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Der Hausfrauen-Bonus und andere Geheimnisse der Superreichen

An der Park Avenue ist vieles anders, als im Rest der Welt: Kinder haben Chauffeure, Frauen erhalten von ihren Männern eine leistungsbezogene Bonuszahlung und eine ehemalige Freundin entpuppt sich als Buchautorin, die all diese Geheimnisse in einem Buch ausplaudert.

Wednesday Martin und ihr Buch "Die Primaten der Park Avenue"

Wednesday Martin lebte mehrere Jahre mit ihrem Mann und ihren zwei Söhnen an der Upper East Side - mitten unter ihren Forschungsobjekten

"Ich lernte, dass Mutterschaft auf der Insel Manhattan eine ganz eigene Insel war und die Mütter der Upper East Side nichts weniger als einen Stamm für sich bildeten: eine Art Geheimgesellschaft, bestimmt von Regeln, Ritualen, Kleiderordnungen und Migrationsmustern, die mir vollkommen neu waren, durchzogen von Glaubenssätzen, Ambitionen und Kulturpraktiken, von deren Existenz ich nie geträumt hätte", schreibt Wednesday Martin über die Frauen der Park Avenue, unter denen die Anthropologin mehrere Jahre lebte. Sie war zu Beginn so überrascht von dieser für sie vollkommen neuen Welt, dass sie beschloss, die Frauen und ihre Familien wie Forschungsobjekte zu sehen. So entstand ihr Buch "Die Primaten von der Park Avenue", das heute auch auf Deutsch erscheint.

Als Martin im letzten Sommer erste Ausschnitte aus ihrem Buch veröffentlichte, sorgte dies für sehr viel Furore, besonders in den USA, aber auch überall anders auf der Welt. Zu abgehoben klangen ihre Schilderungen von den privilegierten Familien, von eigenen Chauffeuren bereits für Kleinkinder, von Hubschrauberflügen in die Hamptons und von "Spieltreffenberater für Vierjährige, die nicht wissen, wie man spielt, weil sie vor lauter Frühförderung - Französisch, Mandarin, Little Learners und Kochkurse, dazu noch Golf, Tennis und Stimmbildung - nach dem Kindergarten nicht die Zeit zum Spielen haben."

Sie erzählte von einer strengen Geschlechtertrennung: Während die Männer Karriere machen und unvorstellbare Mengen an Geld verdienen, kümmern sich die Frauen um die gemeinsamen Kinder und um ihr eigenes Aussehen. Gesellschaftliche Berührungspunkte gibt es selbst mit dem eigenen Ehemann nur wenige. Egal, ob Dinnerpartys, Sportclubs oder Cocktailrunden, alles existiert in zwei Versionen - der männlichen und der weiblichen.

Martin, von Haus aus Anthropologin, war fasziniert von den meist gut ausgebildeten und intelligenten Frauen, die ihr Leben komplett der Kinderbetreuung und dem Vermögen ihres Mannes ausliefern. "Da gibt es Modeberater, die den Mamis dabei helfen, die richtige Garderobe für das Hinbringen und Abholen der Kleinen anzuschaffen. Über die Spielplätze schwanken sie auf schwindelerregenden Absätzen und in atemberaubenden Pelzmänteln von J. Mendel und Tom Ford, die sie auch gern zu Geburtstagspartys tragen. Letztere kosten ab 5000 Dollar aufwärts und finden in Appartments statt, die so weiträumig sind und so hohe Decken aufweisen, dass man ganze Hüpfburgen darin unterbringen könnte. Was man auch tut."

Der Ehefrauen-Bonus als Absicherung

Doch am meisten Aufregung verursachte wohl der von Martin enthüllte Wife Bonus, den selbst die Autorin zu Beginn ihrer Recherchen für einen Witz hielt. Doch an der Upper East Side ist es nichts Ungewöhnliches, seine Frau nach einem erfolgreichen Jahr mit einer Bonuszahlung zu belohnen. Dabei ist nicht entscheidend, ob der Mann ein erfolgreiches Jahr hatte (das haben die Millionäre, um die es geht, eigentlich immer), sondern es stellt sich die Frage, ob die Frau als Hausfrau und Mutter erfolgreich war. Wie das gemessen wird? Anhand von tollen Partys, guten Noten der Kinder und gepflegten Häusern. Wahrscheinlich schadet es auch nicht, wenn die reiche Ehefrau regelmäßig ihre Yoga-Übungen gemacht und sich eher selten den Bauch vollgeschlagen hat.

Im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" sagte die Autorin, dass sie noch immer überrascht sei über die Heftigkeit der Diskussion, die ihre Enthüllung nach sich zogen. Was sie wiederum im Nachhinein gar nicht überrasche, sei die Bonuszahlung an sich. "Ich habe während meiner Arbeit als Anthropologin gelernt, dass Frauen in allen Kulturen, in denen Männer die Ressourcen und den Zugang zu den Ressourcen kontrollieren, Wege finden, für sich und ihre Nachkommen vorzusorgen." Denn nichts anderes ist der Wife Bonus: eine Absicherung, falls der Mann einmal verschwinden und damit auch der Geldstrom versiegen könnte. Deswegen ist bei den Frauen laut Martin auch Schmuck das beliebteste Geschenk - den kann man, im Gegensatz zu einer Luxus-Reise, in der Not zu Geld machen.

Von ihren Männern verlassen zu werden, ist für diese Frauen das schlimmste, was ihnen passieren kann. Denn auch wenn sie allesamt gut ausgebildet und intelligent sind, vom Arbeitsmarkt haben sie sich spätestens nach der Geburt der Kinder verabschiedet. Martin bezeichnet sie als "Manhattan-Geishas" - reiche, hochqualifizierte und beruflich oft unterbeschäftigte Frauen, die "ihre einst hochgerühmten Karriereambitionen in die Perfektionierung ihres Körpers umleiten."

Amüsant und scharfsinnig

Auch wenn Martin versucht ihrem Buch den Anstrich einer wissenschaftlichen Arbeit zu geben, ist es das in den meisten Teilen nicht. Es lese sich sehr amüsant und scharfsinnig, urteilte zum Beispiel die "New York Times", doch Martin habe - wie sie selbst offen zugibt - den größten Fehler aller Wissenschaftler gemacht: Sie ist selbst zu ihrem Forschungsobjekt geworden und hat so jede Objektivität verloren. Manche, der zu Beginn so bestaunten Frauen, wurden zu ihren Freundinnen und Martin wollte, wie sie im Buch erzählt, irgendwann nur noch dazu gehören. Auch sie wurde zu einer der Frauen - inklusive Birkin-Bag und untragbaren High Heels.

Trotz ihrer Enthüllung ist die zweifache Mutter in der Park Avenue noch immer gern gesehen. Dadurch, dass sie die Identitäten aller in dem Buch vorkommenden Menschen bestens geschützt habe, sei niemand sauer auf sie. "Alle meine Freunde und Bekannten auf der Upper East Side haben mir gerne geholfen und freuen sich jetzt über meinen Erfolg", sagte sie der DPA. Trotzdem wohnen sie und ihre Familie inzwischen lieber auf der Upper West Side - auf der anderen Seite des Central Parks …

vim
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