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"Mein Freund hat mich nach acht Jahren verlassen - es kam ganz plötzlich"

Verena versteht die Welt nicht mehr: Nach einem schönen Urlaub trennt sich ihr Partner plötzlich von ihr. Seine Gründe kann sie nicht nachvollziehen. Was kann Verena tun, um mit der Trennung klarzukommen?

Vom Partner verlassen

Vom Partner verlassen - was nun? Julia Peirano weiß Rat.

Frau Peirano,

nach 6 Jahren Zusammenleben und 8 Jahren Beziehung hat sich mein Partner von mir getrennt. Nach einem Urlaub, den er selbst auch als schön bezeichnet, wenn er auch lieber wie ursprünglich geplant mit mir nach Thailand geflogen wäre. Das hatten wir (ich dachte im beiderseitigen Einverständnis) abgesagt, da mein Sohn unter epileptischen Anfällen leidet und ich Angst hatte, so weit weg zu sein. So war es halt ein Deutschland-Urlaub im November.


Seine generelle Begründung: wir hätten keine gemeinsamen Interessen mehr. (Wir gehen seit 4 Jahren 2x pro Woche tanzen, wir haben bis vor einem halben Jahr Badminton/Fitness/Sauna zusammen gemacht, da hat er sich dann ausgeklinkt). Wir hatten viele tolle Urlaube im Ausland zusammen, haben einen Camping-Platz.
Seine Vorliebe für Ballerfilme, Truck Trials und ähnliches teile ich allerdings tatsächlich nicht. Ich bin der Meinung, dass man manches halt mit Freunden machen kann und nicht alles vom Partner erwarten darf.
Weiter kommt er nicht gut mit unserer Wohnsituation zurecht, da mein Sohn ihm zu unordentlich ist. Das könnte tatsächlich besser sein (mein Sohn ist 18), aber er hat sich in den letzten Monaten deutlich mehr Mühe gegeben und ist auch ansonsten ein "friedlicher Vertreter". Da gibt es sicher schlimmere Jungen in dem Alter. Durch seine Krankheit wird es wohl noch etwas dauern, bis er auf eigenen Füßen steht. Er ist derzeit in Behandlung, aber die Medikamente wirken noch nicht richtig.
Ich verstehe weder den Zeitpunkt der Trennung, noch sind die Gründe für mich ausreichend oder nicht lösbar. Das macht es mir schwer, die Entscheidung zu akzeptieren und ihn loszulassen. Ich habe noch sehr viele Gefühle für diesen Mann. Und ich mochte unser gemeinsames Leben.

Haben Sie einen Tipp für mich?

Herzliche Grüße Verena F.

Liebe Verena F.,

ich kann gut verstehen, dass Sie nicht verstehen können, warum Ihr Partner sich recht plötzlich von Ihnen getrennt hat. Die Gründe, die er Ihnen genannt hat, können Sie nicht nachvollziehen, weil Sie das gemeinsame Leben ganz anders empfinden. Sie waren zufrieden und hätten an den Problemen, die es gab, etwas ändern können.

Gab es irgendwelche Warnzeichen dafür, dass Ihr Partner nicht zufrieden war? Hatten Sie zum Beispiel häufiger Streit oder hat er Ihnen gesagt, dass er unzufrieden mit der Situation ist? Wie hat er es zum Beispiel begründet, dass er sich aus dem gemeinsamen Badminton/Fitness-Sauna- Ritual ausgeklinkt hat?

Ein zentrales Thema scheint die Beziehung zu Ihrem Sohn zu sein, die Sie beide sehr unterschiedlich empfanden. Für Sie als Mutter war es in Ordnung, Rücksicht auf Ihren Sohn zu nehmen und auch wegen seiner epileptischen Anfälle im Urlaub in seiner Nähe zu bleiben. Sie wissen, dass er im Moment noch Ihre Unterstützung braucht, weil er krank ist, und sehen ihm einiges nach. Ich habe den Eindruck, dass Ihr Freund das ganz anders gesehen hat und zumindest in letzter Zeit nicht mehr so bereit war, auf Ihren Sohn einzugehen oder ihm zuliebe auf etwas zu verzichten. Haben Sie offen darüber sprechen können?
Wie hat Ihr Partner die Beziehung zu Ihrem Sohn und das Zusammenleben empfunden? Hat er den Jungen geliebt und eine Art Vaterrolle eingenommen? Oder gab es immer wieder Anzeichen dafür, dass er den Jungen als Störenfried empfunden hat? Durfte Ihr Freund seine eigenen Vorstellungen von einem Zusammenleben einbringen - und wurde er gehört? Oder hat er sich in seinem eigenen Zuhause unwohl gefühlt, konnte aber nichts ändern? Versuchen Sie doch einmal, sich zu erinnern, wie er sich geäußert hat und versetzen Sie sich doch einmal in seine Lage. Vielleicht wird Ihnen dann klarer, wie er sich gefühlt hat.

Ich kann mir vorstellen, dass es Ihnen die Trennung erleichtern würde, wenn es keinen radikalen Schnitt gibt, sondern Sie noch Kontakt zu Ihrem Freund halten. Hoffentlich finden Sie durch Gespräche heraus, was ihn zur Trennung bewogen hat. Meine Frage ist, ob es möglicherweise noch eine zweite Chance gibt. Könnte Ihr Freund sich das vorstellen, und was müsste sich ändern, damit er zufriedener ist? Wie sieht es in seiner Gefühlswelt aus: Liebt er Sie noch oder hat er zumindest freundschaftliche Verbundenheitsgefühle für Sie? Oder ist er plötzlich erkaltet? Wenn ja: Können Sie sich vorstellen, dass eine andere Frau im Spiel ist? Aus meiner Erfahrung ist das meistens der Fall, wenn ein Mann sich plötzlich von seiner Partnerin zurück zieht, die Beziehung in einem sehr negativen Licht sieht und keine Bereitschaft zeigt, an der Beziehung zu arbeiten.

Ich hoffe sehr für Sie, dass Sie Klarheit finden können, am besten durch Gespräche mit Ihrem Freund. Er kann Ihnen am besten sagen, was los ist.

Herzliche Grüße Julia Peirano

Kommentare (1)

  • clau
    clau
    Es ist besser das Beziehungsende zu akzeptieren und loszulassen. Das Leben geht weiter auch ohne ihn und vielleicht verliebt man sich irgendwann neu.

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