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Verkatert, aber geil: Warum wir nach einer durchfeierten Nacht Sex brauchen

Ein "Horny Hangover" gehört zu den besten Dingen, die einem an einem Sonntag passieren können. Dumm ist das Ganze nur für Singles.

Sex macht auch verkatert Spaß

Sex macht auch verkatert Spaß

Naaa? Vegetierst du auch gerade in deinem Bett oder auf dem Sofa vor dich hin und windest dich unter Kopfschmerzen, Übelkeit und beschämenden Erinnerungen an linkische "Lambada"-Tanzeinlagen auf dem Tresen wie ein Lurch auf heißem Asphalt? 

Tja, dann geht es dir an diesem herrlichen Sonntag wie gefühlten 90 Prozent aller Deutschen, die ihrem Lieblingshobby "Saufisaufi" in der gestrigen Nacht ähnlich exzessiv gefrönt haben wie du. Ist ja auch noch Oktoberfest gerade.

Nun haben die Zügellosen unter uns den Salat: Bereits der Weg zum Klo erscheint einem plötzlich ähnlich strapaziös wie die Besteigung eines 5000ers. Alles ist irgendwie zu hell, zu laut, zu anstrengend. "Nie wieder Alkohol", grummelt da so manches Naivchen in sein Kopfkissen und sehnt sich nach Elektrolyten. Und – jetzt kommt’s! – mitunter auch sehr extrem nach Sex.

Sex? In diesem Zustand?! Eigentlich geht das ja gar nicht. Und doch ergreift den armen Verkaterten plötzlich eine starke, nahezu unerträgliche, alles dominierende postalkoholische Geilheit, ähnlich einer wabernden Nebelschicht, die langsam über die Elbe zieht.

Eine nicht repräsentative Umfrage in meinem Bekanntenkreis bestätigt den schockierenden Verdacht: Alkohol – egal, ob frisch am Tresen konsumiert oder bereits in Form eines quälenden Hangovers – macht Lust auf Rummachen. Aber warum – wenn man sich doch kaum noch bewegen kann?!

Wissenschaftler haben festgestellt, dass man sich am Morgen nach einer wilden Partynacht noch immer in einer Art Rauschzustand befindet und deshalb genauso verrückt und ausgelassen ist wie in der Nacht zuvor. Hinzu kommt, dass das älteste und zuverlässigste Heilmittel gegen Wehwehchen aller Art immer noch der gute alte Orgasmus ist. Weiß ja jeder: Sex sorgt dafür, dass wir uns für einen kurzen Moment so wohl wie nie in unserem Körper fühlen. Die durch körperliche Nähe ausgeschütteten Glückshormone verdrängen (kurzzeitig) unsere hämmernden Kopfschmerzen, die Übelkeit, die Bauchschmerzen.

Hinzu käme laut besagten Wissenschaftlern, dass viele nach einer Partynacht bestimmte Erlebnisse mental zu verarbeiten hätten, was ihre sexuelle Begierde erst so richtig anheizen würde: eine anregende Beobachtung, ein Tanz, eine Fummelei vor der Haustür.

Und verkaterte Sonntage haben noch einen Vorteil: Paare, die wochentags beruflich sehr eingespannt sind, haben durch den Umstand, einen ganzen Tag lang gemeinsam ans Bett gefesselt (und zu sonst nichts in der Lage) zu sein, endlich mal Luft für Lust. Tipp: Bloß nicht zu viel Action – wilder Stellungswechsel kommt angeschlagen nicht so gut. Alleinstehende Trunkenbolde trifft es selbstredend härter. Nicht umsonst wird zu kaum einem anderen Zeitpunkt soviel (verzweifelt) getindert wie am Sonntagabend …

Wem verkatert überhaupt nicht nach Rummachen zumute ist, sollte das nächste Mal in Amsterdam feiern gehen. Dort hat kürzlich die erste Anti-Hangover-Bar eröffnet. Ohne Restalkohol im Blut kommt man gar nicht erst rein! Am Eingang wird erstmal der Promillewert gemessen. Danach kann man sich auf Sofas und Betten legen. Es gibt Pantoffeln, Schlafmasken, Kuscheltiere und Elektrolyte. Sogar eine Sauerstoffmaschine steht bereit. Na, dann: Prost!


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