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Benjamin Blümchen ist ein Wutbürger und Bibi Blocksberg voll spießig

Frauen machen den Haushalt, Männer treffen die Entscheidungen und Politiker haben nur ihre eigenen Interessen im Sinn: Wissenschaftler haben berühmte Kinderhörspiele auf Rollenbilder untersucht – mit erschreckenden Ergebnissen.

Benjamin Blümchen und Bibi Blocksberg fliegen durch die Gegend

Benjamin und Bibi auf dem Besen Kartoffelbrei. Beide Kinderhelden wurden von der Autorin Elfie Donnelly zum Leben erweckt.

Eigentlich ist Bibi Blocksberg zu beneiden. Sie kann hexen und mithilfe ihres Besens namens Kartoffelbrei sogar fliegen, wohin auch immer sie will. Doch was macht die aus zahlreichen Hörspielen und Trickfilmen bekannte Hexe stattdessen? Sie versucht – zugegeben mit mäßigem Erfolg – so zu sein wie alle anderen. Normalität, sich anpassen ist für Bibi das Wichtigste. Das haben Wissenschaftler der Universität Kassel herausgefunden, die sich eingehend mit den Klassikern unter den Kinderhörspielen beschäftigt haben.

Benjamin Blümchen, TKKG, Bibi Blocksberg, aber auch Pippi Langstrumpf wurden von dem Forscherteam unter die Lupe genommen und auf Stereotype untersucht. Und von denen haben sie so einige entdeckt: So zum Beispiel, dass Bibi Blocksberg ganz schön spießig daherkommt. Die Geschichten über die Hexe und ihre Familie sind von starren Geschlechterrollen beprägt, erzählt Oliver Emde, einer der beteiligten Wissenschaftler, im Interview mit "Jetzt.de". "Bei Bibi Blocksberg schwingt dieses typische Gesellschaftsbild der Achtzigerjahre mit. Es wird ein sehr traditionelles Familienbild überliefert." So übernehmen die beiden Hexen, Bibi und ihre Mutter Barbara, meist traditionell weibliche Aufgaben, während die Männer die Entscheidungen treffen – und das, obwohl die Frauen die magischen Kräfte besitzen.

Von schlauen Elefanten und dummen Politikern

Und auch Benjamin Blümchen, der überall gern gesehene "große graue Berg", hat ein Geheimnis: Der sprechende Elefant ist ein wahrer Wutbürger, wie die Wissenschaftler aufgedeckt haben. Die Proteste gegen Stuttgart 21 wären für ihn ideal gewesen: Er engagierte sich in den inzwischen mehr als 130 Folgen schon oft für die Umwelt oder die Allgemeinheit – gerne mit drastischen Maßnahmen. Er setzte sich auf Bäume, damit diese nicht gefällt werden, organisierte Sitzstreiks gegen den Bau von Straßen und plante Demonstrationen. "Da findet man ein lebendiges Bild der Demokratie, in der es darum geht, sich nicht alles gefallen zu lassen und sich einzusetzen", erklärt Emde im Interview mit "Jetzt.de". Benjamin Blümchen setzte sich für seine Interessen ein – und geriet deswegen immer wieder mit der Figur des Bürgermeisters aneinander. Der kommt in den Geschichten nicht besonders gut weg, wird als dumm und egoistisch dargestellt.

Nur Pippi kann begeistern

Selbst die Detektive von TKKG bekommen in der Betrachtung der Wissenschaftler, die ihre Ergebnisse in dem Buch "Von Bibi Blocksberg bis TKKG" veröffentlichten, eins auf den Deckel: So reden die Verbrecher, die die jugendliche Bande jagt, oft mit einem slawischen Akzent oder haben eine Narbe im Gesicht.

Ein für die Wissenschaftler lobenswert hervorzuhebendes Beispiel ist die von Astrid Lindgren geschaffene . Sie ist weit entfernt vom konservativen Zeitgeist ihrer Entstehungszeit und als starke Frauenfigur endlich mal eine Ausnahme unter den Kindergeschichten. Bravo Pippi!

vim

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