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"Mein Freund ist ständig bei seiner Ex und dem gemeinsamen Kind"

Als Janine ihren Freund kennenlernte, hatte er sich gerade von seiner schwangeren Ex getrennt. Jetzt ist das Kind da - und für Janine hat er kaum noch Zeit. Sie fühlt sich vernachlässigt. Was kann sie tun?

Streit in der Beziehung

Streit in der Beziehung: Er hat ein Kind mit der Ex

Guten Tag Frau Peirano,

ich bin 27 und seit einem Jahr mit meinem Partner zusammen. Wir hatten von Anfang an einen schweren Start. Mein Partner hatte sich erst sechs Monate zuvor von seiner damals schwangeren Freundin getrennt. In der Schwangerschaft hat er viel für sie gemacht, was ich verstehen konnte und auch in gewissem Grad ok fand, da sie ja zusammen dieses Kind erwarten. Wir haben oft darüber gesprochen, wie es laufen wird, wenn das Kind dann auf der Welt sein wird. Und mir war von Anfang an klar, dass es nicht einfach wird.

Diese Ex-Freundin hat viele fiese Sachen veranstaltet. Zum Beispiel weigert sie sich, ihm das halbe Sorgerecht zu geben und noch andere Dinge. Es gab sehr viel Streit zwischen den beiden.

In den vielen Gesprächen habe ich meinem Freund mehrmals gesagt, dass meine größte Angst ist, dass er nur noch bei ihr Zeit verbringen wird. Er hat das alles abgetan als wäre ich hysterisch. Jetzt ist dieses Kind da und es ist genauso gekommen, wie ich es befürchtet habe. Jeden Tag nach der Arbeit verschwindet er und kommt erst abends nach Hause. Deswegen gibt es viel Streit bei uns. Ich habe gesagt, ich akzeptiere es nicht, dass er jeden Tag bei ihr ist. Ich verstehe natürlich, dass da auch das Kind ist. Aber für mich spielt sich eine Beziehung nicht abends auf dem Sofa für 2 Stunden ab. Ich möchte mit meinem Partner Zeit verbringen, gemeinsame Aktivitäten erleben. Wenn ich das in Gesprächen einfordere, muss ich mir anhören, dass er nicht 24/7 aufeinander hocken will, sondern Freiheiten haben will. Seitdem verschwindet er nach der Arbeit und erzählt mir später, dass er mit Kollegen weg war. Ich glaube ihm aber kein Wort. Ich gebe zu, dass ich mitunter sehr eifersüchtig sein kann. Aber ich habe auch nicht das Gefühl, dass er irgendetwas macht, um mir zu beweisen, dass ich falsch liege.

Unsere Streitereien drehen sich immer nur im Kreis. Ich will mehr gemeinsame Zeit, er sagt er hat keinen Bock, wenn ich immer schlechte Laune habe. Ich habe schon mehrfach versucht, ihm zu erklären, dass meine Laune sich ändern würde, wenn er etwas ändern würde und mehr Zeit in unsere Beziehung investieren würde. So geht das immer hin und her. Dazu kommt, dass es bei uns im Bett schlecht läuft. Er will so gut wie keinen Sex, ich dagegen brauche viel Sex in einer Beziehung. Haben wir dann doch Sex, geht er null auf mich ein. Er schaut zwar, dass ich immer komme, aber ich wünsche mir Küsse und Berührungen.

Ich frage mich, ob wir das Ganze noch retten können. Mir geht das alles sehr an die Substanz, ich schlafe nur noch wenig und esse fast nichts mehr. Mein Kopf sagt ich soll es beenden, mein Herz ist aber dazu noch nicht bereit. Können Sie mir einen Rat geben? Mit freundlichen Grüßen

Janine M.

Liebe Janine M.,

Sie klingen sehr unzufrieden mit Ihrer Beziehung. Ihr Körper spricht da eine deutliche Sprache, wenn Sie so unter Stress stehen, dass Sie schlecht schlafen und kaum essen können.


Es hört sich so an, als wenn Sie ein absolutes Minusgeschäft machen. Sie wünschen sich viel mehr Zeit, um mit Ihrem Freund etwas zu unternehmen oder seine Nähe zu genießen. Auch sexuell haben Sie das Gefühl, zu kurz zu kommen. Dazu kommt, dass Ihr Freund nicht mit Ihnen nach Lösungen für die bestehenden Probleme sucht (z.B. feste Zeiten für Sie als Paar reservieren, gemeinsame Aktivitäten planen). So schwer wäre das ja nicht, wenn beide guten Willen hätten. Im Gegenteil: Er spiegelt Ihnen, dass er Sie hysterisch, überzogen und zickig findet, und er geht auf Ihre Wünsche nicht ein. Teilweise macht er sogar das Gegenteil von dem, was Sie wollen: Er geht aus und sagt Ihnen nicht, wo er war. Ich finde es nicht verwunderlich, dass Ihr Vertrauen zerstört ist und dass Sie wenig Hoffnungen haben, dass sich etwas zum Positiven ändert.

Mir ist aufgefallen, dass das Kind Ihres Freundes mit Ihnen anscheinend nichts zu tun hat oder haben soll. Es wäre ja auch möglich, dass er das Kind, so klein es auch ist, nach der Arbeit abholt und zu Ihnen bringt oder mit Ihnen und dem Kind spazieren geht. Dann hätten Sie gemeinsame Zeit. So wie es jetzt ist, fühlen Sie sich ausgeschlossen, denn Ihr Freund geht zu seiner Ex-Freundin in die Wohnung, zu der Sie keinen Zutritt haben und beschäftigt sich gemeinsam mit ihr mit dem Kind, zu dem Sie keinen Kontakt haben. Da fühlen Sie sich nicht wie die Partnerin an seiner Seite, sondern wie das fünfte Rad am Wagen. Auch im Hinblick auf eine gemeinsame Zukunft wäre es wichtig gewesen, hier die Grenzen anders zu ziehen. Jedoch zeigt Ihr Partner keine Bereitschaft dazu, sondern verlangt von Ihnen, dass Sie die Situation so hinnehmen, wie sie ist, und zwar ohne zu klagen.


Ich denke, dass auch Ihr Freund die Beziehung als Belastung empfindet. Er hat mit seiner Arbeit und der Sorge für sein Kind schon viel zu tun. Er scheint nicht die Kapazitäten für eine Beziehung zu haben. Auf jeden Fall ist er sichtlich genervt, wenn er nach Hause kommt und Sie noch Wünsche und Ansprüche an ihn stellen. Ich befürchte, dass Ihr Freund derzeit nicht in der Lage ist, sich nach noch jemandem, nämlich Ihnen, zu richten. Er möchte in Ruhe gelassen werden oder seine wenige Freiheit genießen.

Ehrlich gesagt sehe ich auch nicht, wie Sie beide aus diesem Sumpf wieder herauskommen wollen. Sie sind erst ein Jahr zusammen, und von Anfang an gab es Schwierigkeiten. Diese haben sich im Laufe der Zeit eher zugespitzt, und anscheinend streiten Sie lange und ohne dass sich jemals ein Problem löst.

Nun ist meine Frage an Sie: Warum halten Sie so an dieser Beziehung fest? Versuchen Sie doch einmal, ganz ehrlich zu sich zu sein und die folgenden Fragen zu beantworten.

- Warum halten Sie an diesem speziellen Mann fest?

- Gibt es etwas, das Ihnen an ihm wirklich gefällt? Was ist es?
- Oder halten Sie vielleicht gar nicht an diesem Mann fest, sondern daran, in einer Beziehung zu sein? Woher kommt das? Waren Sie zum Beispiel mal länger alleine und haben sich dabei unwohl gefühlt?
- Können Sie die Gründe, die Sie in der Beziehung noch halten, mal ganz konkret auflisten und sich dann fragen, ob diese Gründe den ganzen Rest aufwiegen?

- Was sagen Ihre Freundinnen über Ihre Beziehung, vor allem die, auf deren Meinung Sie Wert legen?

- Und was glauben Sie, was Ihr Körper Ihnen sagen will, indem Sie nichts mehr essen können?
- War es in Ihrer Lebensgeschichte schon immer so, dass Sie sich schwer trennen konnten? Woran liegt das?

Ich hoffe, dass Sie den Glauben an eine glücklichere Zukunft, ob mit oder ohne Mann, wiederfinden können.

Herzliche Grüße, Julia Peirano  


Kommentare (2)

  • Lion-19
    Lion-19
    Übergangsbeziehungen und andere Gemeinheiten

    Verehrte Janine,
    Ihr Freund hatte die Nase voll von seiner Ex und da waren eben gerade Sie, haben ihn getröstet, haben ihn umsorgt, verhätschelt etc. Inzwischen haben Sie wohl selbst gemerkt, dass Sie von Anfang an nur ein Lückenbüßer waren. Er hat sich innerlich nie von seiner Ex getrennt. Und wie das in einem solchen Dreiecksverhältnis ist, gewinnt fast immer die Ex. Zumal es hier mit dem gemeinsamen Kind noch ein weiteres Bindeglied – man könnte auch sagen Druckmittel – gibt.

    Tun Sie also, was Ihnen Ihr Verstand sagt: Trennen Sie sich von diesem Typen, trennen Sie sich sofort! Dann wird es Ihnen gleich besser gehen. Mit 27 Jahren haben Sie noch alle Chancen der Welt, einen wirklich passenden Partner zu finden, einen, für den Sie die Hauptrolle spielen und wo Sie nicht zu den Komparsen und Statisten gehören.

    Alles Gute für Sie
    Gerd
  • Kornfeld
    Kornfeld
    Du hast halt einen Mann abbekommen, der sich um seine Verantwortung nicht drückt, und sich um sein Kind kümmert. Dass da natürlich die Mutter des Kindes mit dran hängt, ist doch logisch. Du solltest froh sein, dass er sich verantwortlich benimmt.

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