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Selbst im Bus mit Helm – absurd!

Was ist eigentlich mit den Eltern von heute los? Haben die vor allem Angst? Kinder sieht man fast nur noch mega gesichert, egal, was sie gerade tun. Wie sollen sie da Erfahrungen sammeln? Traut ihnen was zu!

Ein offener Brief von Lilly Lou und Uli Hauser

Ein blondes Mädchen mit pinkfarbenem Fahrradhelm

Egal, wo es hingeht, der Fahrradhelm darf heute nicht mehr fehlen. Bald werden Kinder ihn auch im Bett tragen, vermutet Lilly. (Aus Sicherheitsgründen nicht im Bild.)

Liebe Erziehungsberechtigte, Mamas, Papas, Bedenkenträger,
wir sind Lilly und Uli, die eine 14, der andere 52 Jahre alt. Macht zusammen 66, damit wären wir fast reif für die Rente. Und so alt kommt uns dieses Land auch immer öfter vor, dieser Hochsicherheitsstaat, in dem so viele Menschen Angst haben. Vor allem, wenn es darum geht, was Kinder dürfen sollen und was nicht.

Die eine geht noch in die Schule, der andere in den stern, die eine will noch groß werden, der andere macht sich manchmal klein. Wir treffen uns manchmal und reden dann über Dinge, die uns so auffallen. Vor allem, wie sich Erwachsene gegenüber Kindern benehmen. Was sie meinen, ihnen sagen zu müssen. Und denken, wie Kinder sein sollen.

Im Bus mit Helm

Letztens also meinte Lilly, sie habe da was Interessantes beobachtet. Im Bus. Kinder mit Helm, auf dem Weg zur Arbeit, beziehungsweise zur Schule. Also mit einem Schutzhelm. Als sie das erzählte, meinten die anderen Erwachsenen am Tisch, das war auf einer Familienfeier, ja, die Kinder seien bestimmt mit dem Fahrrad unterwegs und würden den Helm für die kurze Zeit nicht absetzen, weil sie das Rad nur eine kurze Strecke mitnähmen. Noch eine Meinung war: die Kinder hätten einfach keine Lust, den Helm abzusetzen, weil sie bestimmt mit dem Rad zur Bushaltestelle gefahren seien.

Wie auch immer: Irgendwie kam uns beiden der Gedanke, dass diese Sache mit dem Helm so interessant ist, dass wir beschlossen, dies jetzt mal aufschreiben.

Kaninchen füttern? Nur mit Handschuhen!

Denn eigentlich ist es doch egal, warum die Kinder in genau dieser Situation nun mit 'nem Helm im Bus unterwegs waren: Wir sind auch nicht so bescheuert, zu denken, dass die Kinder jetzt Angst haben vor einer Beule, wenn der Bus mal bremst oder so. Es ist eher so ein Bild dafür, wie sich die Angst so ausbreitet, und sich jeder überall vor allem schützen will.  Wir haben sogar schon mal gesehen, wie eine Mutter ihrem Sohn erklärte, da war er schon sechs, dass Kaninchen nur mit Handschuhen zu füttern seien, aus Angst vorm Beißen oder einer Krankheit. So ein Kaninchen aus dem Streichelzoo. Noch ein Beispiel: Letztens sollte eine Freundin, die war sieben, eine Flasche aufmachen, mit einem Flaschenöffner, und da sagte sie, sie habe das noch nie gemacht, und eine Nachbarin von uns, die ist acht, auch noch nicht.

Kennt ihr diesen lustigen Satz: Kind, zieh dir was Warmes an, Mama ist kalt?  Dieses ganze Theater, von sich auf andere zu schließen. Also: Mama würde sich 'ne Mütze aufsetzen, weil ihr kalt ist. Und dann soll das Kind dies auch gefälligst tun. Woher weiß Mama, wie es mir geht, weiß ich doch viel besser.

Immer angeschnallt

So wird das vielleicht auch mit den Kindern im Bus gewesen sein, wir wissen es nicht, aber es könnte so sein.  Wir lernen: Helm nie abnehmen! Und so fahren dann in Deutschland Kinder in einem Bus mit einem Helm durch die Gegend. Es kann dann wohl nur darauf hinauslaufen, dass Kinder bald auch mit einem Helm im Bett liegen, um sich nicht den Kopf zu stoßen, an der Bettkante. In einem Land, das jetzt nicht Indien ist, wo Kinder ohne Helm in Bergwerken arbeiten. Vielleicht ist das jetzt kein guter Vergleich, aber wir wollen es mal gesagt haben.

Ist euch schon mal aufgefallen, dass Kinder heute auch überall angeschnallt werden? Im Maxicosi, in Sitzschalen, im Kinderwagen?  Dann gibt es auch noch diese Apps im Handy mit Überwachungsfunktion, permanent rufen die Großen die Kleinen an und wollen wissen, wo sie sind und was sie machen. Das ist der totale Überwachungsstaat:  

Leute! Eltern! Werdet nicht wie die NSA! Wenn ihr über die meckert, dann fasst euch an die eigene Nase. Oder setzt einen Helm auf!!


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Kommentare (3)

  • Default Author
    Stern-Moderation

    Sich um Kinder zu sorgen, ist berechtigt und erwünscht. Übertriebene Sorge hemmt und engt ein. Wieviel Fürsorge ist angemessen?

  • stern-Moderation
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  • M.H.
    M.H.
    Ich denke das mit dem Helm hat nichts mit dem Bus fahren zu tun, wenn doch macht das wirklich nachdenklich...
  • Nikolai
    Nikolai
    Naja, in Bus und Bahn wird so ein Helm vor den beliebten Kopftritten schützen. Das wäre der einzige logische Hintergrund den ich da erkennen kann. Sollte es so sein, dann wäre auch die Anbringung eines Spuckschutzes empfehlenswert...

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