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"Mein neuer Partner ist 20 Jahre älter als ich - soll ich mit ihm Kinder bekommen?"

Annalena hat einen tollen Mann kennengelernt. Sie ist Anfang 30, er 52 Jahre alt. Sie wünscht sich Kinder, fürchtet aber, dass ihr Partner zu alt dafür ist. Wie kann sie mit dem Altersunterschied in der Partnerschaft umgehen?

Kinder mit einem älteren Mann bekommen?

Wie geht man mit einem enormen Altersunterschied in Beziehungen um?

Liebe Frau Peirano,

nach zwei Jahren als Single habe ich jetzt einen wirklich tollen Mann (Frank) kennen gelernt. Er ist souverän, erfolgreich, besitzt Einfühlungsvermögen, ist attraktiv und hat einen sehr guten Stil bei Kleidung und seiner Einrichtung. Ich könnte stundenlang weiter seine Vorteile aufzählen. Er ist auch sehr klug und interessant und wir können uns stundenlang unterhalten. Der Sex ist sehr sehr schön.
Das einzige Problem: Er ist 51 und ich bin 32. Ich möchte noch Kinder – auf jeden Fall war das bisher immer so. Frank hat eine 24-jährige Tochter und ist seit langem geschieden. Er kann sich aber noch ein Kind mit mir vorstellen.
Ich merke, dass ich immer wieder an die Zukunft denke. Wenn wir ein Kind zusammen kriegen, ist Frank um die 70, wenn es Abi macht. Ich bin 50 und stehe voll im Leben, und er ist dann schon 70. Jetzt macht der Altersunterschied mir nichts aus, Frank ist sportlich, gesund und sieht auch jünger aus. Aber wie wird das in 10 Jahren sein? Oder in 20?


Ich habe manchmal das Gefühl, dass ich mich nicht so richtig darauf einlassen kann, obwohl alles so schön ist.
Was kann ich machen?

Viele Grüße, Annalena B.

 Liebe Annalena B.,

Ihre Frage ist nicht einfach zu beantworten. Sie können jetzt noch nicht wissen, ob es eine gute Idee ist, mit Frank eine Familie zu gründen – das wird erst die (weit entfernte) Zukunft zeigen. Im Prinzip müssen Sie jetzt eine Voraussage über die Zukunft treffen und darüber spekulieren, wie gesund, fit und belastbar Frank in 20 Jahren sein wird. Das ist nicht zu schaffen, denn wer weiß schon, was die Zukunft bringt? Auch ein 30-jähriger Mann kann jederzeit krank werden oder sogar einen tödlichen Unfall haben. Es ist nur statistisch weitaus unwahrscheinlicher als bei einem 70-Jährigen. Sicher ist, dass die Kräfte irgendwann nachlassen- Sie sehen das ja bei Ihren Eltern und deren Freunden. Das Problem bei dem 20-jährigen Altersunterschied ist jedoch, dass sich der Gedanke an die Zukunft mehr aufdrängt, insbesondere wenn Sie haben wollen. Ihr Unbewusstes meldet sich die ganze Zeit zu Wort und sagt: Was ist, wenn Du Frank verlierst und alleine dastehst? Oder wenn er krank wird und du ihn pflegen musst - und du letztlich auch alleine dastehst? Oder wenn Sie mit 50 Jahren viel unternehmungslustiger und fitter sind als Ihr Mann – und letztlich auf viele Aktivitäten verzichten müssen?

Diese Sorgen und (Verlust)-Ängste machen es Ihnen schwerer, sich ganz auf Frank einzulassen. Und Sie haben das Gefühl, dass Sie die Entscheidung nicht nur für treffen müssen, sondern auch im Sinne Ihres ungeborenen Kindes. Sie spüren die Verantwortung, dafür zu sorgen, dass das Kind einen Vater hat, der ihm möglichst lange erhalten bleibt. Das erzeugt gewaltigen Druck. 

Es ist aufgrund Ihrer Sorgen und Ängste wichtig, dass Sie sich intensiv mit der Situation auseinander setzen und bewusst eine Entscheidung für oder gegen Frank treffen. Wie wäre es, wenn Sie sich ein klareres Bild machen, indem Sie andere Paare treffen und befragen, die in einer ähnlichen Situation sind – nur 20 Jahre älter? Sie könnten doch über den Freundeskreis gezielt nach Paaren suchen, bei denen ein von ca. 20 Jahren zwischen den Partnern besteht (d.h. Frau ca. 50. Mann ca.70) und die Kinder haben. Vielleicht kennen auch Ihre Eltern oder Freunde Ihrer Eltern entsprechende Paare? Es wäre bestimmt hilfreich, Kontakt zu Frauen in ähnlichen Konstellationen zu suchen und zu erfahren, ob und in wieweit der Altersunterschied ein Problem darstellt. Und achten Sie dabei unbedingt auf Ihr Bauchgefühl. Es ist ja entscheidend, dass Sie sich wohlfühlen. Möglicherweise geben diese Gespräche Ihnen mehr Sicherheit in Ihrer Entscheidung für Frank. Es kann aber auch sein, dass Ihre Ängste sich verstärken – das sollten Sie unbedingt ernst nehmen.

Ich wünsche Ihnen alles Gute bei Ihrer Entscheidungsfindung!
Herzliche Grüße, Julia Peirano 

Kommentare (5)

  • Kornfeld
    Kornfeld
    Du willst unbedingt ein Kind, und er wehrt sich nicht dagegen. Also bekomm dein Kind. Ganz eindeutig: Ja, wage es. Denn egal, mit wem du ein Kind bekommst, egal wie alt der ist, es kann dir immer passieren, dass die Beziehung nicht von Dauer ist. Außer, du willst auf gar keinen Fall jemals alleinerziehend sein, dann vergiss das mit dem Kind. Denn wie gesagt, jede Beziehung kann zerbrechen, und dann stehen die Chancen bei knapp 100%, dass DU mit dem Kind allein dastehst, und nicht ER.
  • RB85
    RB85
    Hallo Annalena,

    mir geht es ähnlich wie dir. Ich bin 32 und mein Partner 48. Der einzige Unterschied ist, ich habe schon eine Tochter und mein Partner ist jetzt schon nicht gesund (diabetes) sowie ich auch.
    Deshalb denke ich genau das gleiche wie du und habe immer wieder Fragestellungen an mich selber. Wieviel wird unser Kind von ihrem/seinem Papa haben? Werde ich es schaffen ihn später zu pflegen mit unserem Kind, in meinem Fall dann zwei Kinder? Möchte ich später auf meine Freiheit verzichten, weil ich ihn vllt pflegen muss? Und was ist mit dem Kind...Wie wird es dem Kind gehen? Ist es richtig ein Kind auf die Welt zu bringen unter diesen Bedingungen? Meine Mutter hatte mich mit 40 Jahren bekommen, ich habe mich damit nie wohl gefhlt als Kind!
    Ich weiß mein Partner möchte unbedingt ein Kind, er hat noch keine und wünscht sich eines! Schenke ich uns die tollen Jahre mit einem Kind, oder bin ich egoistisch ihm gegenüber und sage mir, ich möchte später Leben und nicht als Pflegekraft dastehen? Brauche ich aber dann wirklich eine Beziehung wenn ich so denke? Passieren kann immer etwas?!

    Ich würde mich freuen, wenn Interesse besteht mich mit dir zu unterhalten, wir sitzen ja quasi im gleichen Boot. Vielleicht hilft uns das??

    Liebe Grüße
    RB
  • Oli
    Oli
    Interessant, geht es mal nicht um "sexual intercourse" verstummt das Heer der Ratgeber.

    Interessant finde ich auch, dass sowohl bei Frage wie Antwort die Haltung des Mannes völlig hinten runter fällt.
    Überspitzt würde der Rat bei einem Kinderwunsch von seiner Seite dann wohl lauten, sich lieber eine jüngere Partnerin zu suchen, da dies hier vom Alter her schon fast kritisch werden könne.

    Man sieht, wie absurd dieses Frage-Antwort-Spiel doch ist, jederzeit alles auf Optionen abzuklopfen statt einfach mal wieder auf die Dinge zu bauen wie sie sind.
  • Gerdd
    Gerdd
    Die Bedenken sind schon richtig. Aber - man kann heute auch in hoeherem Alter gute Eltern sein. (Ich habe gut laestern, meine Mutter war bei meiner Geburt genau 20 Jahre alt.)

    Also muss man mal kurz die Lebensplanung aufrufen. Und dabei muss man sich dann in Erinnerung rufen, dass es sowieso auch ganz anders kommen kann. Auch junge Eltern koennen frueh sterben. Die Erwerbsfaehigkeit oder das Vermoegen sind nicht automatisch der Planung entsprechend garantiert. Aber was bleibt, ist dies: Wer mit Anfang 50 Vater wird, muss unter Umstaenden bis Mitte 70 und vielleicht auch noch ein wenig laenger eine Ausbildung finanzieren koennen - je nach Lebensplanung. Ich kenne Ihre Situation nicht, aber es kann nauerlich sein, dass Sie und Ihr Mann so vermoegend sind, dass das kein Problem ist. Oder Sie sind bettelarm, haben sich aber damit eingerichtet, und ein Studium Ihres Nachwuchses (zum Beispiel) waere sowieso illusorisch. Dann waere das sicherlich kein Thema. Aber wenn's jetzt noch ganz ordentlich laeuft, aber beim Eintritt ins Rentenalter die Altersarmut droht - dann muss man mal darueber reden, wie man damit umgehen will.

    Ich haette da ein Beispiel, aber das kann man nicht in den hier verfuegbaren (schwaebisch-schottischen) 200 Zeichen zusammenquetschen. Ich versuche also, einen zweiten Post abzuschicken. :-)
  • Gerdd
    Gerdd

    Wie gesagt, es kann auch ganz anders kommen. Ein Beispiel aus dem Freundeskreis, das ich hier etwas abwandele, um die Unschuldigen zu schuetzen.

    Sie, Mitte 30, Auslaenderin in Deutschland, er knapp 50, sehr gut aufgestellt mit eigener Firma, die hoschwertige Luxus- und Investitionsgueter an liquide Kunden verkauft. Ein Kind kuendigt sich an, es wird geheiratet. Man baut ein sehr komfortables Heim in der Angesagtesten Wohngegend einer deutschen Grossstadt. Gerade in das neue Haus eingezogen - das Toechterchen ist mittlerweie fuenf Jahre alt - bekommt Papa Krebs und stirbt. Alle seine Versicherungen waren - berufsbedingt - auf Unfalltod fokussiert. Mama kann aus verschiedene Gruenden nicht in den gelernten Beruf zurueck. Sie macht eine Ausbildung zur Kosmetikerin. Haus weg, Ende jeglichen Luxus' - Toechterchen entdeckt relativ jung die Liebe zur Musik und zu einem teuren exklusiven Instrument. Glucklicherweise bleibt sie bei der Stange und man kann heute sagen, sie haben es geschafft. Aber das Leben der beiden und der inzwischen heranwachsenden Familie der "Kleinen" ist ganz anders verlaufen als geplant. Klar, mit Papa haette vieles ganz anders ausgesehen und waere oft viel leichter gewesen. Aber, wer die beiden befragt - und ihre Freunde und Verwandten - es gab sehr oft viel mehr Stress als man sich wuenschen koennte, aber sie haben es geschafft. Und sind gluecklich. Die einstige "Kleine" ist nun ziemlich erfolgreich in ihrem Beruf und hat einen liebenden Mann mit hohen akademischen Ehren und drei gemeinsamen Kindern.

    Man muss und darf sich also nicht total auf die Lebensplanung verlassen. Es kann - manche sagen es wird - anders kommen, aber das muss nicht automatisch eie Katastrophe werden. Also, wenn der Bauch dafuer ist, dann eben "Nur Mut!"

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