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Dieser Brite schlief sechs Tage mit seiner toten Frau in einem Zimmer

Seine Ehefrau starb Ende April an Gebärmutterhalskrebs. Er verabschiedete sich von ihr, indem er sechs Tage neben ihrem toten Körper schlief. Warum Russell Davison das machte, erzählte er in einem BBC-Interview.  

Ein Ehepaar liegt sich in den Armen. Der Ehemann hatte ein sehr ungewöhnliches Abschiedsritual.

Seitdem Russell Davison und Wendy zwölf Jahre alt sind, kennen sich die beiden Briten. Ende April dieses Jahres verstarb Wendy und ihr Mann verabschiedete sie mit einem ungewöhnlichen Abschiedsritual.

"Ich wollte nicht, dass sie einfach einer Leichenhalle übergeben wird. Ich wollte sie bei unserer Familie haben. Sie sollte noch einmal in unserem Schlafzimmer sein, damit ich noch einmal mit ihr im selben Raum schlafen konnte." Das sagt Russell Davison im Podcast-Interview von Eddie Mair bei BBC Radio 4.

Der 50-jährige Engländer verabschiedete sich auf diese unkonventionelle Weise von seiner Frau Wendy. Sechs Tage lang schlief er mit ihrem toten Körper in einem Raum. "Ich weiß, dass das viele Leute komisch finden", so Davison. Doch wer die Liebesgeschichte des Paares kennt, bringt vielleicht doch Verständnis auf. 

"Sie hatte überhaupt keine Angst zu sterben"

Russell und Wendy sind gerade einmal zwölf Jahre alt, als sie sich kennenlernen. "Wir wussten schon damals, dass wir Seelenverwandte sind", erzählt Davison im Interview. Zwar braucht ihre Beziehung vier Anläufe, aber spätestens seit der Studienzeit sind die zwei unzertrennlich. Sie ziehen ins britische Derby und bekommen zwei Söhne. Alles scheint perfekt zu sein - und so blieb es auch bis 2006. Es ist das Jahr, in dem bei Wendy Gebärmutterhalskrebs diagnostiziert wird: "Ihre Mutter starb daran, als Wendy gerade 18 war. Trotzdem war sie unfassbar stark", so Davison.

Mit Beginn der Erkrankung krempeln die beiden ihr Leben komplett um. Sie verzichten auf Zucker, Alkohol und ernähren sich zunehmend gesund. Doch der Krebs kommt immer wieder. Eine Chemotherapie folgt der nächsten. "Ich weiß nicht, wie sie die ganze Zeit so willensstark sein konnte. Sie hatte überhaupt keine Angst zu sterben", sagt ihr Ehemann.

Vor drei Jahren teilten die Ärzte Wendy mit, dass sie nur noch sechs Monate zu leben hat. "Sie sagte zu mir, dass sie sich noch einmal aufs Leben konzentrieren will und nicht nur auf den Krebs und den ", verrät Davison im Gespräch. Deswegen macht das Paar noch einmal eine Reise durch ganz Europa, wo sie "die schönste Zeit ihres Lebens" haben.

Wendy wollte zu Hause sterben

Im September letzten Jahres müssen sie ihre Reise abbrechen. Wendys Zustand ist zu schlecht. Sie braucht ärztliche Hilfe, damit die Schmerzen nicht zu stark werden. Sie wird Royal Derby Hospital eingewiesen. Dort will sie aber auf keinen Fall sterben. Also entlässt sich Wendy kurzerhand selbst und wird von ihrer Familie zu Hause gepflegt.

Doch der Krebs ist nicht mehr aufzuhalten. Von Tag zu Tag geht es ihr schlechter. Sie hört auf zu essen und zu trinken. Vor knapp drei Wochen, am 21. April, stirbt sie. "Wendy schlief in meinen Armen, denen unseres Sohnes und angekuschelt an unseren Hund ein", berichtet Davison. Normalweise ruft man bei einem Todesfall die Polizei. Sie kommt mit Bestattern, die den Leichnam mitnehmen. Aber genau dieses übliche Prozedere wollte der Engländer nicht.

Ist dieses Abschiedsritual überhaupt legal?

Stattdessen kümmerten Davis und sein Sohn sich selbst: "Wir haben unseren Hausarzt geholt, der die Todesursache ganz normal festgehalten hat. Im Anschluss habe ich den Körper gereinigt und in den Sarg gelegt, den wir schon im Vorwege gekauft hatten." Jener Sarg stand dann sechs Tage lang im Schlafzimmer der beiden.

Ob es nicht ein komisches Gefühl wäre, mit jemanden, der tot ist, sein Zimmer zu teilen, wird Davison gefragt: "Ich weiß, das kommt komisch rüber: Ein Mann schläft mit seiner toten Frau in einem Zimmer", gibt er zu. Und ergänzt: "Aber ich konnte mich so noch einmal verabschieden. Ihr einen Kuss auf die Stirn geben und ihr danken. "

Auf seinem Facebook-Account teilte der Brite noch einmal die ganze Geschichte in einem langen emotionalen Posting. Mit rechtlichen Konsequenzen muss er nicht rechnen. Denn in England ist es nicht verboten, den toten Körper einer geliebten Person zu Hause zu behalten - sofern der Tod gemeldet und registriert ist. Das bestätigte der BBC ein Anwalt auf Amfrage.


rpw

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