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Plötzlich Teenager - und die Ferien sind keine sorglose Zeit mehr

Seit sie denken kann, fährt Rose in den Sommerferien mit ihren Eltern in immer das selbe Häuschen am See. Und jeden Sommer trifft sie dort Windy. Bis zum vergangenen Jahr verstanden sich die beiden noch blind.

Von Susanne Baller

Rose und Windy tauchen im See

Rose und Windy genießen wie jeden Sommer den See in dem idyllischen Örtchen Awago Beach

Verträumt schaut Rose aus dem Fenster, sie sitzt auf der Rückbank des Familienautos, hinter ihrem Vater, Mama fährt. Das Ziel der Reise ist das selbe wie in jedem Jahr um diese Zeit: der kleine Ort Awago Beach, ein verträumtes Fleckchen Erde an einem großen Badesee, wo die Familie ein kleines Cottage besitzt. Rose trifft dort jedes Jahr ihre Sommerfreundin Windy, die stets mit ihrer Großmutter anreist. So wird es auch in diesem Jahr sein. Kaum angekommen, lässt Rose ihre Taschen fallen, schwingt sich aufs Rad, genießt den Duft der Natur, atmet tief ein und saugt den Sommer und die Wärme in sich auf.
Doch so einfach und selbstverständlich wie in der Vergangenheit werden diese Ferien nicht.

Mariko und Jillian Tamaki

"Ein Sommer am See" wurde 2014 für den Ignatz Award für herausragende Graphic Novels nominiert, 2015 gewannen Mariko und Jillian Tamaki den Michael L. Printz Award und erhielten die Caldecott-Ehrung der American Library Association für bedeutende Kinderbücher. 2008 haben die beiden Cousinen ihre erste gemeinsame, ebenfalls mehrfach ausgezeichnete Graphic Novel verfasst, "Skim". Mariko Tamaki wird Ende November Stargast der Münchner Bücherschau sein, die dieses Jahr einen Kanada-Schwerpunkt hat und eine "Sommer am See"-Ausstellung zeigen wird.

Die einfühlsame, zarte Coming-of-Age-Geschichte "Ein Sommer am See" der kanadischen Cousinen Mariko (Text) und Jillian Tamaki (Illustration) spielt in einer Idylle, in der plötzlich nichts mehr stimmt. Rose leidet zu Hause unter der eisigen Stimmung zwischen ihren Eltern, für die sie keine Erklärung weiß. Und Windy, ein wenig jünger und das, was man früher als Wildfang bezeichnet hätte und heute einen Tomboy nennen würde, interessiert sich mehr für Hip-Hop, Weingummi und Limonade als für Jungs. Mit ihr klappt die Kommunikation auch nicht mehr so selbstverständlich.

Was machen die anderen?

Während Windy, wie im vergangenen Jahr, Rose als Freundin genügt, mit der sie Gräben durch den Sand bis an den See ziehen, baden und herumtoben möchte, sucht Rose Gründe, immer wieder in den Ort zu gehen; dahin, wo sich die Dorfjugend rumtreibt. Denn dort hat ein Junge ihre Neugier geweckt. Dunc, oder wie Windy sagt "die Niete", arbeitet in einem Kiosk mit DVD-Verleih. Also werden diese Ferien auch die Ferien der Horrorfilme. Was soll man sich sonst ausleihen, wenn man sich älter machen und cool sein will.

Eltern im Wohnzimmer des Sommerhauses

Bei Evan und Alice hängt der Haussegen schief.  Ist das ein Spiel, dessen Regeln sie nicht kennt, oder warum reden die Eltern plötzlich nicht mehr miteinander?, fragt sich Tochter Rose.


Bei ihren Eltern findet Rose kein Ohr, die beiden können derzeit selbst nicht miteinander reden. Genervt flieht der Vater nach kurzer Zeit zurück in die Stadt und Rose fühlt sich zurückgelassen. Denn ihre Mutter reagiert empfindlich, wenn überhaupt. Sie spricht nicht und wenn, dann hat sie schlechte Laune. Sie will nicht mit an den Strand und schon gar nicht baden gehen. Das war früher anders. Rose glaubt, dass sie sich noch ein Baby wünscht - und fragt sich, ob sie ihr nicht genug sei. Doch über ihre Gefühle können Mutter und Tochter sich nicht unterhalten, also bleibt es kühl zwischen ihnen. Erst gegen Ende der Ferien belauscht Rose ein Gespräch, das vieles am Verhalten der Mutter erklärt. Zu spät für diesen Sommer.

Du bist nicht allein

Mariko und Jillian Tamaki erzählen die Geschichte des Langsam-erwachsen-Werdens so, dass sie dem erwachsenen Leser die Möglichkeit geben, selbst noch einmal in diese spannende, gefühlsintensive und manchmal schmerzvolle Zeit abzutauchen. Die bläuliche Farbwelt lässt Raum für die eigene Fantasie und transportiert gleichzeitig Sommerhimmel, See und Harmonie. Jugendliche Leser wiederum können in Rose, aber auch in der quirligen Windy Soulmates finden. Identifikationsfiguren, die unter ähnlichem Kopfwirrwarr leiden wie sie selbst. Welch ein Segen.

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