben auf der Verpackung beziehen", erklärt das Unternehmen in einer Stellungnahme. Dort sei der Zuckergehalt aber eindeutig zu erkennen - mit 3,8 Prozent im trinkfertigen Produkt.
Bereits im Mai kritisierte die Verbraucherorganisation die Instant-Tees des Babynahrungsherstellers, mehr als 10.000 Verbraucherbeschwerden landeten daraufhin im Postfach von Unternehmenschef Claus Hipp. Die Folgen blieben überschaubar: Der Tee wird seitdem nicht mehr als "Durstlöscher" beworben, sondern als "Genussmittel", das "gut für die Seele der Kinder" sei. Die Nominierung zum "Goldenen Windbeutel" sorgte aber offenbar doch für ein Umdenken: Bis Ende des Jahres sollen die Produkte durch neue Sorten ohne Zuckerzusatz ersetzt werden, erklärte das Unternehmen der Verbraucherorganisation Foodwatch.
Vier Wochen lang, vom 22. Mai bis 18. Juni, konnten die Verbraucher auf der Webseite www.abgespeist.de abstimmen und zwischen fünf Kandidaten wählen: Neben dem Hipp-Früchtetee waren auch die "Becel pro-activ Margarine" von Unilever, die Teesorte "Landlust" von Teekanne, die Viva Vital Hackfleisch-Zubereitung von Netto und die Bierstorte "Clausthaler Classic" von Radeberger nominiert.
Der Früchtetee "Landlust Mirabelle & Birne" von Teekanne sei laut Foodwatch nur ein Standard-Industrie-Früchtetee, der teurer verkauft werde. Das "Viva Vital Hackfleisch" vom Discounter Netto ist den Verbraucherschützern zufolge mit Wasser gestreckt. 30 Prozent Fleisch würden eingespart, indem es durch mithilfe von Weizen schnittfest gemachtes Wasser ersetzt werde. Der Werbehinweis "30 Prozent weniger Fett" sei damit eine logische Folge des Streckens und rechtfertige nicht den Preisaufschlag von mehr als 30 Prozent. Das als alkoholfreies beworbene Bier "Clausthaler Classic" enthält laut Foodwatch 0,45 Volumen-Prozent Alkohol.
Insgesamt hatten sich mehr als 130.000 Verbraucher an der Abstimmung beteiligt. Der Instant-Tee von Hipp gewann mit rund 44.000 Stimmen, das entspricht 34,1 Prozent. Im vergangenen Jahr gewann die "Milch-Schnitte" von Ferrero den Goldenen Windbeutel, 2010 erhielt die Molkerei Zott die Negativ-Auszeichnung für ihren "Monte Drink", 2009 Danone für seinen probiotischen Joghurt "Actimel".
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