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Ratgeber Ernährung

29. März 2011, 17:09 Uhr

Wie gefährlich ist das Klon-Schnitzel?

Klonfleisch-Verbot vom Tisch

Fleisch und Milch von Nachkommen geklonter Tiere können in der EU weiter verkauft werden. Auch eine Kennzeichnungspflicht scheiterte am Widerstand einiger Mitgliedstaaten - darunter Deutschland. Verbraucher sind verunsichert - Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Das ursprünglich geplante Verbot von Klonfleisch ist am Streit zwischen EU-Kommission, Europaparlament und Mitgliedsstaaten gescheitert. Auch eine Kennzeichnungspflicht im Supermarkt wird es vorerst nicht geben. stern.de beantwortet die wichtigsten Fragen, die sich Verbraucher jetzt stellen.

Was bedeutet Klonen?

Geklonte Tiere sind genetisch exakte Kopien bereits lebender Tiere. Klone werden mit gentechnischen Verfahren im Labor gezeugt und dann von einer Leihmutter ausgetragen. Das Verfahren des Klonens wurde 1996 durch das Schaf "Dolly" bekannt - das Tier entstand durch die Verschmelzung einer Körperzelle aus dem Euter der Mutter mit einer Eizelle ohne Erbgut.

Warum klont die Landwirtschaft überhaupt Tiere?

Klone sind für Züchter oder Industrie interessant, um besonders wertvolle Exemplare in exakter Kopie zu vermehren: Bauern können ihre besten Zuchtbullen klonen lassen, damit auch dessen Klone besonders viele Nachkommen zeugen. Kühe, die besonders viel Milch geben, können geklont werden, damit die Produktion von Milch billiger wird. Mit dem Klonen lassen sich die Kosten in der Landwirtschaft senken.

Wie ist die Rechtslage in der EU?

Als einziges EU-Land hat Dänemark das Klonen von Tieren für kommerzielle Zwecke verboten. Davon abgesehen hat laut EU-Kommission kein Mitgliedsland eine besondere Klon-Gesetzgebung. Einige Rechtswissenschaftler leiten aber aus anderen Vorschriften ein Verbot ab. Tierschützer etwa verweisen auf die EU-Richtlinie, die künstliche Zuchtmethoden verbietet, wenn diese den Tieren Leiden und Schmerzen zufügen. Weil das beim Klonen geschehe, argumentieren sie, müsse jede Art von Klonfleisch verboten sein.

Für das Fleisch von den Nachkommen der Klontiere gibt es keine Regelung - und dabei bleibt es nach dem Scheitern der Verhandlungen nun auch. In den USA, Kanada und Argentinien sowie Brasilien gibt es Klonfleisch schon länger im Handel. Sie sind die Hauptexporteure von Samen geklonter Bullen.

Wann kommt das Fleisch eines Klons in den Handel?

Im Allgemeinen gar nicht - weil Klonen sehr teuer ist. Das Bundesverbraucherschutzministerium beziffert die Kosten für einen einzigen Klon auf mindestens 20.000 Euro. Würde man Klontiere schlachten, wäre das wirtschaftlich nicht sinnvoll. "Kein Bauer wird 100.000 Euro für einen geklonten Bullen ausgeben, um dann daraus Hamburger zu machen", schreibt das Europaparlament. In der Kühltheke werden daher nicht die Tiere selbst, sondern vor allem Fleisch oder Milch ihrer konventionell erzeugten Nachkommen angeboten werden. Die Produkte lassen sich nicht von denen "normaler Tiere" unterscheiden.

Wie wird kontrolliert?

Europas Verbraucher müssen beim Einkauf nicht fürchten, das Produkt eines Klones in die Hände zu bekommen. Denn um Klonfleisch in den Handel zu bringen, sind in der EU aufwendige Prüfverfahren und Genehmigungen nötig. Laut deutschem Verbraucherschutzministerium liegt bislang kein Antrag der Industrie auf Zulassung von Lebensmitteln eines Klontieres in Europa vor, und es wurde auch keine Zulassung erteilt. "Sie dürfen in der EU daher nicht verkauft werden", schreibt das Ministerium im Internet. Allerdings ist etwa in Großbritannien bereits Klonfleisch ohne Kontrollen in den Handel gelangt.

Was ist mit dem Fleisch von Klon-Nachkommen?

Bei Nachkommen, die zum Beispiel mit dem Sperma eines geklonten Bullen erzeugt wurden, sieht es anders aus. Deren Schnitzel, Milch und Käse befinden sich möglicherweise schon im Handel. Da in der EU keine Kennzeichnungspflicht besteht, gibt es keine Zahlen. Nach Angaben der SPD-Fraktion im Europaparlament wird bereits vermehrt Milch von Nachkommen geklonter Tiere aus Frankreich angeboten.

Sicher gehen können Verbraucher also nur, wenn sie Biofleisch kaufen - denn die Vorschriften für Biolebensmittel sehen ein Verbot von Gentechnik vor.

Ist der Verzehr von Klonfleisch gefährlich?

Dafür gibt es bisher keine Anhaltspunkte. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) hat Klonfleisch grundsätzlich als unbedenklich eingestuft. Allerdings soll weiter geforscht werden. EU-Verbraucherschutzkommissar John Dalli sagt: "Ich würde geklontes Rindfleisch essen." Verbraucherschützer sehen jedoch sehr wohl Risiken, weil unklar ist, ob sich die genetischen Veränderungen bei Nachkommen fortsetzen und die Gesundheit des Menschen beeinträchtigen könnten.

Was sagen die Kritiker?

Kritiker melden vor allem ethische Bedenken an. Die von der EU-Kommission eingesetzte Ethikgruppe für Wissenschaft und neue Technologien etwa sieht "keine überzeugenden Argumente, welche die Herstellung von Nahrungsmitteln von Klonen und ihren Nachkommen rechtfertigen".

Tierschützer verweisen neben dem Leiden der Tiere auf die bislang geringe Erfolgsquote beim Klonen: Nur wenige Klonembryonen überleben, und häufig sind Fehlgeburten die Folge. Klontiere selbst sind oft krankheitsanfälliger und leben kürzer. Im Vergleich zu traditionell gezüchteten Artgenossen "macht die Reduzierung der genetischen Vielfalt Herden anfälliger für Krankheiten", kritisiert das Europaparlament.

Was sagen die Verbraucher?

Nach einer Eurobarometer-Umfrage aus dem Jahr 2008 ist die Mehrheit der EU-Bürger gegen Tierklonen. Drei von vier Befragten fanden, dass das Klonen von Tieren zum menschlichen Verzehr aus ethischen Gründen nicht akzeptabel ist.

joe/AFP/DPA

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