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"Er macht mir einfach keinen Heiratsantrag - und jetzt?"

Britt und ihr Freund sind seit drei Jahren zusammen. Während ihre Freundinnen heiraten, passiert bei Britt nichts. Ihr Freund macht ihr einfach keinen Antrag. Sie ist enttäuscht - was kann sie tun?

Heiratsantrag: Kein Antrag, keine Hochzeit

Heiratsantrag: Kein Antrag, keine Hochzeit - wie soll man damit umgehen?

Liebe Frau Peirano,

mein Freund und ich sind seit drei Jahren zusammen. Ich bin 32, er ist 34. Von Anfang an habe ich gesagt, dass ich gerne heiraten und haben möchte. Er hat gesagt, dass er das auch möchte. Doch er macht mir einfach keinen Heiratsantrag. Um mich herum heiraten meine Freundinnen, wir sind ständig auf Hochzeiten eingeladen. Ich warte innerlich dauernd darauf, dass er mir auch einen Antrag macht, aber alle guten Situationen verstreichen.

Wir sind letztes Jahr durch gereist, da hätte es hundert Möglichkeiten gegeben. Nichts. Weihnachten haben seine Eltern mich und ihn so erwartungsvoll angeguckt, aber auch da hat er nichts gemacht. Ich weiß, dass es blöd ist, aber ich denke dauernd daran und bin enttäuscht und traurig. Ich habe ihn schon einmal darauf angesprochen, aber da meinte er so etwas wie: Lass mich das mal machen. Ein weiteres Gespräch war dann nicht möglich, und ich kam mir auch zu doof vor, um ihn zu fragen.

Aber ich merke, dass ich sehr enttäuscht bin und mich innerlich immer weiter von ihm entferne.

Was soll ich machen?
Liebe Grüße Britt G.

Liebe Britt G.,

ich kann verstehen, dass Sie enttäuscht sind! Das Thema Heiraten, dass für Sie mit Romantik und Liebe zu tun hatte, ist momentan eher eine nervige und lästige Angelegenheit geworden. Das schmerzt! Dazu kommt, dass sie sich ohnmächtig fühlen, denn Sie können (scheinbar) nichts machen, sondern müssen abwarten, dass Ihr Freund handelt. Es ist immer wichtig, aus solchen Ohnmachts-Situationen heraus zu kommen und wieder handlungsfähig zu werden.


Ihr Freund handelt nicht, und leider erklärt er Ihnen auch nicht, warum er nichts macht, sondern lässt Sie zappeln. Die Zeichen deuten darauf hin, dass Ihr Freund sich momentan nicht entscheiden kann und deshalb die Entscheidung Tag für Tag einfach hinauszögert. Er kann nicht ja sagen, und er kann auch nicht nein sagen. Je länger er nichts macht, desto stärker fühlt er sich von den Erwartungen von Ihnen und seinen Freunden unter Druck gesetzt. Wenn er jetzt etwas machen würde, käme es nicht mehr aus ihm selbst heraus, sondern er käme sich vor wie eine Marionette. Ein schöner Schlamassel! Er fühlt sich wahrscheinlich auch nicht wohl.


Leider kann Ihr Freund sich aber auch nicht dazu bringen, Ihnen reinen Wein einzuschenken und zu sagen, warum er Bedenken hat. Es kann sein, dass er generell mit dem seine Probleme hat, zum Beispiel, wenn die Ehe seiner Eltern unglücklich ist oder es mit seinem Selbstbild nicht übereinstimmt, verheiratet zu sein. Möglicherweise ist er auch gerade in Ihrer Beziehung nicht ganz zufrieden und kann sich deshalb nicht voll und ganz zu Ihnen bekennen – dazu noch "bis dass der Tod einen scheidet".

Ihr Freund redet nicht über das, was in ihm vorgeht, und er bezieht Sie nicht in seine Gedanken- und Gefühlswelt ein. Ich denke, dass das Problem eigentlich hier liegt, und nicht an der Frage, ob er Ihnen einen Antrag macht oder nicht.
Deshalb empfehle ich Ihnen, das Gespräch mit Ihrem Freund zu suchen. Schließlich geht es doch in einer Ehe darum, offen zueinander zu sein und sich auch mitzuteilen – und nicht irgendwelche Rollenspiele zu spielen, die den eigenen Gefühlen nicht entsprechen.

Man könnte auch sagen, dass Ihr Freund genug Zeit und viele vertane Gelegenheiten hatte, um den „klassischen“ Weg zu gehen: Heimlich einen Ring zu besorgen, an einem romantischen Ort niederzuknien und Ihnen einen Antrag zu machen – den Sie dann strahlend annehmen. Ihre Gefühle zeigen, dass die Zeit für den "klassischen" Weg abgelaufen ist und dass dieses Modell nicht wirklich zu Ihnen beiden in diesem Moment passt. Deshalb wäre es gut, dass Sie sich von dieser Idee verabschieden (und das gerne auch betrauern, es ist ja auch wie ein geplatzter Traum).


Ich denke, dass Sie sich einander näher fühlen werden, wenn Sie miteinander sprechen und versuchen, die Gefühle des anderen zu verstehen. Bestimmt erkennen Sie beide dann auch, welchen Weg Sie miteinander gehen wollen. Ich kann mir vorstellen, dass es sehr entlastend sein wird, wenn Sie den Druck aus der Situation herausnehmen und ohne Vorwürfe und mit möglichst viel Mitgefühl fragen, was mit ihm los ist. Das wir Sie beide einander wieder näher bringen.

Herzliche Grüße und viel Glück,

Julia Peirano 

Kommentare (10)

  • simone
    simone
    Ich habe sieben Jahre auf den Heiratsantrag gewartet und zwischendurch war ich schon sehr traurig. Seine Gründe, weswegen er diesen Schritt nicht machte, konnte ich nicht nachvollziehen, aber immerhin hatten sie nichts mit mir oder seinem Gefühl für mich zu tun. Inzwischen sind wir sechs Jahre glücklich verheiratet. So kann's auch gehen.
    Nur eine Idee: Möglicherweise denkt der Partner, dass sie nur heiraten will, um verheiratet zu sein, weil ihre Freundinnen es alle sind, und dass es ihr gar nicht um ihn geht. Da hätte ich dann auch keine Lust zu heiraten. Aber um das herauszufinden, müsste man mal ehrlich miteinander sprechen. Das ist m.E. das Hauptproblem hier.
  • SnowWhite112
    SnowWhite112
    Als ich diesen Beitrag gelesen habe, erinnerte ich mich an diesen Spruch "Wer erwartet, wartet."

    Hat die Dame einmal darüber nachgedacht, dass er nachgedacht hat und festgestellt hat, dass er zwar gern mit ihr zusammen ist, aber sie leider nicht die "Richtige" ist. Mir scheint, dass sie ihre Erwartungen und Wünsche in ihn hineinprojeziert. Weiterhin ist es grundlegend falsch von uns Frauen, die Männer immer mit unseren Erwartungen, Wünschen und Hoffnungen bis zum Erbrechen zu erdrücken.
    So fühlt er sich in die Enge getrieben.
    "Genieß' doch einfach mal die Zeit mit ihm!" möchte ich sagen, das ist doch vielmehr wert, als ein Ring am Finger und der Gewissheit, dass du zum Kreis der Verheirateten gehörst...
    Sie versetzt sich in meinen Augen überhaupt nicht in seine Lage und da gehe ich konform zu den vorherigen Beiträgen, man kann sein Glück nicht erzwingen, aber man kann selbst Handeln...

  • Lion-19
    Lion-19
    Je länger so eine Beziehung dauert, desto mehr rückt das Heiraten in den Hintergrund. Es ist ja alles so bequem, er bekommt auch jetzt schon alles im Sonderangebot, ohne wirklich Verantwortung übernehmen zu müssen. Warum sollte er diesen Status ändern? Verantwortungsbewusstsein sollte man aber von einem künftigen Vater schon erwarten können.
    Warum muss im Zeitalter der “totalen Gleichberechtigung“ eigentlich immer noch der Mann den Heiratsantrag machen? Also, verehrte Britt, fragen Sie ihn doch ganz förmlich, verlangen Sie eine Entscheidung. Entweder er willigt in eine Heirat ein oder aber er ist der Falsche, ganz besonders im Hinblick auf gemeinsame Kinder. Jetzt haben Sie noch Zeit, den Mister Right für Ihre Familienplanung zu finden, in fünf Jahren ist das schon bedeutend schwieriger.

    Alles Gute für Sie
    Gerd

    PS: Der Kumpel, mit dem man die ganze Welt bereist, ist nicht immer der ideale Ehemann.
  • 01099
    01099
    Was hat denn das überkommene Modell "Heiraten" mit "Verantwortung übernehmen" zu tun? Er übernimmt Verantwortung, und das in erster Linie für sich selbst, indem er vorsichtig beim Thema Heiraten ist, denn er wird Freunde haben, die diesen Weg gegangen und böse erwacht sind.
    Vielleicht weiß er auch, dass man als Mann vorsichtig sein sollte, wenn eine Frau auf Biegen und Brechen eine romantisch-verzerrte Bilderbuchfamilie fordert, denn die hat in der Realität meist wenig mit dem zu tun, was sich im Kopf so abspielt? Aber Sie scheinen ja ähnlich zu denken, wenn ich den Terminus "Mister Right" lese. Den gibt es vielleicht in irrealen Hollywood-Produktionen, aber im echten Leben nur ganz, ganz selten.

    Was ich gern noch erklärt hätte: wie bitte hängt Nachwuchs mit dem Heiraten zusammen? Sind Sie eventuell ein erzkonservativer Bayer, für den Kinder ohne den Bund der Ehe nicht infrage kommen?
  • Ginaelena
    Ginaelena
    Ich bin davon überzeugt dass er von allen Seiten (Freundin, Freunde, Verwandte) diesen unausgesprochenen Erwartungsdruck "Ihr einen Antrag machen" spürt und genau das lässt ihn komplett erlahmen. Wer hat schon Lust etwas zu tun wenn "Druck" aufkommt oder allgemein eine Erwartungshaltung von anderen Mensche da ist. Das törnt doch ab.
    Ich kann der jungen Dame nur raten in der Beziehung zu ihm ein stückweit auf "freundliche Distanz" zu gehen, diese Beziehungviel lockerer und unverbindlicher zu betrachten und diese eigene Erwartung auf einen Heiratsantrag von ihm total fallenzulassen....dann besteht die echte Chance, dass er mehr auf sie zukommt und sie "einfangen" will mit einem Heiratsantrag.
    Tut er es dann immer noch nicht, hat er einfachen keine Lust zum heiraten-......

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