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"Mein Freund ist mit seiner Ex befreundet - kann ich ihm vertrauen?"

Katya liebt ihren Freund. Er ist mit seine Ex befreundet und will auch gerne in den Urlaub mit ihr fahren. Katya fühlt sich Fehl am Platz und fragt sich, ob sie ihm vertrauen soll. Wie kann sie die Situation entschärfen?

Er ist mit seiner Ex gut befreundet - aber sind sie wirklich nur gute Freunde?

Er ist mit seiner Ex gut befreundet - aber sind sie wirklich nur gute Freunde?

Liebe Frau Dr. Peirano,

ich bin seit 5 Monaten mit meinem Freund zusammen. Wir harmonieren gut zusammen, er zeigt mir durch sein Verhalten, dass er mich liebt und er akzeptiert meine zwei aus meiner ersten Ehe.

Nun zu meinem Problem. Ich komme mit dem Gedanken nicht zurecht, dass er eine beste Freundin hat. Es begann so: Als wir zusammen kamen, hat er mir erzählt, dass er mit einer Freundin in den Urlaub fahren wollen würde. Am Anfang war das auch ok für mich. Aber dann kamen mir Gedanken. War es wirklich nur eine Freundin oder doch mehr?


Also fragte ich ihn, ob er mal mit ihr geschlafen hätte. Das bejahte er auch. Ich habe ihn daraufhin gebeten, die Reise abzusagen. Das machte er auch. Ohne Murren.
Seine Freundin blockierte ihn darauf bei WhatsApp und war wohl sehr sauer auf ihn. Ich sah mich dahin gehend bestätigt, dass von ihr mehr aus ging als Freundschaft. Ich war daraufhin eigentlich ganz zufrieden. Auf jeden Fall meldete sie sich nicht mehr.
Aber irgendwann schrieb sie ihm dann doch, immer und immer wieder. Und ich begann zu forschen. Ich bekam heraus, dass die beiden freundschaftlich Reisen unternommen haben und auch, dass es sogar eine Ex-Freundin von ihm war. Und das hat mein Bild wieder vollkommen zerstört.
So wie ich mitbekommen habe, müssen die beiden auch im vergangen Jahr sexuell miteinander zu tun gehabt haben und das von ihr wohl als Beziehung angesehen worden sein.


Sie hat mich persönlich auch schon angeschrieben, weil sie mich unbedingt kennenlernen will und geschrieben, dass ich mir keine Sorgen machen brauche.
Ich weiß nicht, wie ich dazu stehen soll. Ich liebe meinen Freund und will ihn auch nicht verlieren. Merke aber, dass ich immer zickig reagiere, wenn ich nur ihren Namen höre. Ich möchte ihn aber auch nicht vor die Wahl stellen, da ich Angst habe, dass er sich gegen mich entscheidet.

Ich bin irgendwie ideenlos. Er sagt, ich solle mir keine Gedanken machen. Aber dann kommen Bilder in den Kopf und die Gedanken fangen an sich zu drehen.
Es sind so Gedanken wie: Die beiden haben schon so viel miteinander durchgemacht, Sie waren mal zusammen, sie hatten Sex und vielleicht gibt es immer noch ein sexuelles Verlangen, kann ich ihm vertrauen?

Vielleicht hab ich auch einfach zu wenig Vertrauen in mich selbst. Ich weiß, dass ich jetzt nicht schlecht aussehe und ich bekomm auch immer Komplimente, aber ich fühle mich manchmal so fehlerhaft.
Katya B.

Liebe Katya B.,

ich kann verstehen, dass Sie sich mit der Situation nicht wohl fühlen. Insbesondere Ihr Satz "Ich möchte ihn nicht vor die Wahl stellen, da ich Angst habe, dass er sich gegen mich entscheidet" zeigt, dass Sie sich in der neuen Beziehung noch nicht angekommen fühlen. Deshalb wäre es (gerade in der Anfangszeit!) wichtig, dass Sie und Ihr Freund als Paar zusammenwachsen und sich aufeinander einstellen können. Viele Paare gehen gerade in der ersten Zeit in ihrer Zweisamkeit auf und schotten sich auch ein wenig gegen Freunde und Verwandte ab, um sich ganz aufeinander einzustellen. Bei Ihnen beiden scheint das gerade nicht so gut zu gelingen, weil Ihr Freund nicht darauf achtet, die Intimsphäre Ihrer Partnerschaft zu wahren. Bildlich gesprochen: Statt dass er mit Ihnen in einem Zimmer liegt und die Tür abschließt, damit niemand hereinkommt, will er mit seiner Ex-Freundin in einem Zimmer liegen, in dem Sie keinen Platz haben. Dass die Situation Ihnen nicht gefällt und Sorgen bereitet, kann ich gut verstehen.

Warum will Ihr Freund lieber mit seiner Ex-Freundin verreisen, obwohl er Sie kennen gelernt hat? Anscheinend hatte er diese Reise schon geplant, bevor Sie beide ein Paar wurden. Aber auch als Sie beide zusammen kamen, hat er Ihnen nicht signalisiert, dass er gerne mit Ihnen verreisen würde, sondern wollte die Reise mit seiner Ex-Freundin machen. Zudem hat er nicht mit offenen Karten gespielt: Er hat seine Ex-Freundin, mit der er anscheinend ein ungeklärtes Verhältnis hat, als "beste Freundin" bezeichnet. Erst auf Nachfragen hat er eingeräumt, dass die beiden Sex hatten, später dann fanden Sie heraus, dass die beiden wohl auch länger zusammen waren. Bei einer solchen häppchenweisen Informationstaktik ist es nicht verwunderlich, dass Sie sich Gedanken machen und sich fragen: Was war oder ist denn noch alles zwischen den beiden?

Letztendlich übernimmt Ihr Freund wenig Verantwortung, um von sich aus die Situation zu bereinigen. Er überlässt es Ihnen, einen Aufstand zu machen und die Situation zu klären. Sie haben aber mehr Spielraum, als Sie glauben – und den sollten Sie auch nutzen.


Wie wäre es, wenn Sie die Ex-Freundin kennen lernen und so mehr Klarheit gewinnen? Wenn Sie mit ihr reden, könnte sich das Problem schnell auflösen – denn Sie wird Ihnen bestimmt mehr über die Beziehung der beiden erzählen. Es wäre auch interessant, wenn ein Teil des Treffens auch zu dritt (mit Ihrem Freund) stattfindet. Dann können Sie sehen, wie die beiden miteinander und auch mit Ihnen umgehen. Sie sehen dann, ob Ihr Freund vor der anderen Frau zu Ihnen steht, oder ob er sich bedeckt hält. Achten Sie unbedingt auf Ihr Bauchgefühl. Wenn Sie merken, dass Sie innerlich ruhig sein können und sich wohl fühlen, wäre das Problem gelöst, und Sie hätten einen wichtigen Beitrag dazu geleistet. Wenn Sie sich aber unwohl fühlen, dann könnten Sie –nachdem Sie es mit eigenen Augen gesehen haben- ganz klar sagen, dass Sie nicht damit leben können, dass die beiden engen Kontakt haben. Dann ist es an Ihrem Freund, sich zu entscheiden. Und falls er sich dann nicht klar für Sie entscheiden kann, zeigt es Ihnen, dass es mit seinen Gefühlen und seiner Loyalität für Sie nicht so gut bestellt war.

Herzliche Grüße Julia Peirano 


Kommentare (5)

  • Fredi
    Fredi
    Katya sollte zunächst einmal ihren eigenen Gefühlen über den Weg trauen. Sie fühlt sich fehl am Platz; dann ist sie das vermutlich auch. Die „Bilder“, die sie sich z.B. über ihren Freund und dessen Ex macht, werden regelmäßig zerstört, weil sie nicht hinschauen will, was wirklich los ist.

    Was ist das für eine Art von Beziehung, wenn sie erst nach langem Forschen herausfindet, dass die beiden ein Paar waren? Wenn alles abgeschlossen wäre, könnte der Mann doch bei der ersten Frage erzählen, ja, wir waren zusammen und aus den und den Gründen ging es auseinander.

    Zum Kommentar von Kornfeld: Dass der Bedarf vorbei ist, jemanden sexuell auszuprobieren, wenn man mit ihm/ihr zusammen war, klingt für mich total oberflächlich. Geht es in einer erfüllten Sexualität nicht eigentlich um ein immer tieferes, vertrauteres, „eingespielteres“ Einlassen?
  • Corwin
    Corwin
    Bis jetzt ist der einzige Fehler des Mannes, dass er in der Vergangenheit gelebt hat und nicht als unbeschriebenes Blatt in die aktuelle Beziehung gegangen ist. Während ihre 2 Kinder und die damit verbundene Vorgeschichte für ihn kein Problem sind.
    Es gibt mehr als 50 Nuancen von Grau und nicht nur schwarz/weiß. Das heißt, dass jeder eine Vergangenheit hat und haben darf. Und die ist Teil von ihm. Das muss man ertragen können. Alles andere ist nicht Liebe sondern Besitzdenken.
    Er hat nichts gemacht, was man ihm vorwerfen könnte. Im Gegenteil, er hat sie geschont und ist auf ihre Wünsche eingegangen. Darüber hinaus ist die Beziehung harmonisch und er zeigt, dass er sie liebt. Und als Quittung sucht sie Rat beim Profi.
    Ich kann 01099 nur zustimmen (was nicht immer vorkommt). Ein "ich will ihn, wenn er so ist, wie ich es möchte" ist eine Erwartung, die auf Dauer unerfüllbar ist.
  • svetta
    svetta
    kann mich Kornfeld nur anschließen - warum wird immer erwartet, dass mit dem Ende einer Beziehung auch alles andere, was man geteilt hat, hinfällig ist? Das ist so schade...

    Vertrauen ist die Basis, die immer da sein sollte. Und dazu gehört sicher auch ein bisschen Vorschuss, wenn man in eine neue Beziehung startet. Aber die Erwartungshaltung: vor mir gab es niemanden, und wenn ja, dann ist er/sie komplett ausgemerzt und nicht mehr vorhanden, ist egoistisch und realitätsfern.

    Ihr Partner hat sich für Sie entschieden, macht das an vielen Dingen deutlich. Aber er möchte ungern die Freundschaft (und ja, sowas kann tatsächlich auch mit einer Ex funktionieren) aufgeben, nur weil Sie von Eifersucht geplagt und unsicher sind.

    Treffen Sie sich mit der Freundin, lernen Sie sie kennen. Wer weiß, vielleicht finden Sie über die Zeit sogar einen guten Drat zueinander. (Die Ex meines Partners ist z.b. mittlerweile eine meiner besten Freundinnen).

    Gegen Betrug können Sie sich sowieso nicht wappnen. Aber ein gesundes Selbstvertrauen aufbauen. Ihr Partner hat sich für Sie entschieden. Wenn er etwas anderes wollte, könnten Sie sich Kopf stellen, es würde nichts ändern. Und wenn dem so wäre, wäre er es schlicht auch nicht wert, da er Sie dann etwas besseres verdient hätten.
    Also bleiben Sie einfach genau die Partnerin, die er kennen und lieben gelernt hat und kein eifersüchtiges Zicklein ;)

    Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass das schwer fällt und Zeit braucht. Wenn Sie offen mit Ihrem Partner kommunizieren und auch mit der Freundin, sagen, dass Sie gerne vertrauen wollen, es Ihnen aber schwer fällt, dann ist das ok. Aber ich würde wohl vor die Wahl gestellt auch eher die Trennung in Betracht ziehen, einfach, weil ich mich ja selber freue, wenn aus einer Liebe (und gemeinsamen Erfahrungen und Erlebnissen) nicht Hass oder Gleichgültigkeit, sondern Freundschaft entstehen kann. Und weil mich das Misstrauen kränken würde.
  • Kornfeld
    Kornfeld
    Wieso immer noch diese Zweifel? Er liebt Sie und Ihre Kinder. Er sagt die -wohl schon vor Ihrer Beziehung geplante - Reise mit der Ex ohne Murren ab, die Ex ist verständlicherweise erstmal bedient, dann möchte sie Sie aber kennenlernen, versichert, Sie brauchen sich keine "Sorgen" zu machen, versucht sowohl ihre Freundschaft zu Ihrem Freund, als auch Ihre Beziehung zu Ihrem Freund zu retten. Aber nee, Sie denken nur, dass die beiden Sex haben könnten. Jedoch genau das hatten die beiden schon, es besteht also kein "Bedarf" mehr, den jeweils anderen "auszuprobieren", trotzdem können sich die beiden noch gut leiden. Das spricht für das "erwachsen sein" beider. Man muss nicht den Menschen, die Freundschaft, das Positive einer vorherigen "Beziehung" aufgeben, nur weil man keinen Sex mehr miteinander hat. Ich z.B. wohne mit meinem Ex zusammen und habe seit ca 3 Jahren einen neuen Freund. Klappt super, die beiden mögen sich. Probieren Sie es aus, lernen Sie die Frau kennen, sie ist offenherzig, verständnisvoll Ihren "Sorgen" gegenüber, und möchte sich nicht zwischen Sie und Ihren Freund drängen, sondern eine Freundschaft mit Ihnen beiden als Paar.
  • Susann
    Susann
    Allein die Tatsache, dass sich die Freundin Rat holen muss, zeigt, dass es Grund gibt zum Zweifeln.
    Manche Männer tun sich schwer, das Ende einer Beziehung zu verarbeiten und stürzen sich lieber in eine neue Beziehung. Die neue Partnerin soll zum Lecken seiner Wunde (für verletzten männlichen Stolz zum Beispiel) herhalten und wird nie darüber aufgeklärt, was wirklich passierte, wie es zum Bruch kam, wie es nach dem Bruch weiterging und wie sehr der Mann der alten Beziehung nachhängt.
    Eine Zusammenarbeit der Frauen wäre sicherlich gut, um dem Mann auf die Sprünge zu helfen, seine innere Spaltung aufzuheben, da er es offensichtlich nicht kann und die Frauen gegeneinander ausspielt (bewusst oder unbewusst). Es soll ja Männer gegeben haben, die ein Doppelleben lange verheimlichen konnten.
    Ob die Freundin nun gut aussieht oder nicht, spielt nicht unbedingt die größte Rolle. So lange sie auf Komplimente angewiesen ist, um sich ihrer sicher zu fühlen, ist sie nicht wirklich attraktiv.

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