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Mein Mann überlässt mir die gesamte Hausarbeit

Antonia kauft ein, kocht, putzt die Wohnung - ihr Mann liegt in der Zeit auf dem Sofa und ruht sich aus. Wie kann sie ihn dazu bringen, sich mehr zu engagieren? Julia Peirano rät zu Kompromissen. Und im Notfall zum Streik.

Liebe Frau Peirano,
ich bin seit drei Jahren mit meinem Mann zusammen. Wir sind beide voll berufstätig und teilen uns alle Kosten. Wenn ich nach Hause komme, fühle ich mich für den Haushalt verantwortlich und fahre noch einkaufen, koche das Abendessen oder räume auf. Mein Mann ruht sich erst einmal genüsslich aus. Ich kriege schon Aggressionen, wenn ich ihn auf dem Sofa liegen sehe, während ich für uns arbeite. Auch nach dem Essen kann ich das Geschirr alleine abräumen. Er kümmert sich um fast nichts, und wenn ich ihn um etwas bitte, kann ich ihn -zig Mal daran erinnern. Er rollt auch genervt mit den Augen. Im Endeffekt erledige ich es meistens erledige ich es lieber schnell selbst.
Ich ärgere mich mehr und mehr über sein Verhalten und habe keine Lust, noch etwas für ihn zu tun. Und ich denke mir: Wie wird es denn erst, wenn wir mal Kinder haben?
Verzweifelt,
Antonia P.

Liebe Antonia P.,
Ihr Mann scheint ein richtiger Pascha zu sein! Er hat wahrscheinlich in seiner Ursprungsfamilie gelernt, dass der Haushalt Sache der Frau ist, und seine Mutter scheint ihn von allen Aufgaben frei gestellt zu haben. Bisher scheint er auch in seinen Beziehungen erfolgreich um die Hausarbeit herum gekommen zu sein. Jetzt ist es an Ihnen, das auszubaden- und zu ändern. Ich vermute, dass die Diskussionen mit Ihrem Mann sehr anstrengend werden, da er völlig davon überzeugt ist, dass er aufgrund seiner Rolle als Mann nicht für den Haushalt zuständig ist. Fragen Sie ihn, was aus seiner Sicht seine Gegenleistung dafür ist, dass Sie den Haushalt alleine führen. In der klassischen Rollenverteilung hat es sicher seine Berechtigung, wenn einer das Geld verdient und der andere sich dafür um den Haushalt und die Kinder kümmert. Aber Sie beide arbeiten Vollzeit - und teilen sich alle Kosten. Da muss ein anderes Modell entwickelt werden.

Ich empfehle, dass Sie sich mit Ihrem Mann zusammen setzen und erst einmal eine Liste von Aufgaben rund ums Haus erstellen. Was liegt an, und wie viel Zeit investieren Sie jede Woche für die Hausarbeit? Damit haben Sie eine Diskussionsgrundlage.
Fragen Sie Ihren Mann, welche Aufteilung er für fair hält - und hören Sie unbedingt auf seine Vorschläge. Oftmals haben Männer das Gefühl, dass ihre Frau andere Standards an Sauberkeit anlegt und sie es ihr sowieso nicht recht machen können. Seien Sie unbedingt kompromissbereit, wenn er vorschlägt, einiges einfacher zu organisieren (z.B. öfters mal eine Pizza zu bestellen anstatt zu kochen). Eine Lösung könnte sein, dass Ihr Mann sich zukünftig um die klassischen Männeraufgaben kümmert wie Reparaturen, Getränke besorgen, Teile der Gartenarbeit und die Pflege des Autos. Berechnen Sie ganz nüchtern, wer wie viele Stunden täglich bzw. wöchentlich investiert- und fragen Sie ihn immer wieder, ob es in seinen Augen fair ist, wenn Sie mehr übernehmen. Fairness ist eine sehr wichtige Grundlage in Paarbeziehungen, und wenn ein Partner sich nicht gerecht behandelt fühlt, vergiftet das die Stimmung. Denn jeder, der sich ausgenutzt fühlt, zahlt irgendwann selbst nicht mehr auf das Beziehungskonto ein - und so gerät die Beziehung schnell ins Minus.
Wenn Ihr Partner partout nicht bereit ist, seinen Teil der Hausarbeit zu tragen, fragen Sie ihn, wer das stellvertretend für ihn erledigen soll. Oft entschärfen bezahlte Kräfte wie Putzhilfen, Lieferservices und freundliche Allround-Handwerker die Situation. Allerdings wäre es dann auch zu klären, wer diese Arbeit beauftragt und bezahlt.
Wenn alles nichts hilft: Treten Sie für einige Zeit in einen Streik. Kochen und waschen Sie nur für sich selbst, kaufen Sie nur ein, was Sie selbst essen. Dieses Verhalten ist kein schöner und partnerschaftlicher Weg, aber eine klare Spiegelung: Wenn du nicht in unsere Beziehung investierst, dann mache ich das auch nicht.
Vielleicht hilft ihm das auf die Sprünge.

Herzliche Grüße
Julia Peirano

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Herzliche Grüße
Julia Peirano

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