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16. Mai 2011, 16:48 Uhr

Wirbel um den Windbeutel

Die Organisation Foodwatch lässt Verbraucher erneut über "Werbelügen" abstimmen. Zu den Kandidaten für den "Goldenen Windbeutel 2011" zählen Gewürzgurken, Bonbons und ein Joghurt. Die Hersteller sehen sich zu Unrecht am Pranger.

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Die Milch-Schnitte besteht laut Foodwatch zu etwa 60 Prozent aus Fett und Zucker© Ferrero/Foodwatch

Schmeckt leichter als sie ist: Die Milch-Schnitte von Ferrero ist ein Kandidat für den Negativpreis "Goldener Windbeutel" der Verbraucherorganisation Foodwatch. Mit Sportlern als Werbepartner wird der Snack als "ideal für zwischendurch" verkauft. Eine "dreiste Werbelüge" findet Foodwatch, denn die Schnitte bestehe zu etwa 60 Prozent aus Fett und Zucker.

Seit Montag lässt die Organisation Verbraucher darüber abstimmen, welcher Lebensmittelhersteller in diesem Jahr den Negativpreis bekommt. Erhalten soll den "Goldenen Windbeutel" das Produkt, das aus Verbrauchersicht "die dreisteste Werbelüge des Jahres" verbreitet. Zur Auswahl stehen fünf Kandidaten. Neben der Milch-Schnitte nominierte die Jury die Vitamin-Bonbons Nimm2, Mini-Würstchen für Kinder von Stockmeyer, Danones Activia-Joghurt und Gewürzgurken von Kühne.

"Verbraucher haben Grund, sauer zu sein"

Bis zum 16. Juni können Verbraucher auf der Internet-Seite www.abgespeist.de ihre Stimme abgeben. "Angesichts der alltäglichen Irreführung durch die Lebensmittelindustrie haben die Verbraucher allen Grund, sauer zu sein", erklärte Anne Markwardt, Leiterin der Foodwatch-Kampagne. Nach Angaben von Ferrero widerspricht der Verzehr einer Milch-Schnitte als Zwischenmahlzeit dagegen prinzipiell nicht einem "ausgewogenen, sportlichen Lebensstil". Vielmehr werde gezeigt, "dass Ernährung und Bewegung zusammen gehören".

Nominiert für den "Windbeutel" ist auch der Joghurt der Marke Activia von Danone, der nach Meinung von Foodwatch "weder eine Wunderwaffe gegen Verdauungsbeschwerden noch ein Garant für perfektes Darmwohlbefinden" ist. Nach Aussage von Danone gilt die Wirkung des Joghurts hingegen als "eindeutig wissenschaftlich belegt". Activia könne "ein aufgeblähtes Gefühl reduzieren oder eine träge Verdauung regulieren". Mehr werde auch nicht suggeriert, erklärte das Unternehmen.

Bonbons statt Obst und Gemüse

Ein weiterer Kandidat für den Negativpreis sind die Nimm2-Bonbons des Herstellers Storck, dem Foodwatch irreführende Werbung mit Vitaminzusätzen vorwirft. Der Hersteller werbe mit "wertvollen Vitaminen", die in der Regel völlig überflüssig seien. Kindern werde dadurch suggeriert, dass sie ihren Vitaminbedarf auch mit Süßigkeiten statt mit Obst und Gemüse decken können, kritisiert Foodwatch. Storck erklärte am Montag dazu, die Vitamine böten gegenüber anderen Süßwaren "einen zusätzlichen Nutzen". Das Bonbon werde aber "in keiner Weise als Ersatz für andere Lebensmittel beworben".

Beim ebenfalls nominierten Produkt, den "Ferdi Fuchs Mini Würstchen" für Kinder der Firma Stockmeyer, kritisieren die Verbraucherschützer vor allem den aus ihrer Sicht hohen Salzgehalt. Der Hersteller weist diese Kritik zurück. Wer den von Foodwatch angeführten Salzgehalt von zwei Gramm in 100 Gramm Wurst esse, müsste bis zu fünf der Würstchen zu sich nehmen.

Unter den Kandidaten für den "Goldenen Windbeutel" ist zudem das "Schlemmertöpfchen Feine Gürkchen" von Kühne. Obwohl laut Foodwatch Aromen und ein Farbstoff drin stecken, würden die Gewürzgurken wie ein handwerkliches Produkt mit jahrhundertealter Tradition und "besten natürlichen Zutaten" verkauft. Kühne wies die Vorwürfe zurück. Die von Foodwatch ausgelöste Kampagne sei "nicht gerechtfertigt", erklärte der Vorsitzende der Geschäftsführung, Andreas F. Schubert.

Weitere Produkte, die nach Foodwatch-Angaben nicht halten, was sie versprechen (PDF).

pen/AFP
 
 
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