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Miley, pack deine Brüste ein!

Seit den Video Music Awards weiß die ganze Welt, wer im internationalen Popbiz das Sagen hat: ein nacktes Zirkusäffchen und eine verspannte Einserschülerin, deren Songs kein Mensch jenseits der 30 kennt. Wie öde!

Miley Cyrus bei den Video Music Awards

Miley Cyrus bei den Video Music Awards

Ich weiß gar nicht, wen ich ungeiler finde: Miley Cyrus oder . Die eine hat gerade oben ohne die Video Music Awards (VMA) moderiert, die andere hat fast alle Preise abgesahnt, obwohl ihre Songs echt 'ne Schiene zu hart nach Kindergeburtstag klingen. In jedem Fall finde ich die Spitze des Popolymp erschreckend schwarz-weiß: Die Kids haben die Wahl zwischen Hure oder Klosterschülerin. Voll porno oder superbieder. Dazwischen? Liegen ein paar Frauen mit zu großen Hinterteilen, die nicht der Rede wert sind.

Miley jedenfalls gibt gerade alles. Kaum, dass sich die Welt von ihrer Peepshow bei den VMA erholt hatte, setzte sie diese Woche noch einen drauf und präsentierte sich masturbierend im "Interview"-Magazin. Tschüs, Sinn und Sinnlichkeit.

Miley hat doch Sex-ADHS!

Niemand vor ihr, nicht mal , hat ihren Sex so aufdringlich als Waffe eingesetzt. Fast könnte man meinen, das Kind hätte Sex-ADHS! Umso befremdlicher finde ich, dass viele Frauenmagazine Mileys Eskapaden bereits als eine neue Stufe der sexuellen Revolutions feiern - auch, wenn das bedeutet, dass sie im Kinderfernsehen ihre Brust entblößt. Nee, ey, echt nicht!

Ich sage: Miley muss provozieren, um davon abzulenken, wie einfallslos, und weichgespült ihre Mucke ist. Sie ist mehr Zirkusäffchen, als ernstzunehmende Sängerin. Zwar ist klar, dass ihre Botschaft ("Ich bin eine selbstbewusste Frau, die macht, was sie will, liebt, wen sie will und sich durch nichts und niemanden davon abhalten lässt!") grundsätzlich gut ist. Aber dafür muss man doch nicht ständig seine primären Geschlechtsteile herumzeigen.

Stichwort Sinnlichkeit: Ich überlege gerade, ob man Kim Basingers Brüste in "9 ½ Wochen" überhaupt jemals zu Gesicht bekommen hat. Wahrscheinlich nicht. Wozu auch? Die Frau hatte mehr Sexappeal im kleinen Finger als zehn masturbierende Mileys zusammen. Da kann sie so lange nackt auf irgendwelchen Abrissbirnen herumreiten, wie sie will. Das erotischste Musikvideo aller Zeiten ist und bleibt sowieso "Crazy" von Aerosmith, in dem Liv Taylor den hinreißend-unschuldigsten Striptease aller Zeiten für Alicia Silverstone hinlegt. Und "Don't Cry" von Guns 'n' Roses, in dem Stefanie Seymour aus Eifersucht eine Konkurrentin um die Gunst ihres Lovers Axl Rose verprügelt. Magnifique!

Taylor Swift ist in etwa so verrucht wie Helene Fischer

Taylor Swift, die derzeit mächtigste und erfolgreichste Popsängerin der Welt, ist das genaue Gegenteil von Miley. Mehr kann ich über sie auch kaum schreiben, weil mir sonst die Füße einschlafen. Viele beschreiben sie als sympathisch, clever und geschäftstüchtig. Ich finde sie farblos und verspannt. Die Tatsache, dass sie sich stets mit einer Clique von angesagten It-Girls umgibt (vermutlich in der Hoffnung, dass ein bisschen von deren Verruchtheit auf sie abfärbt, was leider nicht passiert – sie ist maximal so verrucht wie Helene Fischer, wenn die beim "Echo" von der Decke schwebt) und ihren Bitchfight mit Katy Perry gerne nach allen Regeln der Kunst öffentlich zelebriert, verleiht ihr so einen Hauch von fieser Obercheerleaderin, die auf dem Pausenflur "Loser" terrorisiert.

Jedenfalls: Wenn Streber-Taylor und Miley also gerade das "Heißeste" sind, was das Popbiz zu bieten hat, dann stöbere ich lieber weiterhin in Papas Plattensammlung. The Doors und Jimi Hendrix gehen immer.

P.S.: Wer sich jetzt beschwert, dass eine "Bumsbuchautorin" über die "Sex sells"-Masche von Miley ablästert, dem sei gesagt: Ein Buch kann man zuklappen oder ignorieren. Miley nicht. Dafür ist es längst zu spät. Sie ist in unserer Timeline präsent, in unseren Lieblingsmagazinen und -Zeitungen sowie im TV. Wir können nur abwarten und Tee trinken, bis die Cirque Lodge ruft ...

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