Mobile Ansicht
Wechseln Sie für eine bessere
Darstellung auf die mobile Ansicht
Weiterlesen Mobile Ansicht
HOME

Ungleiches Paar lädt zur Hochzeit ein

Über eine Einladung zur Hochzeit freut sich jeder, insbesondere, wenn sie so schön gestaltet ist. In diesem Fall allerdings möchte man kein Gast sein - das Paar passt einfach nicht zusammen.

Von Susanne Baller

  Die liebevolle Gestaltung der Hochzeitseinladung verschleiert zunächst, was sich dahinter verbirgt

Die liebevolle Gestaltung der Hochzeitseinladung verschleiert zunächst, was sich dahinter verbirgt

Einen Menschen lieben heißt einwilligen, mit ihm alt zu werden", wird Albert Camus auf der Einladung zur Hochzeit von Michael und Anna zitiert. Die beiden kommen aus Berlin, wie die Absenderadresse verrät, die ebenso wie die Anschrift mit schwarzer Tinte handgeschrieben auf dem schweren cremefarbenen Briefumschlag steht. Am 5. Juni um 11 Uhr soll die Trauung stattfinden, am Roten Rathaus. Aber wer sind Michael und Anna?

Antwort gibt die Hochzeits-Website, die das Paar für "alles Weitere" eingerichtet hat, michael-und-anna.de. Dort heißt es: "Viele von euch haben es bereits geahnt - wir haben uns entschlossen zu heiraten. Michael hat ganz altmodisch bei Annas Vater um ihre Hand angehalten, sie selbst ahnte davon gar nichts. Umso mehr freuen wir uns jetzt, euch an unserem Glück teilhaben zu lassen!" Es folgen Infos zum Ort, Programm sowie zum Wunschzettel, der auf einen Geschenktisch bei Amazon hinweist. Der hält vier Geschenke zur Auswahl bereit: ein Puppenhaus, Handschellen in der schweren Ausführung, ein Buch zur Therapie nach sexueller Gewalt und einen Schwangerschaftstest. Die Braut ist 14 Jahre alt und ihr Zukünftiger fast 40.

Anna und Michael sind ein erfundenes Paar, deutsche Protagonisten für die Kampagne "Hei­ra­ten ist kein Kin­der­spiel" der Stiftung Weltbevölkerung. Sie will so auf die große Zahl an Kinderehen aufmerksam machen: Mehr als 40.000 Mädchen werden

täglich

vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet, das sind 15 Millionen im Jahr.

In Zukunft keine Kinderehen mehr

Das Datum, der 5. Juni, ist nicht zufällig gewählt. Am Ende der Website wird dazu aufgerufen, einen bereits fertig verfassten Brief an Angela Merkel abzusenden. In dem heißt es unter anderem: "Weltweit werden durch Kinderehen jedes Jahr 15 Millionen Mädchen ihrer Zukunft beraubt. Viele dieser Mädchen sind noch nicht einmal 15 Jahre alt! Wenn sie verheiratet werden, müssen die Mädchen die Schule abbrechen, sie können keine Ausbildung machen und nicht selbst über ihr Leben entscheiden."

Christoph Behrends, Referent für Öffentlichkeitsarbeit der Stiftung Weltbevölkerung, erklärt die Idee so: "Wir rufen dazu auf, die Kanzlerin auf das Thema Kinderehen aufmerksam zu machen. Die Bundesregierung kann die internationale Aufmerksamkeit des G7-Gipfels nutzen, um klar Position zu Mädchenrechten zu beziehen. Wer umfassend für die Rechte von Frauen eintritt, sollte Mädchen nicht vergessen. Mädchen müssen, gerade wenn sie unter schwierigen Bedingungen aufwachsen, so gestärkt werden, dass sie überhaupt Entwicklungspotenzial für sich sehen."

Ein Thema für Schloss Elmau

Der G7-Gipfel tag am 7. und 8. Juni auf Schloss Elmau. Angela Merkel hat dort die Regierungschefs François Hollande, Matteo Renzi, Shinzō Abe, Stephen Harper, Barack Obama und David Cameron zu Gast. Eines der geplanten Themen für die Gruppe der Sieben ist die "Stärkung von Frauen bei Selbständigkeit und beruflicher Bildung". Genau die wird bei Mädchen in Kinderehen verhindert. "Unser Wunsch wäre, dass sich Angela Merkel bei den G7, bei den G20 und bei allem, was darüber hinaus in internationalem Kontext passiert, stärker dafür einsetzt, dass es Kinderehen in Zukunft nicht mehr geben wird", so Behrends. Da in dieser Runde kein Vertreter der dritten Welt zugegen ist, könnte sich dort Angela Merkel für die zwangsverheirateten Mädchen einsetzen.

Die Frage, was vorher, am 5. Juni, dem Hochzeitstermin, am Roten Rathaus passieren wird, will Christoph Behrends noch nicht beantworten: "Wir sind da noch in der Planung, aber werden natürlich auf unserer Kampagnenseite darüber auf dem Laufenden halten. Man kann sich dort auch in den sogenannten 'Brautverteiler' eintragen und wird dann rechtzeitig informiert. Es wird auf jeden Fall rechtzeitig vor dem G7-Gipfel eine Aktion geben."

täglich & kostenlos
Täglich & kostenlos

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools