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Lehrer nennen Ausstattung der Schulen "mittelalterlich"

Zu wenig Computer, veraltete Geräte und keine Unterstützung von Seiten der Behörden: Die Lehrer sehen die Schuld nicht bei sich, wenn es um die schlechte Computer-Bildung der Schüler geht.

Von Viktoria Meinholz

Ein Bild aus der Vergangenheit? Nicht unbedingt.

Ein Bild aus der Vergangenheit? Nicht unbedingt.

In einem Aspekt der ICILS-Studie, die zum ersten Mal den Umgang mit Computern und dem Internet von Schülern auf der ganzen Welt untersuchte, steht Deutschland auf dem letzten Platz: bei der Verwendung von PCs im Unterricht. In keinem anderen der 21 teilnehmenden Länder, nutzen Lehrer so selten Computer wie in Deutschland. Udo Beckmann, Vorsitzender der Lehrer-Gewerkschaft VBE, wundert sich darüber nicht: "Die IT-Ausstattung der Schulen ist mittelalterlich", kritisierte er bereits in der vergangenen Woche. "Wer digitales Lernen in den Schulen ernsthaft installieren will, muss eine zeitgemäße Ausstattung aller Schulen sichern - von der Grundschule bis zu den berufsbildenden Schulen."

Die Gewerkschaft befragte Lehrer in ganz Deutschland zur IT-Ausstattung ihres Arbeitsplatzes. Das Ergebnis: PCs stehen meist nur als Einzelexemplare im Lehrerzimmer oder bei der Schulleitung. 22 Prozent der Lehrer haben keinen Zugang zu einem Dienst-PC. Die große Mehrheit der rund 750 befragten Pädagogen gab an, sich die nötigen IT-Kenntnisse privat angeeignet zu haben. Nur ein Prozent der Lehrer sagte, die eigene Schule verfüge für jede Klasse über einen Satz an Tablet-Computern oder Smartphones. Dagegen berichten 87 Prozent, dass es solche Geräte für ihre Schüler überhaupt nicht gebe.

"Lehrer sind keine digitalen Muffel"

Da ist es nicht verwunderlich, wenn 30 Prozent der deutschen Schüler nur rudimentär mit dem Internet umgehen kann, wie die ICILS-Studie ergab. Gerade Schüler aus einkommensschwachen Familien bleiben in diesem Punkt hinter ihren Altersgenossen zurück. Wie sollen sie lernen, mit Informationen aus dem Internet zu arbeiten, wenn in ihrer Schule die technischen Möglichkeiten fehlen?

Laut Beckmann sind nicht die Pädagogen das Problem: "Lehrer sind keine digitalen Muffel." Sie würden sich ihre Kenntnisse meist privat aneignen, da Fortbildungen nur sehr selten angeboten würden. Außerdem fehle an einem Großteil der Schulen ein professioneller IT-Service: "71 Prozent geben an, dass sich einzelne Fachlehrer um die Wartung kümmern." Etwas an der Situation ändern könnten nur die Schulträger. Jetzt ist die Politik in der Pflicht.

mit DPA

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