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Mein Mann ist gestorben und ich stehe allein mit den Kindern da

Tatjana B. hat Ihren Mann verloren. Sie muss alleine durchs Leben gehen und gleichzeitig für ihre kleinen Kinder funktionieren. Ihre Kräfte reichen oftmals nicht für die Aufgaben. Was kann Tatjana tun, um die düsteren Tage zu überstehen?

Julia Peirano: Tod des Partners - allein mit den Kindern

Der Partner stirbt plötzlich, die Mutter bleibt mit den Kindern zurück. Julia Peirano gibt Rat in dieser schwierigen Situation.

Frau Peirano,

mein Mann ist vor fünf Monaten plötzlich an einem Aneurysma gestorben. Ich habe zwei kleine Kinder und versuche, mich so gut ich kann um die beiden kleinen Mäuse zu kümmern und halbtags zu arbeiten. Aber ich habe richtig schwarze Tage, an denen ich mich zu nichts aufraffen kann und nur verzweifelt und traurig bin. Ich habe manchmal Angst, dass es nicht mehr besser wird und sehe keinen Sinn mehr am Leben. Natürlich würde ich mir nichts antun, weil ich ja für die Kinder da sein muss. Aber wie überstehe ich diese schlimmen Phasen? Meine Eltern sind recht alt und können mir nicht helfen, und meine Freundinnen haben alle selbst mit ihrer Familie genug zu tun. Ich kann nicht dauernd um Hilfe bitten.

Ihre Tatjana B.

Liebe Tatjana B.,

Sie stecken mitten in der Trauerphase! Es ist völlig normal, dass Sie Zeit brauchen, um über den Verlust Ihres Mannes hinweg zu kommen und Ihr Leben neu zu ordnen. Als Mutter von zwei kleinen Kindern ist das zum Teil noch schwerer, da Sie ja täglich funktionieren und die Kinder versorgen müssen. Sie können wirklich stolz auf sich sein, dass Sie sich täglich bemühen, für Ihre Kinder da zu sein und auch Geld zu verdienen! Wenn es Tage gibt, an denen Ihnen das nicht möglich ist, machen Sie sich bitte keine Vorwürfe, sondern sehen Sie, dass Sie Ihr Bestes geben. Vielleicht können Sie jetzt schon eine Mutter-Kind-Kur beantragen, um in einer ruhigen Umgebung mit Kinderbetreuung wieder zu Kräften zu kommen? Und Sie könnten sich bei Ihrer Krankenkasse oder Ihrer Ärztin erkundigen, welche Hilfen es für Mütter in Ihrer Situation gibt (z.B. Haushaltshilfe).

Trauerprozess nach dem Tod des Partners

Zu einem "normalen" Trauerprozess gehören starke Stimmungsschwankungen und Tage der Kraftlosigkeit dazu. Viele Trauernde erleben, dass an einigen Tagen die Normalität fast wieder einkehrt, während an anderen Tagen schon die kleinsten Aufgaben wie ein Berg vor einem stehen. Wichtig ist, dass Sie sich immer wieder vor Augen halten (vielleicht durch ein Post-It am Spiegel): Diese geht irgendwann vorbei, und Sie werden danach stärker sein als vorher. Allerdings ist es wichtig, dass Sie Ihren Gefühlen (auch den negativen wie Schmerz, Trauer, Angst…) genügend Raum geben und diese durchleben. Je mehr Sie sich jetzt darum kümmern, Ihre seelische Wunde zu verarzten, desto besser und unbelasteter werden Sie am Ende der Trauerzeit daraus hervorgehen.

Eine praktische Methode: Wie wäre es, wenn Sie sich eine Kiste kaufen, in der Sie Dinge sammeln, die Ihnen bei der seelischen Wundversorgung und an besonders düsteren Tagen helfen?
Sie könnten sich Aktivitäten überlegen und durch einen Gegenstand darstellen, die Ihnen in bestimmten Verfassungen gut tun.


Zum Beispiel:

• Wenn ich durcheinander und traurig bin, schreibe ich Tagebuch (legen Sie das Tagebuch in die Kiste).

• Wenn ich erschöpft bin, gucke ich eine Staffel mit lustigen, spannenden oder interessanten Serien (z.B. Krimis, Familiensagas, Humor).

• Wenn ich mich ablenken will, backe ich Kuchen oder Plätzchen (legen Sie am besten schon das Rezept in die Kiste und stellen Sie in einem guten Moment die Zutaten bereit.)

• Wenn ich mich entspannen will, gehe ich in die Badewanne oder betreibe in Ruhe Körperpflege oder ich höre eine CD zur Achtsamkeit, eine Körperreise oder Yoga Nidra (einer entspannenden yogischen Bewusstseinsübung). Hören Sie doch einmal auf Youtube in entsprechende CDs hinein und kaufen Sie sich einige je nach Ihrem persönlichen Geschmack.

• Wenn ich mich ordnen will, räume ich ein paar Schubladen oder Regale auf, bügle, mache to-do-Listen…

• Wenn ich mich körperlich auspowern will, gehe ich zu Schwimmbad x (am besten packen Sie vorher eine Schwimmtasche vor und erkundigen sich nach den Öffnungszeiten). Oder ich fahre mit meinem Fahrrad folgende Runde oder gehe walken, laufen etc.
• Wen kann ich anrufen, wenn ich reden möchte? Wenn keiner da ist, hilft die Telefonseelsorge − Sie könnten auch da die Nummern und Sprechzeiten vorbereiten.

Beobachten Sie sich doch in den nächsten Wochen mal im Alltag und benennen Sie ihre Gefühlszustände: Müde, erschöpft, angespannt, deprimiert, einsam, mit Vorfreude, durcheinander etc. Und überlegen Sie sich, was Ihnen in genau dem Moment gut tun würde – und packen Sie die Idee oder ein Symbol in die Kiste.
Das mag jetzt etwas einfach klingen, aber es ist extrem hilfreich. Denn leider funktioniert manchmal in Krisensituationen der praktische Teil des Gehirns nicht so gut, der hilfreiche Einfälle hat und diese umsetzen kann. Deshalb ist es gut, wenn Sie das vorher in guten und klaren Momenten vorbereiten und sich durch die Kiste dran erinnern.
Außerdem empfehle ich Ihnen, sich therapeutische Unterstützung zu holen, damit Sie in Ihrer Krise begleitet werden, Anregungen erhalten und sich Ihren Kummer von der Seele reden können.

Ich wünsche Ihnen viel Kraft für die kommende Zeit!
Herzliche Grüße Julia Peirano 

Kommentare (4)

  • palm4ever
    palm4ever
    Liebe Tatjana,

    ich kann es nur zu gut nachvollziehen, was Sie momentan durchmachen. Meine Frau ist vor 3 ½ Jahren gestorben und ich blieb mit meinen beiden Kindern zurück. Diese waren zwar schon etwas größer als die Ihren, was allerdings die Situation für alle auch nicht einfacher macht.
    Ich habe die Phasen (schwarze Tage) auch durchgemacht, ich beschreibe immer die Trauerphase als Wellenbewegung – die Löcher in die man fällt kommen immer wieder, aber werden nach und nach weniger tief.
    Auch heute gibt es die Trauermomente noch, aber seltener und weniger energieraubend (Antriebslosigkeit). Ich habe gerade in dem ersten halben Jahr nach dem Tod meiner Frau eigentlich nur wegen den Kindern funktioniert. Die Sorge um die Kinder steht auch noch heute an erster Stelle, ich habe aber inzwischen gelernt, mich auch wieder auf mich zu konzentrieren.
    Die Tipps von Frau Peirano sollten Sie beherzigen, allerdings müssen Sie für sich selbst herausfinden, was Ihnen guttut und weiterbringt. Da meine Kinder schon älter waren, konnte ich mir auch mal fürs Wochenende kleine Auszeiten nehmen. Ich besuchte in der Zeit viele alte Freunde in ganz Deutschland, auch haben mir verstärkte sportlich Aktivitäten geholfen. Ich habe auch schon bald viele Dinge aus der Wohnung entfernt, die meiner Frau gehörten oder mich zu sehr an sie erinnerten (natürlich vorsichtig und mit Rücksicht /Absprache mit den Kindern). Und habe auch die Wohnung nach und nach umgestaltet, so dass ich nicht auf Schritt und Tritt mit den Erinnerungen konfrontiert wurde.
    Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, ich habe meine Frau nicht aus meinem Leben gestrichen, sie hat nach wie vor einen festen Platz in meinem Herzen. Ich habe aber gelernt, dass die Vergangenheit abgeschlossen ist, ich in die Gegenwart lebe und in die Zukunft blicken kann.
    Ich wünsche Ihnen von Herzen alles Gute und kann Ihnen nur mitgeben – es wird mit der Zeit besser und weniger schmerzhaft, aber es dauert – haben Sie Geduld.

    Peter
  • michaelwag
    michaelwag
    Danke für Ihren Beitrag
  • Lion-19
    Lion-19
    Ich würde mich mit 100 € anschließen, bitte aber die Redaktion bzw. Frau Dr. Peirano, mein kleines Geschenk zu anonymisieren. Ich bitte um entsprechende Nachricht. Meine E-Mail-Adresse ist der Redaktion aus der Registrierung bekannt.
    Gerd
  • Clemens Barono
    Clemens Barono
    Hallo,
    gibt es diese junge Witwe und Mutter Tatjana mit ihren zwei Kindern tatsächlich ? Können Sie eine Spende in Höhe von 50,- Euro an sie weiterleiten oder sogar persönlich übergeben?
    Danke,
    Freundliche Grüsse
    kruegerwarstein@t-online.de

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