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KOLUMNE

Aussehen wie Uschi Obermaier – Mick, so krieg ich dein Mojo!

Warum die "Rolling Stones" mit 70 und trotz Sauerstoffzelt hinter der Bühne immer noch so verdammt sexy sind. Vor allem Mick. 

Anziehen wie Uschi Obermaier und los geht es!

Anziehen wie Uschi Obermaier und los geht es!

Meine Freundin hat mich überredet: "Henriette, wir MÜSSEN zu den Stones!" Hat ja jeder mitbekommen: Die Rocklegenden geben im Spätsommer drei Konzerte in Deutschland. Eins davon bei mir ums Eck, im Hamburger Stadtpark. Die 180.000 Tickets waren innerhalb weniger Tage ausverkauft. Auf dem Schwarzmarkt gibt’s aktuell noch welche für 1500 Euro. "Wir müssen uns anziehen wie Uschi Obermaier – und Plakate basteln", quietschte meine Freundin am Telefon. Und das alles für vier Siebzigjährige, die nach jedem Song backstage Frischluft im Sauerstoffzelt tanken müssen, damit sie nicht umkippen?! Na, klar – wegen Micks !

Eine Nacht in Peru

Ich habe in Peru mal eine Nacht in einem Hotelzimmer mit dem Namen "Mick Jagger Room" verbracht. Es lag in der sagenumwobenen Amazonasstadt Iquitos, die man ausschließlich per Flugzeug oder Boot erreichen kann. Folglich treibt sich dort allerlei zwielichtiges Gesindel herum, weil es der ideale Ort zum Untertauchen ist.

Dort stand einst zusammen mit Klaus Kinski für den Film "Fitzcarraldo" vor der Kamera. Der Produzent Walter Saxer hat das Hotel, in dem die Crew damals monatelang gewohnt hat, gekauft. Er hat die Zimmer nach ihren einstigen Bewohnern getauft. Im "Mick Jagger Room" herrschte, das hat Herr Saxer mir selbst erzählt, reger Durchgangsverkehr. Eine peruanische Schönheit nach der anderen soll Mick hier vernascht haben. Er soll ja sexsüchtig sein: David Bowie, Carla Bruni, Marianne Faithfull, Farah Fawcett, Jerry Hall, Bianca Jagger, Angelina Jolie, Madonna, Prinzessin Margaret, Pippa Middleton und Uma Thurman – sie alle soll der mittlerweile achtfache Vater schon flachgelegt haben. "Sex ist für mich eine Möglichkeit, Energie aufzusaugen und mich jung zu fühlen", so der Rockstar. 

Rum und kleine Affen

Die Nächte, die ich im "Mick Jagger Room" verbracht habe, waren eigenartig. Über dem Doppelbett surrte ein hölzerner Propeller. In der Minibar standen Whiskey und Rum bereit. Kleine Affen sprangen vor meinem Fenster von Palme zu Palme. Tja, und ich? Fühlte mich so lebendig wie noch nie, fast schon fiebrig. Ich traf aufregende Menschen. Führte interessante Gespräche. Trank viel guten Whiskey am Ufer des Amazonas. Beinahe hatte ich das Gefühl, eine andere zu sein. War ein Teil von Mick Jaggers Mojo in Iquitos geblieben – und in mich eingedrungen? Vielleicht ... In jedem Fall werde ich jene Tage niemals vergessen. Sie zählen zu den intensivsten meines bisherigen Lebens. 

Nun bin ich gespannt, was geschehen wird, wenn Mick im Stadtpark leibhaftig vor mir stehen wird. Wird erneut seine Lebensenergie in mich und all die anderen 180.000 Fans dringen? Uns zum Glühen bringen und halb wahnsinnig vor Lebenslust machen? Ich hoffe es.

Lieber tot, als 'Satisfaction'  grölen

"Ich wäre lieber tot, als mit 45 noch 'Satisfaction' zu singen", das hat Mick Jagger mit 22 mal gesagt. Heute sieht er das anders: "Wir sind ein Symbol der Ewigkeit. Es ist ein Adrenalinhoch. Wie ein sehr schnelles Auto zu fahren … Es gibt auch hin und wieder einen transzendentalen Augenblick. Oft ist es einfach nur verrückt." 

Und ist es nicht genau das, wonach wir uns alle insgeheim sehnen, während wir im Büro, hinterm Tresen, am Herd oder auf der Baustelle ackern?! Eben. In diesem Sinne: I can't get no satisfaction, 'Cause I try and I try and I try and I try, I can't get no, I can't get no ... 


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