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Elfjähriger mit Hirntumor diktiert einen letzten Brief

Ende November war für den kleinen Finlay Church der Kampf gegen den Krebs zu Ende, anderthalb Jahre hatte er gedauert. Nun veröffentlichte die Familie seinen Abschiedsbrief – um auf die schreckliche Krankheit aufmerksam zu machen.

Finlay Church und seine Eltern

Finlay Church und seine Eltern

Es war ein langer, schmerzhafter Kampf, den Finlay Church ausfechten musste. Gerade zehn Jahre alt geworden, diagnostizierten die Ärzte bei ihm einen Hirntumor. Chemotherapien und monatelange Krankenhausaufenthalte folgten, doch ohne Erfolg: Der Junge aus der britischen Stadt Alvechurch, unweit von Birmingham, erlag seiner schweren Krankheit mit knapp elfeinhalb Jahren.

Seine Eltern haben kurz nach der Diagnose eine Facebook-Seite erstellt, "Finlay's Journey", auf der sie nicht nur Finlays Gesundheitszustand dokumentierten, sondern auch diverse Benefiz- und Solidaritätsveranstaltungen ins Leben riefen. Auch nach dem Tod ihres Erstgeborenen engagieren sie sich weiter, um dieser tückischen Krankheit mehr Aufmerksamkeit und somit Forschungsgelder zu verschaffen. Ihr jüngster Beitrag bestand darin, den letzten Brief ihres Sohnes zu veröffentlichen, da in Großbritannien im März Brain Tumour Awareness Month ist. 

Finlay hat seinen Abschiedsbrief Claire Whitehead, einer Freundin der Familie, diktiert. Seine Mutter Penny erzählt dazu: "Als Fin die letzten Schritte auf dieser schrecklichen Reise ging, gab es noch so viel Ungesagtes. Er konnte nicht über das Sterben sprechen, aber fand Worte, als er seiner Tante Claire einen Brief diktierte. So hat er uns auf seine Art gesagt, wie sehr er uns liebt. Er konnte sagen, dass er Angst vor dem Krebs hat und wie sehr die Krankheit sein Leben verändert hat – im Guten wie im Schlechten."

Seit Finlays Diagnose sind nach diversen Aktionen in seinem Namen mehr als 100.000 britische Pfund (ca. 130.000 Euro) an Spenden für die Hirntumorforschung des Kinderkrankenhauses in Birmingham zusammengekommen. Dafür hat der Junge die Auszeichnungen "Kind der Tapferkeit" und "Stolz der Stadt Birmingham" bekommen. 

Finlays Abschiedsbrief

Warum ich das mache? Um den Menschen zu sagen, wie ich mich fühle.
Mein Name ist Finlay Church. Ich mag meinen Namen. Ich mag Schokolade und Essen. Essen habe ich schon immer geliebt.

Ich fluche oft, für mich, im Kopf. Manchmal sage ich das "S"-Wort im Kopf, wenn ich Schmerzen habe.

Der Schmerz fühlt sich wie Schmerz an, ich kann es nicht anders erklären, und ich bin es leid. Weil es langweilig ist, und es satt habe, ihn jeden Tag zu fühlen.

Ich bin müde und habe Muskelschmerzen, und ich habe die Nase voll davon, fett zu sein.

Ich sitze im Bett und werde von Tante Claire ausgefragt. Wie immer, hat Tante Claire ein Glas Sprudel neben sich. Wir schauen Fotos meiner Familie und Freunde an. Ich liebe all die Bilder, die verwackelt sind.

An dieser Stelle des Briefes würde ich "chop chop" zu meiner Mutter sagen, damit sie mir Tee bringt. 

An meine Mama – ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ich bin einfach nur genervt. Ich bin es leid, das auszuhalten.

Ich liebe meine verrückte Mama, du bist geschickt, großartig, unglaublich ... Du hilfst mir hier durch, wäschst mich, fütterst mich und liebst mich. Ich kann dir gar nicht sagen, wie sehr ich dich liebe und wie dankbar ich für deine Hilfe bin. Du bist die beste Mutter der Welt.

Ich habe ein wenig Angst, nur vor dem Krebs.

Mein Papa! Du bist besonnener als Mama und vernünftiger. Ich liebe alles an dir, weil du so fürsorglich und unterstützend bist und dich nicht so oft betrinkst wie Mama.

Macca, du bist ein echt netter Bruder. Du kommst, wann du willst. Ich weiß, wie schwer es dir manchmal fällt, mich so krank zu sehen, aber ich weiß, du wünschst mir das Beste. Ich liebe dich, obwohl die Leute dachten, wir wären Zwillinge und ich in Wirklichkeit fast zwei Jahre älter bin – aber das ist Mamas Schuld, weil sie uns dieselben Sachen angezogen hat.

Tegan, du kannst einem echt auf die Nerven gehen, aber ich werde dich immer lieben und dir verzeihen, weil du so unglaublich süß bist.

Rico, mein Hund, du großes beklopptes Wollknäuel. Du hast meine Familie zu einer besseren gemacht und eine Lücke geschlossen. Ich wünschte nur, du hättest ein Hirn und einen Maulkorb.

An den Krebs, "f... d...", Krebs. Du hast mein Leben verändert. Gut und schlecht.

Sollen wir mit dem Guten anfangen? Wir bekamen einen Hund, es hat meine Familie zusammengeschweißt, wir haben Tausende Pfund für die Hirntumorforschung und das Kinderkrankenhaus gesammelt. Ich habe Erfahrungen gemacht, die ich nie erwartet hätte, danke an meine Gemeinde, Freunde und Familie. Ich bin einfach nur glücklich, dass die Menschen alle geholfen haben.

Jetzt zu der Kackseite des Krebses. Die Drecksseite sind die Medikamente und das man sich so scheiße fühlt. Ich habe ein bisschen Angst, dass ich den Kampf verlieren werde. Ich hoffe nicht. Ich muss einfach weiterkämpfen.

Wenn ich erwachsen bin, möchte ich der bestbewaffnete Polizist werden, den Birmingham je hatte.

Ich möchte allen um mich herum Danke sagen – für all die Unterstützung und Großzügigkeit. 

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