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Meine Schwiegereltern ignorieren mich - und mein Mann hält nicht zu mir

Seit vier Jahren ist Sabine mit Andi verheiratet. Doch für seine katholischen Eltern gibt es nur eine Frau an Andis Seite: Simone, seine Ex-Frau und die Mutter seiner Kinder. Andi zeigt wenig Verständnis für Sabines Ärger.

Die Schwiegereltern ignorieren mich

Was tun, wenn die Schwiegereltern einen ignorieren?

Frau Peirano,

ich bin seit vier Jahren mit Andi verheiratet. Er hat zwei Töchter, die nur am Wochenende bei uns sind, und ich habe einen 9-jährigen Sohn von meinem Ex-Freund. Mein Sohn lebt mit uns zusammen. In letzter Zeit haben Andi und ich viel Streit, und es handelt sich meistens um seine Eltern und seine Ex-Frau Simone. Andis Eltern wohnen in einem bayrischen Dorf, wir wohnen in einer größeren Stadt 80 km entfernt. Das Dorf von Andis Eltern ist streng katholisch. Jeder kennt jeden und klüngelt mit jedem. Simone hat mit ihrem Vater eine Bäckerei und jeder kennt sie, ihr Vater spielt mit meinem Schwiegervater Karten. Mein Problem ist, dass Andis Eltern mich nicht anerkennen. Für sie gibt es nur eine Ehe, die Gott anerkennt, und das war seine erste Ehe (unsere war nur standesamtlich, nicht kirchlich). Sie können eh nicht damit umgehen, dass er sich von Simone getrennt hat. Und ich bin doppelt schlimm, weil ich ein uneheliches Kind habe.

Ich selbst habe leider keine Familie mehr. Mein Vater ist vor vielen Jahren gestorben, meine Mutter hat Alzheimer. Als ich Andi kennenlernte, habe ich mir sehr gewünscht, mich auch mit seinen Eltern gut zu verstehen. Aber wenn ich zu Besuch bin, reden sie meistens nur mit Andi und sagen: "Du kannst ja bald mal wieder kommen." Simone geht bei seinen Eltern ein und aus, vor allem wegen der . Die Eltern haben noch Hochzeitsfotos und Familienfotos von Andi und Simone auf dem Fenstersims stehen. Mir dreht sich der Magen um, wenn ich das sehe.

Wenn ich mich beschwere, sagt Andi: "So sind die halt. Sind alte Leute, die ändert man nicht mehr". Er spielt das alles mit. Wenn wir auf dem Feuerwehrball sind, tanzt er mit allen, auch mit Simone. Mir gefällt das überhaupt nicht. Er sagt nur: "Ich tanz doch am meisten mit dir. Hier tanzt jeder mit jedem, das ist hier so."

Klar, für ihn ist das auch alles ganz bequem. Richtig schlimm war für mich der 70. Geburtstag von Andis Papa. Der hat Andi neben Simone zu sich an den Tisch gesetzt und mir einen Platz neben den Nachbarn und Bekannten zugewiesen. Ich habe an dem Tag natürlich nichts gesagt, weil ich keine Szene machen wollte vor dem ganzen Dorf und vor Andis Vater. Aber danach habe ich Andi schon gesagt, wie ich darüber denke. Er versteht mich einfach nicht und sagte: "Ist doch nur für den Abend. Nachher löst sich die Tischordnung eh auf." Ich fühle mich total ausgegrenzt, bin richtig traurig und wütend. Was kann ich dagegen machen?

Ihre Sabine W.

Liebe Sabine W.,

ich kann verstehen, dass Sie verärgert und enttäuscht sind. Sie hatten gehofft, Familienanschluss zu finden und sind guten Mutes in die neue Familie gegangen. Leider haben Sie feststellen müssen, dass es keinen Platz für Sie gibt, denn in den Köpfen von Andis Eltern ist der Platz seiner Frau und Mutter seiner Kinder bereits fest besetzt – von Simone. Auch in vier Jahren der Ehe hat sich für Andis Eltern nichts daran geändert, wie auch die Tischordnung gezeigt hat. Andi sitzt, wie im Wunschbild der Eltern, neben Simone – und Sie sitzen irgendwo unter den Bekannten. Das ist eine Kränkung. Abgesehen davon gehört es sich nicht, Ehepaare bei Festen auseinander zu setzen. Vielleicht hilft es Ihnen, wenn Sie diese Kränkung nicht persönlich nehmen, denn das ist sie nicht. Für Andis Eltern gibt es aufgrund Ihres katholischen Weltbilds nur eine Ehe. Jede andere Frau an Ihrer Stelle würde genau so wenig akzeptiert werden wie Sie. Ich befürchte, dass Sie in einem Gespräch mit Andis Eltern nur auf Granit beißen würden. Im Prinzip haben Sie nur die Möglichkeit, Ihrerseits seinen Eltern einen Platz in Ihrem Leben zuzuweisen, der für Sie stimmig ist. Vielleicht können Sie sich mal ein Schachbrett nehmen und Ihre Familie stellen – sich, Andi, Ihren Sohn, seine Töchter, Simone, seine Eltern und weitere wichtige Personen? Achten Sie dabei darauf, dass Sie die für Ihr Gefühl passenden Schachfiguren auswählen und jede Figur an den Platz stellen, an dem es sich für Sie richtig anfühlt. Möglicherweise brauchen Sie viel mehr Abstand zu seinen Eltern. Fühlen Sie mal nach, was in Ihnen passiert, wenn Sie seine Eltern in Ihrem Weltbild weiter wegstellen – und wenn Sie die Hoffnung aufgeben, dort die Liebe zu finden, die Ihnen ihre Eltern nicht mehr geben können.
Der eigentliche Dreh- und Angelpunkt liegt allerdings in Andis Verhalten. Er hat Sie geheiratet und sich damit für Sie entschieden. Leider hört es sich so an, als wenn er Ihnen seiner Familie gegenüber nicht den Rücken stärkt. Es wäre seine Aufgabe, dafür zu sorgen, dass jeder Sie als die Frau an seiner Seite akzeptiert. Sobald er mit seinen Eltern zusammen ist, benimmt er sich wieder wie ein Sohn und spielt das Spiel mit, das seine Eltern sich ausgedacht haben. Dabei missachtet er Sie und Ihre Gefühle, und wenn Sie sich beschweren, wehrt er das ab. Er rät Ihnen, "nur für ein paar Stunden" gute Miene zum bösen Spiel zu machen, damit er selbst es einfacher hat. Leider geht es nicht um ein paar unangenehme Stunden, sondern darum, dass er vor anderen nicht zu Ihnen steht - gerade wenn es für Sie am wichtigsten ist.

Partner in einer Beziehung sollten als Einheit auftreten

Ich würde Ihnen raten, sich mit Andi auseinander zu setzen. Sie sagen allerdings, dass Sie schon häufiger Streit und Diskussionen über dieses Thema hatten. Vielleicht können Sie ihn fragen, wie er sich fühlen würde, wenn Ihre Freunde und Bekannten ihn wie Luft behandeln würden und Sie im Familienkreis immer mit Ihrem Ex-Freund als Einheit gesehen würden. Sie können ihn nachdrücklich darum bitten, dass er dafür sorgt, dass Sie in Zukunft zusammen sitzen. Wenn das nicht hilft: Haben Sie gedanklich schon einmal durchgespielt, wie es wäre, nicht mehr mitzukommen?

Es wäre bestimmt auch hilfreich, wenn Sie versuchen, im Dorf Anschluss zu finden. Gibt es Freunde Ihres Mannes, die Sie mögen und mit denen Sie sich anfreunden können? Dann sind Sie nicht mehr so außen vor, sondern haben selbst Verbündete. Und wie verstehen Sie sich mit seinen Töchtern? Zeigen die Töchter Ihnen Zuneigung, wenn Sie im Dorf sind oder lassen die sie auch links liegen?
Hat Ihr Mann versucht, Sie im Dorf zu integrieren, indem er zum Beispiel mit Ihnen ins Gasthaus geht, bei Festen erscheint, mit Ihnen Samstagmorgen auf den Markt geht etc.? Es ist ganz wichtig, dass Sie und Ihr Mann daran arbeiten, dass Sie als eine geschlossene Einheit auftreten, der niemand etwas anhaben kann.

Ich wünsche Ihnen alles Gute und starke Nerven.

Herzliche Grüße, Julia Peirano 

Kommentare (5)

  • an bord
    an bord
    Hallo Sabine, wie sieht eigentlich Simone die ganze Sache? War die Scheidung einvernehmlich, oder wurde sie von Andreas verlassen und hofft auf seine Rückkehr - auch als Vater ihrer Kinder? Haben Sie bei der Trennung eine Rolle gespielt, oder haben Sie und Andreas sich erst später kennengelernt? Ich verstehe, dass die Situation für Sie sehr unangenehm ist. Aber wie ist es für Simone, wenn der Ex-Mann bei Familien- oder Dorffesten zusammen mit der "Neuen" auftaucht und sie dies ebenso als demütigend empfindet?
  • irrelevanza1
    irrelevanza1
    Hallo Sabine W.
    Was seine Eltern denken, wie sie die Ehe sehen und was sie sich wünschen, ist eine Sache. Und klar, kann man denen in mancher Hinsicht entgegen kommen oder nachgeben. Aber es sollte auch für dich und für deinen Mann eine Grenze im Nachgeben und Entgegenkommen geben.
    Diese Grenze ist z.B. bei der Sitzordnung überschritten worden, wie ich finde. Wahrscheinlich hätte ich auch keine Szene gemacht, sondern wäre einfach gegangen.
    Wenn er seinen Eltern nicht zeigen kann, dass er voll und ganz zu dir steht und dich als seine Frau respektiert und achtet, dann wird es bei euch nie zu Annäherung oder wenigsten Akzeptanz seitens seiner Eltern kommen.
    Und auch alte Leute können sich ändern. Man muss denen aber schon (deutlich) zeigen wohin gehend.
    Immerhin haben sie ihn nicht verstoßen, obwohl er sich scheiden gelassen hat. Und in dem Punkt hat er den Schneid gehabt sich gehen ihren Willen durchzusetzen. Das war ja schon der erste Schritt.
    Der zweite wäre z.B. "ich sitze neben meiner Frau SABINE".

  • Lion-19
    Lion-19
    Der Fall ist (wegen der Kinder) etwas zu komplex, um einfache Ratschläge zu erteilen. Absolut richtig sind aber die Empfehlungen von Frau Dr. Peirano, die Distanz zu den Schwiegereltern zu vergrößern und der Hinweis, Verbündete im Bekanntenkreis zu suchen und ein eigenes Netzwerk aufzubauen.
    Es gibt aber Fälle, in denen kein Kompromiss möglich ist. Ich war selbst einmal vor die Entscheidung gestellt: Eltern oder Partnerin. Ich habe mich klar für die Partnerin, meine spätere Ehefrau, entschieden und alle Verbindungen zu Eltern und Geschwistern “mit der Machete“ abgetrennt. Dies war die beste Entscheidung in meinem Leben. Ich habe sie nie bereut.
    Ich bin gewiss kein frommer Mensch. Interessant ist aber eine Empfehlung in einem besonders klugen Buch, wo gleich an mehreren Stellen folgende Lebensweisheit nachzulesen ist:
    "Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und seinem Weibe anhangen, und sie werden sein ein Fleisch."
    Wenn ein Mann nicht Manns genug ist, sich im Zweifelsfall für diese Regel zu entscheiden, dann sollte er besser gar nicht heiraten und lieber bei Mami und Papi bleiben.
  • Tollpatsch
    Tollpatsch
    Dein Mann sollte hinter dir stehen! Solche Dinge wie auf dem 70. Geburtstag kenne ich auch. Meine Schwester hat auf ihrer Hochzeit meinen (mittlerweile) Mann zur entfernten Verwandtschaft gesetzt, weil wir ja nicht verheiratet waren. Mein Mann kam aber bei jeder sich bietenden Gelegenheit zu mir und hat sich höchst unchristlich verhalten ;)
    Dein Mann sollte viel mehr auf dich eingehen und auch seinen Eltern gegenüber zu dir stehen! Das ist grade im Dorf unglaublich wichtig!

    Deine Schwiegereltern wirst du nicht ändern können. Wirf doch die Möglichkeit der Annulierung der Ehe mit Simone in den Raum! Das ist kirchenrechtlich kompliziert, aber mittlerweile nicht mehr unmöglich. Danach wäre Simone auch für deine Schwiegereltern endgültig Geschichte. Ob ihr danach kirchlich heiratet sei mal dahin gestellt.

    Viel Glück!
  • Haubentaucher
    Haubentaucher
    Verlass den rückgratlosen Vollidioten. Solche Leute ändern sich höchstens, wenn DU was änderst. Außerdem, kannst du vor so einem Waschlappen noch Respekt haben?

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