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Die Väter-Luschen der Sons of Anarchy

Die Vaterfiguren aus der Netflix-Serie "Sons of Anarchy" regen Mark Bourichter mächtig auf. Dass das Drehbuch den harten Rockern ein so eindimensionales Verhalten vorschreibt, findet er antiquiert. Die Männer sollten auch mal Windeln wechseln!

An die Serie der "Sons of Anarchy" habe ich mich erst sehr spät gemacht und bin auch noch nicht ganz durch. Die SAM CRO sind Herrscher der Stadt Charming und in der Serie bekommen die Zuschauer nicht nur einen Einblick in die Machenschaften der Motorrad-Gang, sondern eben auch einen Einblick in das Sozialgefüge der einzelnen Mitglieder. Und das, was der Macher Kurt Sutter da so in Sachen Vaterschaft abfeiert, lässt einen "Normalo", wie ich es bin, einfach nur schaudern. Entweder sind die derben Jungs einfach nur zu blöd, eine Windel zu wechseln, oder haben in Sachen Verantwortung den Wissenshorizont eines Dreijährigen. Kann man also nur den harten Kerl markieren, wenn man keine Verantwortung für seinen Nachwuchs übernimmt? Sind die oft so modern gepriesenen U.S. of A. wirklich so prüde und dem klassischen Rollenbild der 70er Jahre verhaftet? Wenn ja, dann ist das ganz schön armselig.

Nehmen wir den Herrscher aller Reusen, Clay Morrow, gespielt von einem meiner Lieblingsschauspieler, Ron Perlman, der als Stiefvater von Jax Teller nur eines im Sinn hat: den Club. Er geht über Leichen, damit der Club nicht vor die Hunde geht. Vielleicht ist es ihm nachzusehen, dass er selbst nie eigenen Nachwuchs gezeugt hat und somit in Sachen Vater oder Opa mit einer glatten Sechs durchfällt. In bin erst in der vierten Staffel, erwarte mir aber keine große Veränderung des Charakters.

Jax Teller, eigentlich eine coole Pfanne, hat bis dato zwei Kinder in die Welt gesetzt. Abel ist der Sohn eines drogenabhängigen Motorradclub-Groupies, von denen Jax gerne mal die eine oder andere von Staffel zu Staffel wegflankt. Der zweite Sohn, Thomas, wurde von seiner "Old-Lady" geboren, als er selbst im Knast saß. Bei Abel hatte ich immer das Gefühl, dass er dem Kleinen bei dem Versuch, ihn auf den Arm zu nehmen, entweder den Arm auskugelt oder ihn gleich fallen lässt. Bezeichnend ist die Szene, in der er nicht in der Lage ist, ihm die vollgeschissene Windel zu wechseln. Was wäre den so schlimm daran, wenn er es gemacht hätte, lieber Herr Sutter? Ich bezweifle, dass sein Coolness-Faktor direkt um einige Punkte gesunken wäre. Es wäre doch einfach normal gewesen. Aber was ist schon normal? Schließlich ist ja auch der acht Quadratmeter große Spielplatz auf dem Werkstattgelände schön mit Maschendraht eingezäunt. Ja, sie haben eine Art Spielplatz im Headquarter. Ich fordere sofort einen Golden Globe! Nach der Entführung von Abel beobachtet die Kopie von Kurt Cobain, wie eine Adoptivfamilie sich rührend um den Kleinen kümmert und beschließt, ihn in dieser Familie zu lassen. Weil doch alles so schön bilderbuchmäßig ist. Hallo? Ändere was an deinem Leben, Kollege, aber lass doch dein eigenes Kind nicht im Stich!

Kommen wir zu seinem besten Buddy, Opie, ein Typ, mit dem man sicherlich das ein oder andere Bierchen schlürfen möchte. Bereits zu Anfang macht er einen auf Familie. Es versucht es zumindest. Doch nach dem Tod seiner Frau parkt er seine Kids bei der Großmutter und kümmert sich so gut wie gar nicht um seinen Nachwuchs. Er bringt seine ganze Energie in den Club. Nach der Vermählung mit einer Porno-Darstellerin kommt noch mal kurz Hoffnung auf, dass er die Kurve kriegt, aber auch hier schreibt das Drehbuch wieder seine eigene Geschichte.

Alexander „Tig“ Trager, der wohl Durchgeknallteste der SAM CROW, hat zwei Töchter, die ihm offenen Auges das Geld aus der Tasche leiern. Er nimmt es in Kauf. Unfähig auch hier eine gewisse verantwortungsvolle Vaterrolle einzunehmen. In diesem Falle ist fast okay, welche Rolle er spielen soll, denn von ihm kann man am wenigsten eine gewisse soziale Kompetenz erwarten.

Filip „Chibs“ Telford ist Schotte und in Irland aufgewachsen. Vielleicht liegt es daran, dass er in dieser Serie der einzige ist, der versucht, seine Familie zurückzugewinnen. Bei ihm hat man schon fast Mitleid, dass er den Weg eingeschlagen hat, Mitglied dieses Clubs zu sein.

Einige Ansätze, ein guter Vater zu sein, sieht man auch bei Marcus Alvarez, dem Oberhäuptling der MAYANS. Vielleicht weil er Latino ist und den Mittelamerikanern ein wenig mehr "Familia" zugesprochen wird. Aber auch hier kommt der Charakter nicht über die Grundansätze hinaus.

Wo liegt also das Problem? Könnte alles ganz einfach sein, wenn der Erfinder der Serie nicht bewusst auch auf die sozialen Verflechtungen der Typen eingehen wollen würde. Wenn die Kerle in ihrer Freizeit zwischen Kurierfahrten und Racheakten ganz gepflegt ihren Hartalk zwischen leichtbekleideten Rockerbräuten im Clubhaus zu sich nähmen. Und genau hier ist das Drehbuch doch mehr als antiquiert. Die Aufzucht der Kinder inklusive aller "Herausforderungen" ist die Sache der Frauen und Mütter. Von einer emotionalen Verbindung zwischen Vater und Sohn ist kaum etwas zu spüren. Gefühle werden nicht zugelassen und das Thema Geborgenheit spielt keine Rolle. Wenn ich nicht selbst einige nicht kriminelle Typen dieser Machart kennen würde, die vollgeschissene Windeln zu wechseln als ganz normal ansehen und für die der Wert "Familie" eine große Rolle spielt, dann wäre das Leben als "Rocker" doch sehr armselig. Die "Sons of Anarchy" verdienen nicht den Titel "Motördad", so hart sie auch sind. In diesem Sinne: KINDER AN DIE MACHT!

Bildquelle: FX - www.melty.fr, Gemeinfrei

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