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Partner- oder Wohnungssuche – beides macht einen in Hamburg irre

Es ist in Hamburg einfacher den Partner fürs Leben zu finden als eine Unterkunft in einem halbwegs angesagten Viertel. Aber Aufgeben ist keine Option! Denn Liebe und ein Dach über dem Kopf braucht der Mensch. Letzteres nur leider deutlich dringender. 

Heute findet man leichter einen Traummann als eine Traumwohnung.

Heute findet man leichter einen Traummann als eine Traumwohnung.

Am Anfang seiner Suche ist man noch voller Euphorie. Man haut so Sätze raus wie "Ist doch toll, was es so alles auf dem Markt gibt – da picke ich mir jetzt das Allergeilste raus!" Dann zieht man los, versucht sein und geht beim ersten Versuch noch völlig naiv an die Sache ran. Man rechnet weder mit skrupelloser Konkurrenz noch damit, dass es Leute gibt, die nicht kapieren, was für ein guter Fang man ist.

Die erste Abfuhr nimmt man leicht

Die erste Abfuhr nimmt man noch mit Humor. "Naja, sollte es eben nicht sein. Aber ich hab’ da schon was anderes im Auge!" Das nächste Mal ist man schon besser vorbereitet, hat sich das ein oder andere zurechtgelegt. Einen coolen Spruch oder die letzten drei Gehaltsnachweise. Jetzt kann nichts mehr schief gehen, denkt man. Und tatsächlich! Man schafft es in die zweite Runde – und wartet hinterher aufgeregt auf den versprochenen Rückruf: Ja, ich will dich wiedersehen! Ja, Sie haben die Wohnung! 

Die gemeinsame Zukunft malt man sich bereits in den buntesten Farben aus. In welcher Bar soll das zweite Date stattfinden? Passt der PAX-Kleiderschrank überhaupt ins Schlafzimmer?

Doch stattdessen kommt bald die Ernüchterung in Form einer Textnachricht: "Sorry, aber das mit uns wird nichts." Bzw.: "Es tut uns leid, aber wir haben die Wohnung leider anderweitig vergeben – an jemanden, der aus unserer Sicht besser in die Hausgemeinschaft passt." Autsch!

Attraktivere Mitbewerberinnen

Wenn dasselbe noch drei, vier weitere Male passiert, obwohl man wirklich alles gegeben und sich von seiner bestmöglichen Seite gezeigt hat, braucht man erstmal eine Pause. Wunden lecken. Sich betrinken. Freunde volljammern: "Warum will mich bloß keiner? Ich bin doch echt sympathisch, verdiene gut, habe Charme, keinen Eintrag bei der SCHUFA und rauchen tu ich auch nicht. Ich bin praktisch PERFEKT! Ich verstehe das nicht, ich kann nicht mehr. " 

Nach Wochen wagt man vom Sofa aus einen erneuten, halbherzigen Versuch. Schnell ist das erste Treffen vereinbart. Alles ganz nett. Und zwei Tage später ein Anruf. Man will dich! Jetzt! Sofort!

Blöderweise hat man selbst gar kein echtes Interesse. Und bloß, weil man in letzter Zeit ein bisschen Pech hatte, muss man ja nicht gleich Downdating bzw. Downrenting betreiben. Also sagt man "nein".

Eine Traum fürs Leben

Und irgendwann passiert es dann. Man entdeckt ganz unerwartet das ultimative Objekt seiner Begierde! Etwas, von dem man schon sein ganzes Leben geträumt hat, aber von dem man immer dachte, dass man so etwas niemals finden würde: großzügig, schicke Ausstattung, reizvoll geschnitten, mit dem gewissen Etwas, wahnsinnig sexy und glamourös.

Du bist wie elektrisiert und bereit alles zu tun, um zu bekommen was du willst – obwohl du insgeheim schon ahnst, dass die Sache eine Nummer zu groß für dich ist und eigentlich auch gar nicht zu dir passt … Aber du bist noch so geblendet von der schicken Optik, dass du sofort und ohne nachzudenken "ja" schreist. Dafür bist du sogar bereit zu lügen und dich als etwas zu verkaufen, was du gar nicht bist (z.B. reich).

Für einen kurzen Moment scheint es dann sogar so, als hättest du eine Chance. Man interessiert sich für sich, man hört sich an, was du zu sagen hast, man lächelt dich verzückt an und vielleicht gibt man dir sogar noch mehr … Alles scheint zu schön um wahr zu sein.

Heulen vor dem Telefon

Die darauffolgenden Tage schwebst du auf Wolke sieben, wartest sehnlichst auf den Anruf, der Gewissheit bringen soll. Zuerst eine, dann zwei und schließlich drei Wochen lang wirst du hingehalten. Grund genug, nervös zu werden. Was wird hier gespielt? Gibt es etwa noch jemand … anderen? Besseren?! Freunde melden sich zu Wort: "Vergiss es. Das wird eh nichts. Damit machst du dich nur unglücklich." Aber du willst nicht hören: "Nein, DAS ist exakt, was ich will!" Bis die Abfuhr kommt. Kurz und schmerzvoll: "Es gab attraktivere Bewerber als Sie." Etwa die dürre Blondine mit dem Doktortitel oder die resolute Asiatin in dem viel zu kurzen Minirock?! Beide hatten es offenbar auf dasselbe abgesehen …

Du fängst an zu heulen. Wie konntest du dir bloß einbilden, dass daraus etwas werden könnte?! Gott, ist das demütigend. Und gibst offiziell auf. "Mama, Papa – darf ich eine Weile bei euch wohnen?" Der vorläufige Tiefpunkt.

Endlich der Volltreffer

Kurz darauf, die hast dich gerade halbwegs mit deinem alten Kinderbett arrangiert, ruft dich eine Bekannte an – sie kenne da jemanden, ob du den nicht mal treffen wollen würdest. Er halte nichts von den üblichen Portalen sondern würde eher auf die Empfehlungen von Freunden hören. Und wer hätt’s gedacht? Volltreffer! Also fackelt ihr nicht lange und besiegelt das Ganze mit euren Unterschriften. Happy End! Finally!

Jetzt brauchst nur noch eine verdammte Wohnung …

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