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"Hilfe! Meine Tochter entwickelt sich zur Schulschlampe!"

Christel hat erfahren, dass Ihre 15-jährige Tochter bereits mit einigen Jungen Sex hatte - die ganze Schule weiß davon. Christel ist schockiert und macht sich Sorgen. Doch Gespräche enden im Streit. Kann Christel ihrer Tochter helfen?

Tochter wird zur Schulschlampe

Was tun, wenn die Tochter sexuell aktiv ist - und alle drüber reden?

Liebe Frau Peirano,

ich bin alleinerziehend, habe zwei Töchter (15 und 12). Die 15-jährige macht mir gerade große Sorgen. Sie hat angedeutet, dass sie bereits mit einigen Jungen  Sex hatte. Die Mutter ihrer besten Freundin (auch eine Freundin von mir) hat mir erzählt, dass meine mit recht vielen Jungs (mindestens 8-10) aus ihrer Schule bzw. ihrer Clique geschlafen hat, auch teilweise betrunken und auf Partys. Einmal hatte sie mit einem Junge aus der Oberstufe Sex auf dem Schulklo. Das hat sich wohl auch in der Schule herumgesprochen. Ich habe meine Tochter danach zur Rede gestellt und sie hat es zugegeben. Seitdem haben wir häufig Streit: Ich sage ihr, dass sie noch den Ruf als „Schlampe“ wegkriegt und aufpassen soll, dass sie kein Kind nach Hause bringt. Meine Tochter stellt bei unserem Streit komplett auf Durchzug.

Aber ich mag mir gar nicht vorstellen, was sie alles macht, und die Vorstellung stößt mich ab, dass sie so leicht zu haben ist.

Was kann ich machen? Ich kann sie ja nicht immer kontrollieren, auch wenn sie bei ihrem Vater ist.

Viele Grüße

Christel B.

 

Liebe Christel B.,

ich kann mir gut vorstellen, dass es Ihnen überhaupt nicht gefällt, was Ihre Tochter macht. Sie hatten sich das "erste Mal" und auch spätere Erfahrungen sicher für sie ganz anders gewünscht: Mit einem Jungen, in den sie verliebt ist und dem sie vertraut, den sie schon länger kennt und mit dem sie sich langsam an den ersten Sex herantastet. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass Sie sich Sorgen darüber machen, was Ihrer Tochter alles passieren könnte: Ein schlechter Ruf, eine ungewollte Schwangerschaft, Krankheiten und möglicherweise auch schlechte Erfahrungen, wenn jemand ihr "Nein" einmal nicht respektiert. Insbesondere wenn Alkohol im Spiel ist, kann das leicht passieren.

Sie können allerdings nicht kontrollieren, was Ihre Tochter macht oder gar die Hand "dazwischen" halten. Sie können nur versuchen, Ihrer Tochter den Rücken zu stärken. Und hier habe ich den Eindruck, dass Sie Ihrer Tochter gerade nicht so hilfreich zur Seite stehen. Sie vermitteln ihr, dass sie etwas Falsches tut und sich "schlampig" verhält. Damit stellen Sie, ohne es zu wollen, Ihre Tochter auf eine Stufe mit ihrem Verhalten. Geschickter wäre es, wenn Sie Ihrer Tochter sagen, wie wertvoll sie ist und dass ihr derzeitiges Verhalten nicht zu diesem Wert passt. Es wäre ungefähr so, als wenn sie einer lieben Freundin, die von ihrem Freund schlecht behandelt wird, sagen würden: Du hast einen Besseren verdient.

Sie könnten Ihrer Tochter zum Beispiel sagen: "Ich bin traurig darüber, dass Du im Moment so lieblose und beliebige Erfahrungen beim Sex machst. Ich hatte mir für Dich gewünscht, dass Du Sex mit Deinem Freund hast, dem Du vertraust. Das ist etwas ganz anderes, als wenn man schnellen Sex mit einem fast fremden Jungen hat. Ich mache mir auch Sorgen, dass Dir etwas passieren könnte- das ist gar nicht so selten, wenn man den anderen nicht so gut kennt."

Auf diese Art stärken Sie das Selbstwertgefühl Ihrer Tochter und vermitteln ihr, dass sie etwas Besseres verdient hat und dass sie Ihnen wichtig ist. Auch wenn sie jetzt noch nichts an ihrem Verhalten ändern kann, wird Ihre Unterstützung ihr doch Kraft geben.

Wichtig wäre auch, dass Sie aufmerksam für das Umfeld Ihrer Tochter sind: Mit wem geht sie aus? Bei wem übernachtet sie? Wie lange darf sie wegbleiben? Sprechen Sie auch mit anderen Eltern, bei denen sie (angeblich) übernachtet. Ganz wichtig wäre es auch, mit dem Vater Ihrer Tochter zu sprechen und ihn zu bitten, besser auf sie aufzupassen.

Außerdem ist es wichtig, dass Sie nicht die Verantwortung für das Verhalten Ihrer Tochter übernehmen. Machen Sie ihr klar, dass es ihr Leben ist und dass sie selbst auf sich aufpassen muss. Wenn sie Dinge tut, die ihr schaden, muss sie letztlich mit den Konsequenzen leben. Ich bin sicher, dass Ihre Tochter nicht glücklich darüber ist, wie sie sich verhält. Sie scheint gerade eine schwierige Phase zu haben, in der sie wenig Zugang zu ihren eigenen Bedürfnissen hat und sich selbst wenig liebt. Deshalb versuchen Sie bitte, offen und wertschätzend zu bleiben, wenn Ihre Tochter Ihnen etwas erzählt oder Sie etwas von Dritten erfahren. Beißen Sie sich mit Kritik und Anschuldigungen besser auf die Zunge. Nur wenn Sie Ihnen vertraut und weiß, dass Sie zu ihr halten, wird Sie Ihnen mitteilen, wenn Sie in Schwierigkeiten steckt.

Herzliche Grüße,

Julia Peirano


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Kommentare (7)

  • Rudi Gems
    Rudi Gems
    Das sind ja diesmal sehr schöne Antworten. Gefällt mir. Genauso sehe ich das auch. Die Mutter, macht einfach alles falsch, was man falsch machen kann. Anstatt sich für die Gefühle und die Beweggründe der Tochter zu interessieren und sich wohlwollend mit ihr zu unterhalten, setzt sie auf Konfrontation, Verboten und Vorwürfen. Die Mutter sollte sich mal fragen, wie sie reagieren würde, wenn man so, mit ihr umgehen würde.

    Ganz eindeutig hat die Mutter Probleme in der Sexualität, die sie nie verarbeiten konnte und die sie nun, bei ihrer Tochter vermeiden will. Wenn die Tochter so wenig Vertrauen zu der Mutter hat, das sie ihr ihr "Erstes Mal" verheimlicht, zeigt das, das die Mutter niemals einen Weg gefunden hat, was den Sex angeht, mit dem sie Zugang zu ihrem Kind findet. Wer ein Mädchen als Schlampe bezeichnet, weil es seine ersten unbeholfenen Versuche in Sachen Sex unternimmt, und das Mädchen sich dabei ungeschickt verhält, weil es es nie besser gelernt hat, sollte vielleicht selber als Schlampe bezeichnet werden. Eine Mutter, die nur das Glück ihres Kindes im Auge hat, hätte sich ganz anders verhalten.

    Sie hätte dem Mädchen Mut machen müssen. Sie hätter Interesse für das "Erste Mal" zeigen müssen. Sie hätte über die Gefühle und Wünsche der Tochter reden müssen, und, sie hätte ihr Vorschläge machen sollen, was sie besser machen könnte. Sie hätte nicht abraten dürfen, sondern den Weg, den die Tochter gewählt hat, bestärken, unterstützen und behutsam auf Gefahren hinweisen sollen. Sex ist immer ein Risiko! Das heißt aber noch lange nicht, das Enthaltsamkeit eine Lösung sein kann. Die Tochter hat mit 15 Jahren, nach dem Strafrecht, ein Recht darauf, Sex zu machen. Damit muss sich auch die Mutter abfinden.
  • drusilla
    drusilla
    Der Grund warum Ihre Tochter Schlampe genannt wird, ist genau Ihre Einstellung. Wir leben mittlerweile in einer Zeit wo man sicher verhüten kann und auch offen darüber reden kann. Wenn Jungs viele Bettgeschichten haben, sind es Helden. Bei Mädchen ist es immer noch falsch. Wäre es meine Tochter würde ich als ersten Schritt einen Termin beim Gynäkologen machen (Sicherheit geht vor). Weiterhin würde ich ihr erklären, dass sie sich nicht ausnutzen lassen soll. Sie soll nur das machen was sie möchte und sich nicht drängen lassen. Es spricht nichts dagegen Spass zu haben. Ich habe mich auch ausgetobt und bereue nichts, mittlerweile bin ich 10 Jahre verheiratet und vermisse nichts.
  • Kornfeld
    Kornfeld
    Schade. Schade, dass Sie Ihre Tochter als Schlampe sehen. Frauen, auch nicht volljährige Frauen haben das Recht, mit ihrem Körper machen zu können, was sie möchten. Empfehlen Sie Ihrer Tochter, zu verhüten und sich vor Aids und anderen Geschlechtskrankheiten zu schützen.. Aber die Bezeichnung Schlampe ist konservatives Männerdenken. Wir leben in einer Zeit, in der es wichtig ist, dafür zu stehen, dass auch Frauen soviel Sex haben können, wie sie wollen, mit wem sie wollen, und wann sie wollen. Jede macht es so wie sie selbst es für richtig hält. Dass das Müttern oder Vätern oder Brüdern nicht passt - EGAL.
  • Spock
    Spock
    Liebe Christel B., (und an alle Mütter in einer ähnlichen Situation)
    Wer möchte, dass ein Kind mit 12 „anständig“ ist, muss es ihm mit 9 beibringen und begründen, nicht mit 15. Kinder sind nicht blöd, früher nicht und heute erst recht nicht. Deshalb braucht man gute, nachvollziehbare Gründe, die das Kind versteht.
    Was verboten ist, reizt besonders und was man nie wissen durfte erst recht. Verstehen braucht aber Zeit. Deshalb liebe arme Mutter: Für Ihre 15-jährige Tochter ist es zu spät, die werden Sie nicht mehr ändern. Versuchen Sie, ihr Vertrauen wiederzugewinnen, und sie schnellstmöglich in "gute Hände" zu bringen. Damit meine ich einen Mann, der ihr den Unterschied zwischen echter Liebe und der schnellen Nummer mit dem nächsten Straßenköter zeigen kann. Das wird aber wohl ein gestandener Mann sein müssen und kein Gleichaltriger, auch wenn Ihnen das nicht gefällt.
    Für Ihre "kleine" Tochter ist es vielleicht noch nicht zu spät, wenn Sie ganz schnell ganz offen und ehrlich sind und ein gutes Verständnis vermitteln, nicht nur verbieten oder verteufeln. Vielleicht. Aber ich fürchte, auch da sind Sie zu spät dran, denn Sie behandeln sie bestimmt wie ein Kind und damit haben Sie schon verloren. Wie ein Kind behandelt zu werden ist das, was "Kinder" (im Auge der Eltern), die in ihren eigenen Augen längst groß genug sind, am allerwenigsten wollen und die jeden Rat von Eltern schon deshalb ausschlagen, weil sie keine Kinder mehr sind - nach ihrer eigenen Einschätzung.
    Begleiten Sie wenigstens Ihre "Kleine" in ein vernünftiges Leben, Ihre "Große" retten Sie sowieso nicht mehr. Es tut mir leid, aber Sie sind in die "Elternfalle" gegangen, eine Heranwachsende, die sich erwachsen fühlt, als Kind einzuschätzen und Ihre Tochter muss es jetzt ausbaden. Wenn man für alles zu jung ist, bis man für alles zu alt ist, bleibt dazwischen kein Leben mehr und das hat Ihre Tochter nicht akzeptiert. Machen Sie diesen Fehler nicht nocheinmal.
  • 01099
    01099
    Ich wundere mich, dass hier nicht auf das Thema "Trennungskind" eingegangen wird...

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