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Die totale Überwachung der Kinder ist keine Science-Fiction mehr

Wozu brauchen wir all die kontrollierende Technik zu Hause und insbesondere im Kinderzimmer? Wir Eltern sind doch nicht die Stasi! Mark Bourichter wünscht sich die sorglosen alten Zeiten zurück, ein bisschen jedenfalls.

Ich bin besorgt. Und ich frage mich immer wieder: "Wer braucht so einen Scheiß?" Anscheinend gibt es ja einen Markt für die Technik der totalen Überwachung per Smartphone, Videokamera, GPS-Ortung und Co. Schlimmer ist dann die nächste Frage: "Wer kauft den Mist?" Helikopter-Eltern hin oder her. Die (technische) Entwicklung macht einem normal denkenden Vater Sorgen.

Zumal dieser gerade das Buch "Der Circle" liest. Der Circle ist ein fiktives Unternehmen, dass die Geschäftsfelder der aktuell dominierenden Online-Unternehmen Google, Facebook & Co. mit dem Ziel vereint, die totale Transparenz zu schaffen. Was hat das mit uns Vätern zu tun? Wir fangen im Kinderzimmer damit an, wenn wir über das Babyphone dem Kind beim Schlafen zuschauen. Wo führt das hin? Werden wir morgen unsere Kinder per Drohne auf dem Schulweg begleiten? Vernetzen wir nicht nur die eigenen vier Wände und bedienen per Smartphone eine Überwachungszentrale mit Blick auf Kinderzimmer, Klassenraum, Sportplatz und Garten? Hersteller wie smartfrog bieten schon jetzt die "Komplettlösung zur Überwachung für Zuhause" und preisen das auch noch mit "Es macht Dein Leben einfacher!" an, indem ich über diese Technik auch noch mit dem Kind kommunizieren kann. Ein "Ist alles in Ordnung, Kleiner. Schlaf schön weiter!" aus dem Lautsprecher? Mir wird echt schlecht bei dem Gedanken.

Überall werden Daten gesammelt und ausgewertet. Und das eben auch von Personen, die sich illegal Zugang verschaffen, wie das Beispiel von vtech zeigt. Der Server des Spielzeugherstellers Vtech wurde gehackt und ca. fünf Millionen Kundendaten geklaut. Darunter sind auch die Daten von 200.000 Kindern, die die Lernspielcomputer des Unternehmens nutzen. Ob illegal oder nicht. Gerade bei Produkten für Kinder sollten die Hersteller größte Sorgfalt an den Tag legen, etwaige Daten zu sichern. Oder sich die Frage stellen, ob gewisse Daten überhaupt gespeichert werden sollten.

Die gute alte Zeit

"Ja, laber ruhig, du Traditionalist", denken sicherlich einige, wenn die gute alte Zeit wieder heraufbeschworen wird. Aber was ist daran so schlimm? Kinder nach den Hausarbeiten aus dem Haus zu lassen, ohne zu wissen, was sie tatsächlich machen? Ich wusste mit zehn Jahren durch einen Blick auf den Kirchturm, wann es Abendessen gab. Und in der Zeit zwischen Verlassen des Grundstückes bis zum Glockenschlag um 18 Uhr bin ich in alten Bauernhöfen herumgeklettert, habe Feuer im Wald gemacht oder die Nachbarn mit Schneebällen beworfen. Sicherlich ist heute viel mehr Verkehr auf den Straßen und dadurch ist es auch ein Stück weit gefährlicher. Trotzdem glaube ich, dass die Kinder es überleben werden, wenn Sie mal alleine unterwegs sind. Wenn Sie nicht dauernd wie rohe Eier behandelt werden, wenn Eltern nicht immer Taxi von A nach B spielen müssen und sich auch nicht der totalen (Ver-)Planung der Zeit ihrer Kinder widmen. Die gewonnene Zeit lässt sich prima nutzen. Zum Beispiel, den Nachwuchs auf mögliche Gefahren hinweisen und ihnen Selbstständigkeit beibringen. Ihnen zu zeigen, dass man ihnen vertraut. Und natürlich auch was es bedeutet, wenn dieses Vertrauen missbraucht wird. Daraus lernen Kinder fürs Leben. Sicherlich mehr als durch das enge Korsett elterlicher Stasi-Allüren, die durch eben solche Hersteller noch geschürt werden, die eine passende Hardware versandkostenfrei bequem nach Hause liefern.

Vielen Dank an Sven Lehmkuhl für die Illustration. Copyright: DADDYlicious.de

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