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Ratgeber Ernährung

25. Juni 2008, 11:32 Uhr

Aktionsplan gegen die Volkskrankheit

Volkskrankheit Übergewicht: Mit dem "Nationalen Aktionsplan Ernährung" will die Bundesregierung die Bürger gezielt über gesundes Essen und mehr Bewegung aufklären. Experten geht der Plan aber nicht weit genug.

In Deutschland gelten zwei Drittel der Männer und rund die Hälfte der Frauen zwischen 18 und 80 Jahren als zu dick© Thomas Kienzle/AP

Die Bundesregierung will dem Übergewicht der Bundesbürger stärker zu Leibe rücken und Deutschland in Form bringen. Das Kabinett beschloss am Mittwoch den Nationalen Aktionsplan Ernährung. Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) und Verbraucherminister Horst Seehofer (CSU) planen darin Kampagnen für gezielte Aufklärung über gesunde Ernährung, für besseres Essen in Kantinen von Betrieben, Schulen und Kindergärten sowie für mehr Sport. Ein Schulpflichtfach Ernährung ist allerdings nicht geplant, auch keine Werbeverbote für Süßigkeiten oder für alkoholische Getränke.

In Deutschland gelten zwei Drittel der Männer und rund die Hälfte der Frauen zwischen 18 und 80 Jahren als zu dick. Unter Kindern und Jugendlichen sind 15 Prozent übergewichtig oder fettleibig. Dadurch steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Zuckerkrankheit, warnt die Bundesregierung.

Für den Aktionsplan Ernährung stellen beide Ressorts in den nächsten drei Jahren zusammen 30 Millionen Euro zur Verfügung. Sichtbare Ergebnisse werden bis zum Jahr 2020 angestrebt.

Gesundheitsministerin Ulla Schmidt sagte, vor allem Kindern und Jugendlichen müsse in Kitas und Schulen ein gesundes Essverhalten und Freude an körperlicher Betätigung vermittelt werden. So sollten etwa Schulprogramme gefördert werden, die tägliche Bewegung auf dem Stundenplan hätten. Auch in der Ausbildung von Erziehern, Alten- und Krankenpflegern müsse die Vermittlung von Wissen über Ernährung und Bewegung eine Rolle spielen.

Angestrebt wird auch ein Verhaltenskodex mit der Süßwarenindustrie, damit diese freiwillig auf Werbung für Kinder unter zwölf Jahren verzichtet. Mit der Computerwirtschaft soll über die Entwicklung bewegungsfördernder Computerspiele gesprochen werden. Zudem wird im Rahmen der laufenden Initiative gegen Essstörungen und Magersucht eine Selbstverpflichtung der Modebranche angestrebt, auf den Einsatz zu dünner Models zu verzichten.

Grüne kritisieren die "Alibi-Maßnahmen"

Ernährungsminister Horst Seehofer erklärte, der Regierung gehe es bei dem Aktionsplan nicht um Reglementierung oder Verbote. Vielmehr wolle sie Hilfe zu einer gesünderen Lebensführung bieten.

Die Grünen-Fraktion hält den Aktionsplan für untauglich. "Es werden hauptsächlich Alibi-Maßnahmen vorgeschoben", sagte Grünen-Fraktionsvize Bärbel Höhn. "Übergewichtige Kinder werden so nicht erreicht." Höhn fordert ein Werbeverbot für Süßigkeiten im Fernsehen vor 20 Uhr sowie eine Ampel-Kennzeichnung von Lebensmitteln, bei der die Farben Rot, Gelb oder Grün zeigen, wie hoch der Anteil von Fett, Zucker oder Salz ist.

Die Deutsche Kinderhilfe kritisierte, bloße Appelle an die Bevölkerung reichten nicht. Der Verband fordert Ernährung als Pflichtfach in der Schule.

DPA/Reuters
 
 
KOMMENTARE (3 von 3)
 
fritzstark (27.06.2008, 10:49 Uhr)
Das reicht nicht
Was den Geldbeutel nicht berührt, berührt die Deutschen nur marginal. Schlage einen Übergewichtsmalus oder Normalgewichtsbonus beim Krankenversicherungsbeitrag vor, der durch ärztlichen Nachweis eines Normalgewichtes oder medizinischer Gründe vermieden werden kann.
olli68 (25.06.2008, 16:37 Uhr)
Nicht radikal genug! ?
Hauptursache Nr. 1 ist immer noch das fehlende Körperbewusstsein der "Dicken" - und das wird durch solche Aktionen kaum nachhaltig zu ändern sein - Ein anderer Teil der Übergewichttigen ist sich durchaus bewusst, dass sie etwas ändern MÜSSTEN, können aber aus gesundheitlichen oder psychischen Gründen nicht mehr. Hier wären Hilfen des Gesundheitswesens angesagt - ruhig auch mal etwas radikaler mit Besuchen vom Gesundheitsamt oder Beteiligung an den Krankenkosten, wenn's sein muss...
Weiteres bekanntes Problem: Das fettigste und monokohlenhydratreichste Essen ist am Billigsten als Resultat einer hohen Nachfrage der unteren sozialen Schichten nach diesen Produkten. Diese Mechanismen sind durch die o.g. lächerlichen Maßnahmen kaum zu durchbrechen. Der "Raucherkreuzzug" zeigt, dass nur radikale Lenkung und Antiwerbung positive Veränderungen hervorruft. Stellt sich die Frage: sind solche Eingriffe im Bereich der Ernährung und persönlichen Lebensführung überhaupt statthaft?
AnnaLena96 (25.06.2008, 15:55 Uhr)
Lächerlich!
Über Generationen hinweg waren diesbezügliche Maßnahmen nicht nötig. Im Zuge von Vereinsamung der Individuen innerhalb unserer Gesellschaft, Armut und einem unterirdischen Bildungsniveau der heranwachsenden Generation wollen unsere Politiker uns "Essverhalten" lehren. Die Konzentration auf Kernprobleme und deren Lösung würde unter Umständen zur Beseitigung der Folgeerscheinungen beitragen. Ob unsere liebe Legislative darüber schon mal nachgedacht hat?
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