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Wir wollen keine Mütter sein!

Dauernd werden die Qualitäten von Müttern und Vätern miteinander verglichen, die Muddis sind immer gestresst, die Vaddis dauerrelaxt. Was für ein Quatsch!, sagt Mark Bourichter. In Wirklichkeit geht es doch im das Zusammenspiel.

"Sind Väter die besseren Mütter?" fragt DER SPIEGEL auf dem Titel der aktuellen Ausgabe und befasst sich mit dem "neuen" Rollenbild des Vaters. Dem stellt der Autor die Rolle der Mütter gegenüber und spielt beide unter Zuhilfenahme verschiedener Experten gegeneinander aus. Kaum ist die Druckertinte getrocknet, laufen die Blogger-Mamas und Experten-Mütter Sturm. "Skandal! Wenn ihr wüsstet..." Warum wird eigentlich immer wieder der gleiche Fehler begangen, indem Äpfel mit Birnen verglichen werden? Und warum ist dieses Thema immer so brisant? Wir reden doch hier nicht über Impfungen oder Fußball.

Wir Väter haben es aber auch nicht leicht: "Männer zeigen in der Erziehung eigene Qualitäten, die für die Kinder wichtig sind. Noch müssen die neuen Väter ihre Rolle aber erst finden. Überraschend oft sind es die Mütter, die sie daran hindern", schreibt der Spiegel. Während die gestressten Mütter im Hamsterrad zwischen Erziehung, Teilzeitjob und Arztbesuchen rotieren, ihre Kinder jeden Morgen prophylaktisch auf die kommende Eiszeit vorbereiten und zwischen Wohnung, Kita und Krabbelgruppe die Mundorgel einmal durchsingen, treffen sich die Väter (in diesem Artikel) mit ihren Kindern ganz relaxt mit anderen Vätern, schnacken ne Runde und greifen ab und zu mal ein, wenn sich die Kids um die Bauklötze streiten. Weil wir ja "die Coolen" sind. Und wir uns sonst ja um nix kümmern. Hauptsache der nachmittag mit den Kindern ist entspannt. Mann, geht mir diese pauschale "Schwarz/Weiß"-Denke auf den Senkel.

Mann und Frau - also zwangsweise Mutter und Vater - sind zwei verschiedene Spezies. Und sie füllen naturgegeben von Beginn an zwei unterschiedliche Rollen aus. Sie haben eine unterschiedliche Bindung zum Kind, nicht nur, weil die eine Spezies das Kind neun Monate im Mutterleib austrägt. Männer und Frauen haben unterschiedliche Wertesysteme und unterschiedliche Interessen. Warum müssen eigentlich immer alle Äpfel mit Birnen vergleichen? Der eine fängt an und die vermeintlichen Kritiker machen es ihnen dann auch noch genauso sinnbefreit nach. So wie beispielsweise Frau Lang in der NIDO. Auch hier lese ich pauschalisiertes Silo-Denken par excellence. Immer drauf auf die anderen, die in diesem Falle noch nicht mal wissen, wann der nächste Impftermin ist.

Können wir nicht einfach mal die Mütter Mütter sein lassen und die Väter Väter? Und können wir nicht einfach mal aufhören, beide Rollen immer wieder pauschal über einen Kamm zu scheren? Muss nicht jede Familie die ihr zufallenden Rollen individuell für sich entscheiden? Ich kenne auf beiden Seiten eben beide Seiten. Männer, die ihren beruflichen Karriereweg gehen wollen, wohl wissend, dass die Ehefrau eben die Aufgaben übernimmt, zu der er aufgrund von Abwesenheit nicht in der Lage ist. Männer, die überwiegend den Part der Kinderbetreuung (wenn ich das mal so nennen darf) übernehmen, weil eben die Frau sich entschieden hat, beruflich da anzuknüpfen, wo sie vor der Geburt aufgehört hat. Muss nicht jede Familie selbst entscheiden, wer welchen Weg geht? Eben weil es sich für den Mann oder die Frau so richtig anfühlt oder vielleicht sogar die Familie dadurch finanziell besser dasteht? Geht es hier nicht auch ein Stück weit um Selbstverwirklichung und die eigene Vorstellung vom Leben? Ja genau, obwohl man jetzt Vater oder Mutter ist, darf man durchaus auch noch Wünsche und Vorstellung über sein eigenes Leben haben. Mal so richtig egoistisch sein! Jawohl!

Und ja, ich habe den nächsten Impftermin nicht im Kopf. Dafür gibt es Kalender. Und ja, ich habe fünf Nächte im Krankenhaus bei meinem Sohn geschlafen, weil die Mama sich tagsüber gekümmert hat, während ich armer Tropf zur Arbeit fahren musste. Und ja, ich bekomme auch keine Schnappatmung, wenn mein Sohn alleine auf die Sofalehne klettert (meine Frau übrigens auch nicht). Und wenn er fällt, dann fällt er. Wie bei Hoppe, Hoppe Reiter. Danach hat er eine Beule am Kopf und im Gehirn hoffentlich abgespeichert, dass höhere Kletterexkurse auch stärkere Blessuren nach sich ziehen können. Und ich rede auch mit meinem Sohn, wenn er etwas nicht versteht oder er sich ärgert. Ich klemme ihm nicht gleich das iPad unter die Nase, wenn er "Sendung mit der Maus" gucken möchte. Und ich halte auch die Konsequenzen aus. Ich kaufe mit ihm auf dem Markt gerne eine Tüte Süßigkeiten, wohl wissend, dass Karies und Baktus schon hinter Ecke lauern. Und manchmal dann eben auch nicht. Ich mache Elterndienst in der Kita. Hole ihn dort ab. Und so weiter. Und ich mache vieles anders als meine Frau, eben weil ich ein anderer Mensch bin, andere Erfahrungen gesammelt habe und ich eben die Birne bin. Und nicht der Apfel.

Und dann diese neuen Väter-Medien, die auch noch von Vätern geschrieben werden. Eine Revolution der deutschen Medien-Landschaft! Männer reden über etwas? Männer können lesen? Bisher gab es doch nur Magazine mit Autos, Titten und Sixpacks für die Kultur-Neanderthaler. Gab es einen Aufschrei diesen Ausmaßes auch, als alle Männer mit straffen Bauch ihr eigenes Magazin bekommen haben? Ich kann mich nicht erinnern. Kaum gibt es ein paar gute Blogs und Online-Magazine für Väter, posaunt die Welt die "Emanzipation der Väter" als heilsbringende Botschaft über den Äther. Beruhigt Euch doch bitte alle mal.

Väter sind keine besseren Mütter. Väter sind Väter. Sie bieten Kindern eine Orientierung und einen Gegenpart zur Mutter. Dadurch können Kinder weitere Grenzen ausloten und erkennen, das es in Bezug auf eine Sache auch zwei oder mehr Meinungen geben kann. Kinder können sich dadurch besser orientieren. Und sie können ihren Horizont erweitern. Das gilt sowohl im Bereich der Erziehung als auch in den kleinen Dingen des Lebens. Beispielsweise waren wir mit fünf Vätern, neun Kindern und null Müttern vor kurzem im Freizeitpark. Unisono kamen wir zu der Erkenntnis, dass wir ganz eventuell im Beisein der Mütter eben nicht ohne Diskussion in das eine oder andere Fahrgeschäft hätten gehen können. Und ich habe auch an der ein oder anderen Stelle ein "Halt Dich gut fest!" gehört. Aber eben auch ein "Ich dachte, ich sterbe..." von den Kids. Jetzt denken wieder viele, dass wir mehr als eine Wochenend-Bespaßung nicht drauf haben. Haben wir aber. Und wir hatten einen unvergesslichen Spaß. Punkt.

Was für ein Ritt!

Väter haben eine ebenso große Verantwortung für die Kinder wir die Mütter. Wer sich dieser Verantwortung entzieht, dem gehört mal ordentlich der Marsch geblasen. Aber sind das wirklich alle? Und wenn ja, wieviele? Manche Väter können gut singen, manche können gut basteln, manche können gut kochen. Und manche können es nicht. Es geht hier nicht um besser oder schlechter. Es geht darum, dass Mütter und Väter sich ergänzen. Und es geht darum, dass beide Elternteile in Bezug auf das Kind ihre Rolle finden und einnehmen. Und das ist bestimmt nicht die Rolle des anderen.

Mit einer anderen Überschrift und ein bisschen weniger schwarz und weiß wäre das Thema sicherlich viel interessanter. Aber uns fragt ja keiner...

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