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Kaltes Bier statt heißer Küsse - mein Pleite-Date mit einem Banker

Männer nach guter Optik und ähnlichen Interessen auswählen? Klappt doch eh nicht.  Warum also nicht einfach mal einen ultimativen Antitypen mit viel Geld daten?!

Die verdorbene Dekadenz der Reichen blieb ein Wunschtraum.

Die verdorbene Dekadenz der Reichen blieb ein Wunschtraum.

Neulich hatte ich eine Verabredung mit einem Mann, den man guten Gewissens als meinen fleischgewordenen Alptraum bezeichnen könnte: Karsten* trug ein ordentliches Oberhemd, arbeitete in der Führungsriege eines großen Konzerns, fuhr einen protzigen BMW und frönte in seiner Freizeit allen Ernstes dem Golfsport. "Hilfe!", hätte die ALTE da sofort gekreischt. Doch nicht so die neue, verbesserte, AUFGESCHLOSSENERE Version meiner selbst, die auch Männern eine Chance gibt, die kein alternatives, künstlerisches Flair umweht. 

Freigeister bringen es beim Dating auch nicht

Die Idee stammt von meiner Freundin Kaja. Nach meiner jüngsten amourösen Verfehlung predigte sie mir per Sprachnotiz: "Seit du 14 bist, datest du denselben Typ Mann. Woher willst du wissen, dass du nicht doch auf Banker in Anzügen stehst, wenn du noch nie mit einem geknutscht hast?! Außerdem müsstest du dann nicht ständig in ranzigen übernachten – sondern vielleicht auch mal in einem Apartment mit Elbblick!"

Je länger ich darüber nach dachte, desto mehr Sinn ergab ihr Vorschlag. Immerhin hatten sich meine letzten Flirts – allesamt antikapitalistisch eingestellte Freigeister – letztlich alle als Flops entpuppt. So toll konnten die also gar nicht sein. Möglicherweise verbaute ich mir durch meine Vorurteile gegenüber etwas gesetzteren, seriöseren oder konservativeren Männern ja tatsächlich die Chance auf L'amour toujours (oder wenigstens eine richtig heiße Nacht)?!

Meine Vorfahrin: eine Stalkerin

Also ließ ich mich auf ein Blind Date mit eben jenem Karsten ein. Ein entfernter Bekannter Kajas. Und es ging direkt gut los: Karsten war offen, charmant und erzählte mir bereits bei Bierchen Nr. 1, dass er mal eine irre Stalkerin namens Henriette gehabt hatte, die jetzt im Knast säße, und dass er bei dem Namen heute immer noch eine Gänsehaut bekäme. Er fand das wohl lustig. Ich nicht so. Vor allem dann nicht, als ich kurz darauf feststellte, dass meine neue Traumwohnung, nach der ich ein dreiviertel Jahr gesucht hatte und zu deren Mietvertragsunterzeichnung ich am Folgetag geladen war, rein zufällig in SEINEM Wohnkomplex lag. WTF?! Ich flog sogleich aufs Klo, rief die Maklerin an – und blies alles ab. Als Henriette, die irre Stalkerin 2.0, wollte ich nun wirklich nicht dastehen. Auch dann nicht, wenn Karstens Meinung mir piepegal war.

Abgestanden, statt prickelnd

Danach tranken wir noch drei oder vier weitere Bierchen, aber geknutscht wurde nicht. Vermutlich, weil weder ich ihn noch er mich in irgendeiner Form sexy fand. "Es ist wirklich lustig, mal so ein Mädchen wie dich zu treffen", lallte mir Karsten aber dafür gegen Mitternacht ins Ohr. Damit stand für mich fest, dass auch ich für ihn "nur" so etwas wie ein Experiment gewesen war. Wahrscheinlich stand er normalerweise eher so auf Perlenohrringe und rosa Twinsets.

Naja. However. Nächste Woche will Karsten mir jedenfalls mal zeigen, was ein Doppelbogey ist. Und ich geh’ Samstag mit ihm auf eine Frenchcore Party. Knutschen werde ich dort aber allerhöchstens mit dem heißen DJ. 

*Name geändert


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