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Kind und Kegel digital organisieren

Der Kühlschrank, das wichtigste Tool der familiären Terminplanung. Voller bunter Zettel, Stundenplänen, Kinderbilder und Telefonnummern. Nett, doch diese digitalen Kalender hier wären praktischer.

Von Andreas Albert

Auch wer als berufstätige Eltern nur ein Kind hat, weiß: Die private Terminplanung steht in Sachen Komplexität dem bunt gewürfelten Kalender in der Fima oft in nichts nach. Ab zwei Kindern sowieso: Montag 15.00 Henni Kinderarzt – Zeckenimpfung! 2. Termin in drei Monaten abmachen!, 17.00 Alina Reiten – Abholen wer? Klassenreise Überweisung bis Montag, Nachhilfe verschoben – Steffen anrufen! Papa: Klopapier ist alle. Kaufen! Wer geht zur Präsentation der Projektwoche? Oma anrufen, Henni muss ab 8 Uhr zu ihr - weil schulfrei! Dienstag: Heizungsableser.

Im Familienkalender am Kühlschrank werden zwar jedes Jahr die Geburtstage, vielleicht auch Ferien und Sportkurse notiert - aber irgendwann guckt niemand mehr drauf. Entweder, weil die Veranstaltungen zur Routine geworden sind oder eben vergessen wird, Aktuelles einzutragen. Und spätestens bei Patchworkern mit drei oder vier involvierten Familien ist der Kühlschrank als Schwarzes Brett hoffnungslos überfordert.

Zeit, die analoge Zweckentfremdung durch Informationstechnik auszutauschen. Mit digitalen Kalendern lassen sich sogar mehrere Familien samt Oma und Opa planen: Die Termine bleiben auf dem aktuellen Stand und für alle in der Familie sichtbar –auf dem Smartphone sogar mit Erinnerungsfunktion.

Keine Angst, die Einrichtung der verschiedenen Dienste ist nicht so schlimm, wie das Wort "Informationstechnik" vermuten lässt. Der erste Schritt ist ein Blick auf die Computer, Telefone und Tabletts, die in der Familie schon verwendet werden. Haben die meisten Windows, Apple oder Android? Denn am besten funktionieren digitale Familienkalender, wenn alle die gleiche Software oder dasselbe Betriebssystem nutzen.

Kalender von Apple und Google

In der Apple-Welt zum Beispiel lässt sich ein Termin in den bereits mitgelieferten Kalender eingetragen und alle Beteiligten werden dazu einfach eingeladen. Das war es schon. Nun hat jeder in der Familie diese Erinnerung erhalten, egal ob er einen iPodTouch, ein iPad oder einen Desktoprechner mit dem Apfellogo verwendet. Vorteil: Damit kommen sogar Familienmitglieder mit wenig ausgeprägtem technischen Verständnis zurecht. Nachteil: Funktioniert nur gut, wenn wirklich jeder ein Apple-Gerät hat.

Für Familien mit Windows und dem Google-Betriebssystem Android gibt es eine gute Alternative: Über den Google-Kalender lassen sich Termine organisieren und gemeinsame Unternehmungen planen. Auch hier können Einladungsanfragen zu Terminen verschickt werden. Die Eingeladenen sagen zu oder ab oder zeigen sich mit einem "Vielleicht" unschlüssig. Praktisch für Patchworker: Ein Kalender kann aus mehreren Kalendern bestehen. Jede der beiden Familien kann so ihren eigenen Kalender führen und den der anderen Familie bei Bedarf hinzuschalten oder ausblenden, perfekt für Ferienplanung, Mama-Papa-Wochenenden und Elternabende.

Der Google-Dienst ist flexibel und steht auch Nutzern anderer Betriebssysteme wie Apple oder Windows Mobile offen. Unter Windows kann der kostenlose Mailclient Thunderbird über die Kalender-Erweiterung Lightning auf den Google-Kalender zugreifen.

Die kleine Drohnen-App zur Kinderüberwachung

Etwas mehr als reine Terminverwaltung bietet der Dienst Familonet. Das von der Uni Hamburg unterstützte Startup soll vor allem die nervigen Statusanfragen besorgter Eltern überflüssig machen. Die ausgewählten Kontaktpersonen werden automatisch informiert, wenn der Nachwuchs an einem bestimmten Ort, beispielsweise der Schule, dem Sportverein oder der Wohnung angekommen ist. So weiß jedes Familienmitglied sofort, wo die anderen sind und was sie machen.

Eltern müssen also nicht mehr nachfragen und die Sprösslinge können nicht mehr vergessen, eine SMS zu schreiben. Reizvoll für Teenager: Sie können die Funktion abschalten, wenn sie gerade nicht geortet werden wollen, weil sie sich an Orten zweifelhaften Vergnügens aufhalten.

Selbstverständlich können auch die Großeltern in das Familonet aufgenommen werden. Sollten sie einmal Hilfe benötigen, können sie über die App Unterstützung anfordern und gleichzeitig ihren Standort übermitteln.

Familonet verspricht, dass die Daten verschlüsselt und ausschließlich auf Servern in Deutschland gespeichert werden. Zudem soll der Dienst werbefrei sein. Das Unterscheidet das Angebot deutlich von US-Anbietern wie Google, Apple oder Microsoft.

In Gruppen doodeln

Für Familien, deren Mitglieder sich sowieso schon über soziale Netzwerke wie Facebook, Google+ oder auch den Kurznachrichtendienst Whatsapp austauschen, kommt die Erstellung von Gruppen infrage. Darüber lassen sich ebenfalls Termine verwalten und die Mitglieder können über anstehende Ereignisse informiert werden. Gruppen werden einfach von einem Teilnehmer erstellt, der die anderen einlädt. Bei den verschiedenen Diensten gibt es unterschiedliche Gruppen, deren Planungen dann eingeschränkt sichtbar oder auch komplett abgeschirmt von den anderen Kontakten vonstatten gehen können.

Eine andere Alternative bietet das Doodlen. Der schweizerische Webdienst ist besonders nützlich, wenn mehrere Familienmitglieder zu einem Ereignis zusammengeführt werden sollen: Steht der gemeinsame Osterbrunch an, werden die Großeltern per Doodle informiert.

Dazu muss einfach auf der Website doodle.de der Termin angelegt werden. Dann werden entsprechende Einladungen verschickt und die Empfänger sagen zu oder schlagen Alternativen vor. Datenschützer raten allerdings dazu, die Einladungen selber zu verschicken und nicht über den Doodle-Dienst.

Neben Doodle gibt es ähnliche Terminplaner beispielsweise des Vereins zur Förderung des Deutschen Forschungsnetzes (DFN-Verein) auf der Site https://terminplaner.dfn.de oder den Dudle derTU-Dresden, die die gleichen Funktionen bieten, aber besseren Datenschutz versprechen.

Ohne Pflege keinen Nutzen

Einige Familien präsentieren sich bereits mit einer eigenen Homepage oder bloggen ihre Urlaube und Besuche in der Hundeschule im Netz. Sie können auf ihrer Site einfach einen Terminkalender einbinden, auf den ebenfalls eingeladene Teilnehmer Zugriff haben. Für Patchwork-Familien mit mehreren Terminkalendern eine schöne Möglichkeit, über die Terminverwaltung hinaus mehr über die Aktivitäten der Kinder zu erfahren, wenn sie gerade beim anderen Elternteil sind. Anbieter wie WebMart Event-Kalender, iKalender oder Webcalendar lassen sich mit ein paar Mausklicks in den eigenen Netzauftritt integrieren. Gleiches funktioniert übrigens auch mit dem Google-Kalender.

Eines haben alle vorgestellten Lösungen gemeinsam: Sie funktionieren nur dann, wenn sie auch gepflegt werden. Ansonsten reichen der Kühlschrank und gute Nerven, wenn mal wieder schnell etwas organisiert werden muss, was auch gut hätte geplant werden können. Wie in der Firma eben.

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