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Kinder – erst übernehmen sie dein Leben, dann verlassen sie dich

Sie kommen in unser Leben und krempeln es komplett um. Sie bleiben ein paar Jahre und bestimmen unseren Alltag. Und dann – ziehen sie aus. Sind plötzlich weg und lassen ein leeres Zimmer zurück. Ihr Nest.

  Andrea und Brad, 16 Tage vor dem Geburtstermin. Die Fotografin Dona Schwartz fragte sie danach, wann sie gewusst hätten, dass es jetzt an der Zeit sei, ein Baby zu bekommen. Andrea anwortete: "Wir haben dieses Baby nicht geplant. Ich bin kürzlich aus dem Irak zurückgekehrt und ein Baby passte nicht in meine Vorstellung davon, wieder 'zu Hause anzukommen'. Ich wollte immer eine Familie – und ich vermute, Gott dachte, es wäre an der Zeit." Brad beantwortete die Frage so: "Als wir erfahren haben, dass wir schwanger sind."

Andrea und Brad, 16 Tage vor dem Geburtstermin. Die Fotografin Dona Schwartz fragte sie danach, wann sie gewusst hätten, dass es jetzt an der Zeit sei, ein Baby zu bekommen. Andrea anwortete: "Wir haben dieses Baby nicht geplant. Ich bin kürzlich aus dem Irak zurückgekehrt und ein Baby passte nicht in meine Vorstellung davon, wieder 'zu Hause anzukommen'. Ich wollte immer eine Familie – und ich vermute, Gott dachte, es wäre an der Zeit." Brad beantwortete die Frage so: "Als wir erfahren haben, dass wir schwanger sind."

Oft kommen sie ungeplant, meistens aber nicht unerwünscht, manchmal lange erhofft und heiß ersehnt, aber immer, immer, immer verändern sie das Leben der Menschen, deren Familienstand sie erweitern: Kinder. Vor der Geburt des ersten können sich die meisten Eltern nicht wirklich vorstellen, wie sehr und wie nachhaltig sich ihr Leben verändern wird, sobald ihr Baby auf die Welt kommt. Rituale müssen aufgegeben, schlechte Angewohnheiten abgelegt und regelmäßige Mahlzeiten "aufgetischt" werden. Nichts bleibt so, wie es vor der Geburt war. Das Kind bestimmt, wo's lang geht.

Manchen Eltern fällt diese Veränderung nicht schwer, andere leiden etwas mehr. Während Schlafmangel und das Gefühl fremdbestimmt zu sein die erste Zeit prägen, können später Trotzphasen oder irgendwann die Pubertät dafür sorgen, dass Eltern gelegentlich denken: "Nur noch ein paar Jahre ...". An schöneren Tagen allerdings schießt ein wehmütiges "wie schnell die Zeit vergeht" durch Elterngehirne.

Irgendwann kommt dann der Tag ...

... und dann ist es tatsächlich so weit: Die Kinder ziehen aus. Eins nach dem anderen. Aus den Augen aus dem Sinn beginnen sie ein neues, eigenständiges Leben. Für sie verändert sich alles, sie entdecken täglich Neues, sind aufgeregt und abgelenkt. Und wenn alles gut läuft, rufen sie sonntags mal an. Die Eltern hingegen haben plötzlich freie Zimmer in einer zu großen Wohnung. Sie bleiben zurück, wurden verlassen, verspüren eine ungewohnte Leere.

Die Vorher-Nachher-Fotografien von Dona Schwartz beschäftigen sich in "On the Nest" genau mit diesen beiden Extremen: dem Nestbau vor dem ersten Kind und dem verlassenen Raum, nachdem es flügge geworden ist. Der Vorfreude, den Erwartungen, den Vorbereitungen und dem bei Auszug zurückgelassenen Zimmer, das entweder als Abstellkammer umfunktioniert oder für Besuche der Brut konserviert worden ist. Die Empty Nester, wie die Marketingbranche die verlassene Elterngeneration genannt hat, fallen in tiefe Trauer, bis sie die zurückgewonnene Freiheit und Freizeit wieder nutzen können.

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