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"Mein Mann will ständig Sex - und ich mache mit, damit ich meine Ruhe habe"

Silkes Mann ist sexuell unersättlich - sie ist schon davon wach geworden, dass er ihr nachts das Nachthemd hochgeschoben hat und sich auf sie legte. Meist macht sie mit, damit sie ihre Ruhe hat. Wie bekommt sie die Situation in den Griff?

Ehemann bedrängt Ehefrau

Der Ehemann ist aufdringlich - was rät Julia Peirano?

Liebe Frau Peirano,

es ist für mich unangenehm, darüber zu sprechen, aber ich weiß nicht weiter. Mein Mann will dauernd Sex (täglich oder auch mal mehrmals täglich), auch wenn es gar nicht passt. Er fasst mir an den Hintern, wenn die im Nebenzimmer fernsehen. Wenn ich mich nach einem langen Tag kurz aufs Bett lege und lese oder nur mal die Augen zumachen will, knöpft er mir die Bluse auf und küsst meine Brüste. Er hat mich auch schon öfters nachts geweckt und lag plötzlich auf mir und zog mir das Nachthemd hoch. Eigentlich will er jeden Tag mit mir schlafen. Ich fühle mich davon bedrängt. Oft habe ich keine Lust, bin müde oder mit anderen Sachen beschäftigt. Aber oft mache ich mit, damit Ruhe ist. Ich habe auch Angst, dass er mir sonst fremdgeht.
Aber es wird mir immer unangenehmer. Ich mag Sex auch, aber nicht so mit Druck.
Was raten Sie mir?

Silke W.

Liebe Silke W.,

ich kann gut verstehen, dass Sie sich bedrängt fühlen, wenn Ihr Mann ohne Rücksicht auf Ihre Gefühle oder Befindlichkeit Sex einfordert und durchsetzt. Wenn Sie müde sind, schlafen (!), sich ausruhen wollen oder mit anderen beschäftigt sind, steht Ihnen sicher nicht der Sinn nach Sex. Es hört sich so an, als wenn Sie selbst oft keine Lust haben, sondern mitmachen, um Ihren Mann ruhig zu stellen.

Aber zum Tango braucht man zwei, und zum Sex auch.
Ich denke, dass Ihr Mann auch merkt, dass Sie selbst eigentlich keine Lust haben. Ich habe zwei Erklärungsmodelle, warum das so ist.

Erstens: Es kann sein, dass Ihr Mann nicht wahrnehmen will, wie Sie sich fühlen. Er achtet nicht auf Ihre Gefühle bzw. blendet diese aus, sondern benutzt Sie, um sich Befriedigung zu verschaffen. Wenn es so wäre, sollten Sie das nicht zulassen, denn es entsteht über kurz oder lang folgender Teufelskreis: Sie spüren deutlich, dass der Sex nichts Verbindendes ist, sondern etwas Trennendes. Sie ziehen sich zurück, innerlich oder äußerlich. Ihr Mann wird Sie umso mehr bedrängen, je passiver Sie selbst sind. Und je mehr Ihr Mann Sie bedrängt, desto weniger ergreifen Sie selbst die Initiative. Entweder Sie entziehen sich Ihrem Mann oder Sie lassen sich zwar auf Sex ein, gehen innerlich aber in eine Art Duldungsstarre. Das, was in einer Partnerschaft in der Sexualität passiert, bildet sich auch in allen anderen Bereichen der Partnerschaft ab. Das heißt: Sie machen innerlich dicht und entwickeln sehr negative Gefühle, und Ihr Mann fühlt sich zurückgewiesen und abgelehnt. Es wäre über kurz oder lang für Ihre Beziehung fatal, wenn Sie dieses Muster weiter verfolgen.

Die andere Erklärungsmöglichkeit ist, dass Ihr Mann von sich auf Sie schließt und davon ausgeht, dass Sie einen genau so starken Sexualtrieb haben wie er.
Kann es sein, dass Sie ihm bisher nicht so deutlich gemacht haben, dass Sie in bestimmten Situationen keinen Sex wollen? Und warum ist das so? Haben Sie das Gefühl, dass eine Frau in einer Beziehung dafür zuständig ist, die sexuellen Wünsche des Mannes jederzeit zu befriedigen? Was haben Sie bezüglich Sexualität von Ihrer bzw. der Partnerschaft Ihrer Eltern gelernt? Hat Ihre Mutter Ihnen zum Beispiel vermittelt, dass man einen Mann nur halten kann, wenn man ihn im Bett zufrieden stellt? Schreiben Sie diese Glaubenssätze doch einmal auf und fühlen Sie nach, wie Sie sich damit fühlen (löst Druck aus). Und dann überlegen Sie doch einmal, nach welchen Glaubenssätzen Sie Ihre Sexualität wirklich gestalten wollen. Zum Beispiel: Sex findet nur statt, wenn beide Lust haben. Oder: Wenn einer Lust hat und der andere nicht so sehr, kann er versuchen, den anderen zu verführen. Aber es darf keinen Zwang geben. Probieren Sie doch einmal, solche neuen Glaubenssätze zu finden und zu sehen, wie (erleichtert) Sie sich damit fühlen. Schreiben Sie diese Glaubenssätze dann auf und lesen Sie sie mehrmals täglich durch, um Sie zu verinnerlichen.

Sex in der Ehe: Eigene Position verdeutlichen

Stellen Sie sich doch mal ganz genau vor, wie Sie Ihrem Mann bei der nächsten unpassenden Annäherung sagen: Du, ich mag Sex, aber nicht so. Ich bin gerade müde und möchte etwas ausruhen. Tut mir leid, aber jetzt geht das nicht. Wir sollten mal drüber reden, wann es besser geht.


Oder wie Sie sich mit ihm darüber unterhalten, wann Sex Ihnen Freude macht. Oft können Frauen (gerade Mütter) die Gesamtsituation nicht so schnell ausblenden, sondern brauchen etwas Zeit zum Durchatmen, bevor sie von der Rolle der Mutter in die Rolle der Geliebten wechseln können.

Vielleicht könnte man sagen: Es gibt weniger Sex, aber dafür für beide befriedigenderen?
Zum Beispiel: Am Wochenende bleiben Sie beide länger im Bett, hören Musik und nehmen sich Zeit füreinander. Die Kinder dürfen in der Zeit einen Film gucken oder zu Freunden gehen.

Oder: Einmal in der Woche ziehen Sie sich beide früh zurück, duschen oder baden gemeinsam und nehmen sich dann Zeit für Zärtlichkeit.

Ich hoffe, dass Sie den Mut finden, Ihre Sexualität mit Ihrem Mann so zu gestalten, dass Sie beide Freude daran haben.
Herzliche Grüße Julia Peirano, 

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Kommentare (8)

  • bookivy
    bookivy
    Ich halte nächtliches Wecken und "Drüberlegen" schon für eine halbe Vergewaltigung.
  • Ansgar
    Ansgar
    Auch ich finde es schade, dass die Stellungnahme so einseitig ist und mit einem solch tendenziösen Foto ergänzt wurde. (Ein Mann in dem Alter nimm normalerweise kein Viagra.) Einmal am Tag ist bei Jungverliebten doch völlig normal, und die beschriebenen Ausdrucksformen des Begehrens sind doch allesamt schöne Komplimente an die Frau! Sorgen müsste sie sich machen, wenn ihr Mann sich schon in dem Alter nicht mehr für sie interessieren würde!
    Was ich in Frau Peiranos Stellungnahme völlig vermisse, ist die Frage an die Klientin. "Was ist Dein Anteil daran, dass sich Deine Libido so verringert hat? Was kannst Du tun, um sie wieder zu erwecken? Was könnt ihr zusammen tun? Was brauchst Du dafür? Denn gemeinsam Lust und sexuelle Erfüllung zu teilen, ist doch was Schönes und Verbindendes!


  • phaethon
    phaethon
    Teil 1:
    Reden müssen Sie mit Ihrem Mann auf jeden Fall und "STOP" sagen ebenfalls. Ich wende mich jetzt im Folgenden bewusst von der obigen Antwort ab.
    Fragen Sie Ihren Mann, warum er so oft Sex möchte. Vermisst er Ihre emotionale Nähe? Fehlt ihm etwas in Ihrer Beziehung? Unter Umständen versucht er dies über Sex zu kompensieren. Das Sexverlangen kann sogar aus einem gewissen Minderwertigkeitsgefühl und Streß entstehen, Stichwort Midlife-Crisis. Erötern Sie auch gemeinsam, ob er von Ihnen stärkere Signale braucht, daß Sie Lust haben. Männer sind da manchmal sehr unsicher, auch nach vielen Jahren der Ehe und brauchen den Wink mit dem Zaunpfahl :-). Es kann auch sein, daß er in Ihrem Sexleben neue Spielmöglichkeiten braucht, zig Jahre Missionarstellung sind echt langweilig ;-) Vielleicht glaubt Ihr Mann, daß Ihnen diese, auf den reinen Akt reduzierte Version, gefällt. Nebenbei bemerkt, zeigen Sie Ihrem Mann eindeutig, wenn er Ihnen Freude bereitet. Wenn Sie rein passiv agieren, kommt bei Ihm nur Frust auf und unter Umständen ein Leistungsdruck a la "Jetzt erst recht, Vollgas, ich muß meinem Schatz doch beweisen, daß ich sie will und befriedigen kann". Auf der anderen Seite kann er von mangeldem Feedback enttäuscht sein und es nur schnell durchziehen, was weder Ihnen noch ihm etwas bringt. Noch eine Möglichkeit: Er ist einfach "rollig". Hier sollten Sie mit ihm zusammen Möglichkeiten schaffen, "Dampf" abzulassen. Machen Sie Ihrem Mann klar, natürlich nur, wenn es auch für Sie OK ist, daß Sie ihm in seiner, sagen wir brünstigen Phase, Erleichterung verschaffen können, ohne daß er in Sie eindringt. Wenn es von Ihrer Seite überhaupt nicht klappt, sollten Sie auch offen die Möglichkeit erörtern, daß er im Extremfall professionelle Dienstleistungen in Anspruch nimmt. Soviel Ehrlichkeit und gegenseitiges Vertrauen sollte es in einer Ehe schon geben.
  • phaethon
    phaethon
    Teil 2
    Das Ihr Mann Sie an den Po fasst, ob in Anwesenheit der Kinder oder nicht, ist OK, solange es nicht weiter geht. Kinder sollen ruhig Küsse, kuscheln, Umarmungen der Eltern sehen. Ein Klaps auf den Po fällt da nicht aus dem Rahmen. Natürlich müssen Sie das auch wollen.
    Noch ein Wort zu den im obigen Artikel aufgeführten Zeitplan für Sex und Zärtlichkeit. Halte ich persönlich für Blödsinn. Meiner Erfahrung nach baut das bei den Teilnehmern nur falsche Erwartungen und Leistungsdruck auf und endet oft mit zwei frustrierten Partnern und vorgespielten Ergebnissen.
  • Thomas Reichmann
    Thomas Reichmann
    Hier noch ein Nachtrag: Ich finde die Fotos, mit denen die Beiträge dieser Rubrik illustriert werden, häufig unangemessen, ja geradezu peinlich. Menschen schreiben hier über ernsthafte emotionale Konflikte. Dazu paßt es nicht, das Thema durch ein groteskes Foto wie im vorliegenden Fall ins Lächerliche zu ziehen.

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