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"Bitte kümmern Sie sich. Ich kann es nicht"

Ein Baby, das ausgesetzt wurde, soll schnell in eine neue Familie kommen, damit es keine weiteren Brüche erlebt. Wie eine Vermittlung abläuft und was Adoptiveltern mitbringen sollten.

Von Sonja Hartwig

Findelkinder werden zunächst vom Jugendamt in Obhut genommen.

Findelkinder werden zunächst vom Jugendamt in Obhut genommen.

Bitte kümmern Sie sich gut um sie. Ich kann es nicht. Ein Tag alt und heißt Raquel." Diese Worte standen auf einem Zettel, als vor ein paar Monaten in München ein Kind ausgesetzt wurde, das Neugeborene lag in einem Weidenkorb, eingewickelt in eine Decke. "Moritz, geboren am 27. Januar, 14 Uhr", stand einmal auf einem Zettel, der bei einem Baby dabei war, ausgesetzt in Berlin. Wer auch immer diese Sätze geschrieben hat, sie klingen nach Taten, die aus Verzweiflung geschahen. Für Paare, die sich ein Kind wünschen, sind sie die Chance auf ein Familienleben. Bleiben die leiblichen Eltern unbekannt, suchen Adoptionsvermittler ein neues Zuhause.

Zunächst aber nimmt das Jugendamt das Kind in Obhut und das Familiengericht setzt einen Vormund als gesetzlichen Vertreter ein. "In der Regel bekommen wir dann schon eine Nachricht mit der Bitte, Eltern zu suchen", sagt Rodika Quilitz, Leiterin der Adoptionsvermittlungsstelle der Berliner Senatsverwaltung. Währenddessen ist das Kind meist im Krankenhaus untergebracht, wird dort untersucht und behandelt. "Sobald wir alle medizinischen Ergebnisse haben, finden wir Eltern, die bereit sind, ein ausgesetztes Kind aufzunehmen." Bestenfalls dauert das nur zwei Tage.

Keine weiteren Brüche

Einige Jugendämter in anderen Städten geben die Kinder erst in Bereitschaftspflege, acht Wochen später, wenn es keine Hinweise auf die leiblichen Eltern gegeben hat, in Adoptionspflege. "Das versuchen wir in Berlin zu vermeiden, denn wir wollen nicht, dass das Kind einen weiteren Bruch erlebt", sagt Quilitz.

Ob sich die neuen Eltern zutrauen, ein Kind aufzunehmen, das nichts über seine Herkunft weiß, wird bereits in der Bewerbungsphase der Adoption geklärt. Bis zu neun Monate dauert sie: Die künftigen Eltern füllen einen Fragebogen aus, schreiben ihre Lebenssituation auf, reden über ihre Paarbeziehung, belegen Seminare, bei denen sie sich mit einer Adoptivmutter austauschen, die selbst erwachsene Adoptivkinder hat und werden zu Hause von den Adoptionsvermittlern besucht. In den Gespräche geht es auch um die Fragen: Können Sie sich ein Kind aus der Babyklappe vorstellen? Ein Findelkind? Und wie gehen Sie damit um, wenn das Kind mal nach seinen Wurzeln sucht?

"Wir suchen Eltern für Kinder und nicht Kinder für Eltern. Die Adoptiveltern sollen sich kein Kind aus dem Wunschkatalog aussuchen, sondern ihre Grenzen definieren, damit sie sich dem Kind ohne Vorbehalte nähern können", sagt Quilitz. Wer während der Adoptionsbewerbung angibt, kein anonym abgegebenes oder ausgesetztes Kind anzunehmen, dem wird es auch nicht vorgeschlagen. "Diese Kinder haben ja nichts, woran sie sich festhalten können. Selbst wenn sie früh von der Mutter getrennt wurden, kann sich das als Trauma niederschlagen und als Thema immer wieder hochkommen. Eltern müssen bereit sein, diese erschwerte Identitätsfindung zu begleiten."

Findelkinder brauchen ein Nest

Wenn die Adoptionsvermittlerin gemeinsam mit ihrem Team überlegt, welche Adoptionsbewerber für solche Kinder in Frage kommen, achtet sie vor allem darauf, dass die Familie groß ist, es viele Beziehungsangebote gibt: Ein Paar, das keine Geschwister hat und dessen Eltern schon tot sind, hält sie nicht für geeignet. "Diese Kinder brauchen eine richtige Familie: viele Cousins und Cousinen, Onkel, Tanten, Großeltern, ein richtiges Nest."

In seinem neuen Zuhause wird das Kind von den Adoptionsvermittlern immer wieder besucht und betreut: Entsteht eine Eltern-Kind-Beziehung? Nehmen die Eltern das Kind an? Fühlt sich das Kind wohl? Nach einem Jahr kann es adoptiert werden. Sobald das Familiengericht zustimmt, haben die Adoptiveltern dann die gleichen Rechte und Pflichten wie leibliche Eltern.

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