HOME

Wenn die Vagina plötzlich zubeißt

Die 50-jährige Theresa Bartram litt nach der Geburt ihres ersten Kindes an Stressinkontinenz. Eine OP sollte helfen – kostete stattdessen aber ihre Beziehung und brachte sie fast um. 

Ein Foto, das die 50-Jährigen blonde Theresa Bartram zeigt

Eine "ganz normale" OP kostete Theresa Bartram ihre Beziehung und fast ihr Leben

Auch zehn Jahre später ist Theresa Bartram immer noch aufgebracht. "Mir wurde gesagt, dass diese OP mein Leben verbessern wird, aber sie hat mein Leben ruiniert", sagt sie im Interview mit der britischen Zeitung "The Sun". Die 50-jährige Engländerin hat ihre Vergangenheit noch immer nicht verarbeitet.

Nach der Geburt ihres ersten Kindes litt die Mutter unter Stressinkontinenz. Schon das Lachen über einen Witz oder Niesen war ein Problem. Die Folge: Harnverlust. Deswegen holte sich Bartram medizinischen Rat bei einem Urologen. Der empfahl ihr eine "Tension free Vaginal Tape-Operation", kurz TVT. Dabei wird ein spannungsfreies Kunststoffband unter der Harnröhre an der Scheidenwand eingesetzt, wodurch ein Absinken der Harnröhre und unkontrolliertes Wasserlassen verhindert wird.

"Meine Scheide fühlte sich an, als wären ihr Zähne gewachsen"

Bartram ließ sich operieren. Und tatsächlich half die OP: Theresa hatte keine Probleme mehr. Ihr Sexleben war besser denn je, bis es 2009 beim Geschlechtsverkehr mit ihrem Freund zu einem folgenschweren Vorfall kam. "Meine fühlte sich an, als ob ihr Zähne gewachsen wären", erinnert sie sich und erzählt weiter: "Er hatte überall Blut an seinem Penis. Außerdem war da auf einmal ein großer Blutfleck im Bett."

Danach sei ihre Beziehung nicht mehr dieselbe gewesen, erzählte Theresa: "Er hatte Angst mit ihr zu schlafen, weil er sich vielleicht noch einmal verletzen könnte." Die 50-Jährige war sich sicher, dass es am TVT läge. Doch ihr Arzt versicherte ihr bei jedem Besuch, dass es damit nichts zu tun habe.

Theresa Bartrams Leben wurde immer schlimmer

Sechs Monate später ging ihre Beziehung in die Brüche. Eine neue kam für die Mutter nicht infrage. Viel zu groß war die Angst, dass sich so ein Vorfall noch einmal wiederholen könnte. Stattdessen schottete Bartram sich ab. Sie wurde immer dünner, musste Antidepressiva nehmen und erkrankte am Reizdarmsyndrom, einer funktionellen Darmerkrankung, wegen der ihr auch die Gallenblase entfernt werden musste.

Es ging der Britin von Tag zu Tag schlechter, bis vor zwei Jahren ein Arzt diagnostizierte, dass ihr Gesundheitszustand durch das eingesetzte Kunststoffband verursacht wurde und sich ein Abszess gebildet hatte. Bartram musste sofort operiert werden. Dabei stellten die Ärzte fest, dass das Netz viel zu niedrig eingesetzt und hart geworden war.   

In Schottland sind TVT-Behandlungen mittlerweile verboten

Zum Glück geht es Bartram heute wieder gut: "Ich bin froh, dass dieses Netz weg ist. Es hätte mich töten können", sagt sie abschließend. Zwar habe sie wieder mit ihrer Inkontinenz zu kämpfen, aber das sei zweitrangig.

Die umstrittene TVT-Behandlung wurde in Schottland mittlerweile verboten und steht weltweit unter Beobachtung. Trotzdem wird diese Methode von vielen Ärzten noch angewandt. Laut einer finnisch-schwedischen Untersuchung sei sie zu 81 Prozent erfolgreich.


rpw

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Wissenscommunity