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"Ich will, dass meine Freundin Sex mit anderen Männern hat - nur dann begehre ich sie"

Das Muster ist immer das Gleiche: Klaus verliert nach einer gewissen Zeit das sexuelle Interesse an seinen Freundinnen - und wünscht sich heimlich, dass diese eine Affäre mit anderen Männern beginnen. Er hat Angst, nicht normal zu sein. Was soll er tun?

Sex mit anderen Männern

Sex mit anderen Männern als Anreiz?

Liebe Frau Dr. Peirano,

ich (44) bin seit gut 3 Jahren mit meiner Freundin (30) zusammen. Bei dieser und auch meinen Beziehungen davor ist/war es immer nach einiger Zeit so, dass ich das Interesse am eigenen Sex mit ihr fast vollständig verliere und mit stattdessen wünsche, dass meine Freundin Sex mit einem anderen Mann hat. Bei einer früheren Freundin habe ich sogar aktiv einen Fremden, der meine Freundin bewundert hat, aufgefordert, sie anzuflirten. Ich habe es dann geschafft, dass er ein Verhältnis mit ihr begonnen hat und mich danach sehr gefreut und sie dann wieder mehr begehrt als vorher. Ich hatte gehofft, dass es bei meiner jetzigen Freundin anders sein würde, aber bin jetzt wieder an dem Punkt, wo ich mir wünsche, dass sie einen Lover findet. Ist das normal oder was raten Sie mir?
Viele Grüsse, Klaus M.

Lieber Klaus M.

Sie fragen mich, ob Ihr Verhaltensmuster "normal" ist. Was für eine Rolle spielt es denn für Sie, "normal" zu sein? Und was würde es bedeuten, wenn Ihr Verhalten nicht "normal" wäre? Normal heißt doch, dass etwas Standard, konform, erwartungsgemäß ist.

Ihr Verhaltensmuster ist das, wie Sie und ich wissen, nicht. Die meisten Menschen legen Wert darauf, dass ihr Partner oder ihre Partnerin ihnen treu ist. Ist das nicht der Fall, sind die meisten Menschen gekränkt oder trennen sich gar. Sie hingegen machen genau das Gegenteil und sorgen sogar dafür, dass Ihre Freundin Sex mit anderen hat. Mit der gesellschaftlichen Norm ist das nicht konform- doch wo genau liegt das Problem? Mittlerweile ist doch bekannt, dass es viele Spielarten der Liebe, Sexualität und Partnerschaft gibt. Um nur einige Beispiele zu nennen: Homo- oder heterosexuellen Sex. Unverbindlichen, anonymen Sex oder Sex nur im Rahmen einer vertrauensvollen Beziehung. Menschen, die Sadomasochismus mögen und solche, die es sanft und zärtlich lieben. Vor einigen Jahrzehnten waren diese Spielarten der Liebe verboten und erregten Skandale. Heute ist jedem bekannt, dass die Menschen sehr unterschiedlich lieben.


Wichtig ist doch nur, dass jeder einen passenden Partner oder eine passende Partnerin findet, und dass im Idealfall allen Beteiligten klar ist, worauf sie sich einlassen. Meine Frage ist deshalb: Weiß Ihre Freundin, dass es Sie erregt, wenn sie ein Verhältnis mit einem anderen Mann hat? Weiß sie, dass Sie dieses Muster auch schon mit anderen Frauen, vor ihrer Zeit, hatten? Hat Ihre Freundin selbst Lust darauf, bei diesem Spiel mitzumachen? Wie wäre es, wenn Sie das in Zukunft recht am Anfang einer Beziehung ansprechen? Dann wissen alle, woran sie sind.


Es könnte ja für eine Frau sehr reizvoll sein, wenn Sie neben Ihrer Beziehung weitere Liebschaften haben darf, die sie offen ausleben darf und die zudem bei ihrem eigenen Partner wieder neue Glut entfachen. Für eine Frau mit entsprechenden Neigungen wäre dieses Szenario ein Traum. Auf der anderen Seite könnte es für eine Frau auch verwirrend oder sogar demütigend sein, wenn sie merkt, dass ihr Partner kein Interesse mehr an ihr alleine hat, sondern darauf drängt, dass sie ein Verhältnis hat. Und vielleicht gefällt es ihr auch nicht, dass Sie persönlich sogar den Liebhaber aussuchen und ermutigen. Möglicherweise fühlt sie sich dadurch etwas benutzt, weil Sie die Fäden ziehen.

Wie Sie sehen, ist die Angelegenheit – zumindest in der Theorie- zweischneidig. Es kommt einzig und allein darauf an, ob Ihre Freundin an dieser Konstellation Spaß hat und aus freien Stücken mitmacht, oder ob Sie sich eigentlich etwas anderes vorstellt (nämlich eine feste Zweierbeziehung), und sich entwertet fühlt. Es ist deshalb wichtig, dass Sie genau hinschauen und öfters nachfragen, wie es Ihrer Freundin mit der Situation geht. Ist sie froh über den "Freifahrtschein"? Hat sie selbst Gefühle für den anderen Mann – will sie vielleicht eine Beziehung mit ihm? Ist sie gekränkt, dass Sie sie zeitweise nicht mehr begehren – und versucht sie, Bestätigung aus der Affäre zu ziehen? Es ist natürlich genau so wichtig, dass Sie Ihre eigenen Gefühle aufmerksam beobachten. Es mag ja sein, dass auch für Sie die Situation gelegentlich überfordernd ist. Vielleicht entsteht an der einen oder anderen Stelle doch Eifersucht oder Verlustangst, möglicherweise liegt Ihnen langfristig nicht so viele an der Frau selbst, sondern es geht Ihnen darum, sie zurück zu erobern, nachdem sie einen anderen Partner hatte. Beobachten Sie das doch genau und fragen Sie sich, worum genau es Ihnen bei diesem "Spiel" geht. Das halte ich für viel wichtiger als die Frage, ob Ihr Verhalten "normal" ist.
Herzliche Grüße, Julia Peirano

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Kommentare (1)

  • Lion-19
    Lion-19
    Suchen Sie sich eine “gleichgesinnte“ Partnerin. Davon gibt es bestimmt eine ganze Menge, die ähnlich ticken wie Sie selbst. Gehen Sie mit ihr regelmäßig in einen Swingerclub oder treiben Sie es auf andere Weise. Das wäre in Ordnung.

    Unfair, pervers und unverschämt ist es aber, solche Spielchen mit einer Partnerin zu treiben, die Sie liebt und die Ihnen vertraut. Das ist es, was nicht normal, sondern pervers ist.

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