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Ihr habt keinen Mann - selber Schuld!

Sie waren nicht verliebt, trotzdem beschlossen sie, sich zu verloben und ein Kind zu bekommen. Susanne Wendel und Frank-Thomas Heidrich haben sich für die Liebe entschieden - und sie so gefunden.

Von Viktoria Meinholz

  Erst verlobt und dann verliebt: Susanne Wendel und Frank-Thomas Heidrich

Erst verlobt und dann verliebt: Susanne Wendel und Frank-Thomas Heidrich

Erst verliebt man sich, dann wird geheiratet, man bekommt 1,38 Kinder und wird zusammen alt. So soll eine Liebesgeschichte laufen, so hat es zu laufen. Doch es kann auch ganz anders gehen, wie die Geschichte von Susanne Wendel zeigt.

Die 41-jährige Münchnerin hatte kein Glück in der Liebe. Sie lernte Männer kennen, verliebte sich, aber eine feste, glückliche Beziehung wurde nach der Scheidung von ihrem ersten Mann nicht mehr daraus. Im Sommer 2011 beschloss sie, das zu ändern. Sie wollte einen Mann, Kinder, das ganze Paket. Bei einem Wochenendseminar entschied sie, sich zu verloben. Und zwar bereits fünf Tage später. Sie setzte eine Liste mit fünf möglichen Ehemännern aus ihrem Bekanntenkreis auf, einer von ihnen war Frank-Thomas.

"Ich kannte Frank-Thomas ja schon drei Jahre vorher und habe immer gedacht, nee, der geht nicht. Ich nehme jeden anderen, nur den nicht", erzählt Susanne Wendel. Und bei ihrem heutigen Partner sah das nicht anders aus, wie Frank-Thomas Heidrich in dem gemeinsamen Buch der beiden beschreibt. "Ich fand Susanne damals zwar nett, aber als Partnerin konnte ich sie mir nicht vorstellen […] Sie entsprach nicht meinem Beuteschema, meine Frau sollte eher dunkelhaarig und größer und auf jeden Fall irgendwie anders sein."

Die Kraft der Entscheidung

Trotzdem beschlossen die beiden an diesem Wochenende, ein Paar zu werden, noch am gleichen Abend zog er bei ihr ein, fünf Tage später verlobten sie sich vor den Augen ihrer Familie und Freunde. Sechs Monate später zogen sie gemeinsam in eine größere Wohnung, 14 Monate später gründeten sie eine gemeinsame Firma, anderthalb Jahre nach der Verlobung kam ihr Sohn zur Welt. "Wir haben auch heute noch das Gefühl, dass unsere Beziehung immer besser wird. Der Anfang war anstrengend, doch das hat uns zusammengeschweißt", sagt Susanne Wendel.

Haben wir eine Beziehung, weil wir einen Menschen lieben, oder können wir einen Menschen lieben lernen, weil wir entschieden haben, mit ihm eine Beziehung zu führen?

Aber warum das alles? "Ich kenne die ganzen typischen Großstadtsingles, die sich nicht festlegen wollen, weil sie die ganze Zeit im Kopf haben, dass vielleicht noch ein besserer kommt. Das war bei mir selber auch viele Jahre so", sagt Wendel. "Ich habe oft nette Männer kennengelernt, aber immer gedacht, der ist es noch nicht." Genauso wie bei Frank-Thomas, als sie sich kennenlernten.

Die beiden verlobten sich, ohne verliebt zu sein. Sie wurden ein Paar, weil sie gemeinsame Ziele hatten und endlich eine funktionierende Beziehung führen wollten. Sie entschieden sich füreinander. Für die Ernährungswissenschaftlerin ist diese eindeutige Entscheidung für den anderen einer von zwei Punkten, warum es bei ihnen geklappt hat.

"Der andere Punkt ist, dass man in wesentlichen Werten übereinstimmt. Damit meine ich die Lebensziele, die Wertvorstellungen. Zum Beispiel auch die Kinderfrage." In der waren sich die beiden sofort einig: Sie wollten Kinder, von Beginn an verzichteten sie auf Verhütung. Außerdem beschlossen sie, eine gemeinsame GmbH zu gründen. "Wir haben das Kind, wir haben die Firma zusammen, haben viele gemeinsame Themen und vieles was uns verbindet und wo wir uns gegenseitig den Rücken stärken. Das ist für eine Beziehung unglaublich wichtig."

Kinderwunsch an erster Stelle

Die Anfangszeit war nicht immer leicht. Sie beschlossen, täglich Sex zu haben, um Nähe aufzubauen. Ohne die rosarote Brille der Verliebtheit wogen liegengelassene Socken und dreckiges Geschirr noch schwerer. Da brauchte es viel Kraft, um bei der einmal beschlossenen Entscheidung zu bleiben. "Ich hab mir damals oft gesagt, ich kann in meinem Leben noch viele Männer haben, ich kann noch viele Liebhaber haben, ich kann mich verlieben, aber ich kann nicht mehr so lange Kinder haben, deswegen nehme ich jetzt denjenigen, der Kinder will", erzählt Susanne Wendel.

Aber hat sie dann nicht viel eher einen Vater als einen Partner gesucht? "Vielleicht, ja. Wobei es jetzt nicht mein Ziel war, nur einen Samenspender zu finden oder einen Mann, der nur Vater und nicht Partner ist. Ich wollte schon alles."

Die Reaktionen auf die gemeinsame Geschichte der beiden ist nicht immer positiv. "Leute, die uns schon länger kennen, sagen: Cool, haben wir schon immer gesehen, dass das passt. Aber fremde Menschen haben meistens sofort eine Meinung zu uns, verurteilen unsere ungewöhnliche Herangehensweise und interpretieren Dinge in unsere Beziehung. Manche denken, das ist jetzt so eine lieblose Vernunftbeziehung und die anderen sagen sowas wie 'Oh Gott, das arme Kind', das habe ich auch schon erlebt. Nach dem Motto: Wie kann man denn so leben?."

Fünf mögliche Ehemänner standen auf Susanne Wendels Liste. Bevor sie sich überhaupt entschieden hatte, wen sie zuerst fragen will, hatte ihr Frank-Thomas bereits einen Antrag gemacht. Denn zufällig war auch er bei dem Wochenendseminar dabei. "Auf der einen Seite war es natürlich Zufall", sagt Susanne Wendel. "Ich bin im Nachhinein aber sehr froh, dass er derjenige geworden ist. Ich weiß nicht, ob ich es mit den anderen so hingekriegt hätte, ich glaube eher nicht." Eine Hochzeit ist bisher nicht geplant, die zu erledigenden Formalitäten bei der Gründung ihrer Firma, haben dem Paar gereicht.

Zweieinhalb Jahre hat es gedauert, bis die beiden sich das erste Mal "Ich liebe dich" sagten. Der gemeinsame Sohn war bereits ein paar Monate alt, als Susanne Wendel plötzlich klar wurde, dass sie ihren Partner und den Vater ihres Kindes liebt. "Heute haben wir eine ganz normale Beziehung, wie andere auch. Nur der Anfang war ein ganz anderer", sagt Wendel. "Es ist für Menschen sicher das Allerschönste, wenn sie sich verlieben und dann eine stabile Beziehung daraus wird. Doch ich sehe viele Singles, die warten und hoffen. Ich will den Leuten einfach sagen: Hört mit dieser blöden Hoffnung auf und nehmt es selber in die Hand."

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