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Mein Partner interessiert sich nicht für mich

Heike und ihr Mann sind nach dem Tod seiner ersten Frau recht schnell ein Paar geworden. Nun, vier Jahre nach der Tragödie, hat sie das Gefühl, dass er sich immer mehr von ihr und dem gemeinsamen Kind zurückzieht. Hat er sie vielleicht nie wirklich geliebt?

Ich bin seit vier Jahren mit meinem Freund zusammen, wir haben eine zweijährige Tochter und einen 7-jährigen Stiefsohn aus der ersten Ehe. Die erste Frau meines Freundes ist bei einem Autounfall gestorben, als sie wieder schwanger war. Ich kenne meinen Freund schon aus der Schule. Er ist 4 Jahre älter und war immer der am besten aussehende Junge, alle schwärmten für ihn. Er heiratete dann das coolste und schönste Mädchen aus seinem Jahrgang. Ein Traumpaar, das alle Blicke auf sich zog.
Als seine erste Frau starb, bot ich ihm sofort an, mich um seinen Sohn zu kümmern, denn ich war Erzieherin in dem Kindergarten, in dem er war. Er nahm dankend an, weil er arbeiten musste und keine Hilfe hatte. Langsam kamen wir uns über seinen Sohn näher und ich verliebte mich so richtig in ihn. Wir kamen zusammen, und ich zog bei ihm ein. Ein Jahr später wurde ich schwanger. Mein Freund konnte sich nicht so richtig freuen. Überhaupt verlor er immer mehr das Interesse an mir (außer Sex). Er konnte tagelang sein eigenes Ding machen, kaum mit mir sprechen und vor dem Fernseher Abend essen. Nach außen ist er der netteste und sozialste Mensch, den man sich nur vorstellen kann. Er ist im Sportverein, kennt alle und jeden und ist beliebt und hilfsbereit. Doch zu Hause ist er knurrig, lieblos und schweigsam, zu mir und zu den Kindern.
Ich komme auch mit seinen Eltern nicht klar. Sie haben noch Fotos von seiner ersten Frau überall stehen und ziehen seinen Sohn meiner Tochter vor. Ich bin richtig unglücklich und einsam. Das einzige, das mich noch hält, ist unsere Tochter. Ich habe versucht, mit ihm zu reden, aber er versteht überhaupt nicht, wovon ich rede.
Was raten Sie mir?
Heike G.

Liebe Heike G.,
das hört sich nach einer schwierigen und sehr ungleichen Situation an: Sie sind unbelastet und mit großen Gefühlen in die Beziehung gegangen, auch weil Sie, so wie es sich anhört, schon seit Jahren für Ihren Partner geschwärmt haben. Sie empfanden Glück, dass Sie ihm durch die Situation näher kommen konnten. Ihr Partner hingegen hatte gerade ein großes Unglück erlebt, indem er seine erste Frau und das ungeborene Kind durch einen Unfall verloren hat. Das ist ein harter und unvorstellbarer Schicksalsschlag!
Sie haben ihn kennen gelernt, als er noch mitten in der Trauerphase war. Er war noch nicht wieder bereit für eine neue Beziehung - und es hört sich für mich so an, als wenn er auf Ihre Hilfe bei der Betreuung seines Sohnes angewiesen war. Die Beziehung hat sich also bei Ihnen aufgrund von Anziehung und Liebe entwickelt - aber bei Ihrem Freund wahrscheinlich eher nicht, weil er nicht frei dafür war.
Nun sind vier Jahre vergangen, und man könnte erwarten, dass er langsam mit der Trauer durch ist. Es hört sich für mich aber so an, als wenn er immer noch nicht über den Verlust seiner ersten Frau hinweg ist. Deshalb ist er auch nicht frei für eine neue Liebe, weder zu Ihnen noch zu seinen Kindern. Man kann weder als Betroffener noch als Partner irgendetwas tun, um diesen Prozess zu beschleunigen. Und leider kann man auch nicht wissen, für wen sich sein Herz öffnet, wenn er die Trauer irgendwann verarbeitet hat. Vielleicht erkennt er auch, dass er sich nicht aus wirklich freien Stücken für Sie entschieden hat. Möglicherweise hat er das bereits erkannt und bleibt nur aus Mangel an Alternativen und Pflichtgefühl. Das ist für alle eine sehr unschöne Situation!
Deshalb rate ich Ihnen, dass Sie die Erwartungen an Ihren Freund herunter schrauben, denn er hat Ihnen zur Zeit sehr wenig zu geben, da er unzufrieden und emotional überfordert ist. Gutes Benehmen können Sie einfordern, Liebe leider nicht. Allerdings ist es wichtig, ihm zu sagen, wenn er sich Ihnen gegenüber abweisend und unhöflich verhält - fordern Sie ihn freundlich auf, regelmäßig mit Ihnen und den Kindern Abend zu essen und sich auch mit den Kindern zu beschäftigen.
Versuchen Sie, sich selbst möglich viel Gutes zu tun, um in dieser kargen Beziehung nicht emotional zu verdursten - und auch um Ihre Tochter nicht in ungesunder Weise mit Liebe zu überfrachten, die einer Bedürftigkeit entspringt. Kümmern Sie sich um sich und um Ihre eigenen Gefühle, schreiben Sie Tagebuch und treffen Sie sich mit Freundinnen. Versuchen Sie, im Alltag Bereiche zu finden, die Ihnen Freude bereiten, zum Beispiel Ihre Arbeit, Kochen oder Backen, den Garten gestalten oder Sport treiben.
Und natürlich steht langfristig die Entscheidung an, ob Sie in dieser lieblosen Beziehung bleiben wollen. Sie leben Ihrer Tochter ein unglückliches Beziehungsmodell vor - und zudem ist sie bei einem Vater, der sich kaum für sie interessiert. Das hinterlässt auch seine Spuren und kann dazu führen, dass Ihre Tochter sich später einen Mann sucht, der sie nicht liebt. Aber lassen Sie sich Zeit bei der Entscheidung. Sie sollten erst dann gehen, wenn Sie sich wirklich sicher sind.

Herzliche Grüße
Julia Peirano

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