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So armutsgefährdet sind deutsche Jugendliche

Besonders am Übergang von Schule zur Ausbildung und von Ausbildung in die Berufstätigkeit sind junge Menschen besonders gefährdet. Die Studie "Monitor Jugendarmut 2016" zeigt Probleme auf und deutet Lösungsvorschläge an.

  Jugendliche sind die am stärksten armutsgefährdete Gruppe Deutschlands.

Jugendliche sind die am stärksten armutsgefährdete Gruppe Deutschlands.

Zwei Erkenntnisse stehen im Zentrum der Studie: Jugendliche, die keine Schule abgeschlossen haben, tun sich am Arbeitsmarkt besonders schwer. Die nächste Eskalationsstufe nach dem Jobverlust, die Wohnungslosigkeit, ist dann oft nicht mehr weit. Der stern zeigt fünf Infografiken zu den wichtigsten Punkten aus der Studie, die von der Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit herausgegeben wurde. Es ist eine Auswertung aktueller und schon zuvor veröffentlichter Statistiken.

1) Jugendliche sind besonders gefährdet

Die Gruppe der unter 25-jährigen Menschen ist am stärksten von Armut bedroht - auch wenn die Quote von 2013 auf 2014 minimal zurückgegangen ist. Jeder fünfte Jugendliche (!) wächst mit Armut auf.

2) Bildung wird (noch immer) vererbt

"Eine Erwerbstätigkeit mit geregeltem Einkommen ist eine Voraussetzung sozialer Teilhabe", heißt es in dem Bericht. Um aber überhaupt ein Einkommen zu haben, das existenzsichernd ist, braucht es einen Ausbildungsplatz, und dafür braucht es wiederum einen guten Schulabschluss. Noch immer ist es in Deutschland jedoch so, dass die Herkunft hier mitspielt. Das bedeutet: haben die Eltern einen niedrigen Schulabschluss, so ist es sehr wahrscheinlich, dass auch die Kinder einen niedrigen Abschluss haben - oder im schlechtesten Fall sogar keinen.

3) Jugendliche ohne Abschluss

Fast 250.000 Deutsche in der Altersgruppe von 15 bis 25 Jahren hat keinen allgemeinen Schulabschluss. Besonders auffällig: der hohe Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund. Hier orten die Studienverfasser besonderen Handlungsbedarf der politischen Entscheidungsträger, damit diese Zahl vermindert und Jugendlichen ein Abschluss ermöglicht wird.

4) Arbeitslose Jugendliche

Diese Grafik zeigt nochmals, welchen Einfluss der formale Bildungsgrad - statistisch gesehen - auf das Berufsleben hat. Als Gefahr bei der obigen Gruppe wird das Abrutschen in Hartz IV genannt.

5) Arbeitslose ohne Berufsausbildung

"Besteht ein Zusammenhang schon zwischen Schulabschluss und Arbeitslosigkeit, so gilt dieser erst recht beim Thema Ausbildung. Fast die Hälfte der Arbeitslosen kann keinen Berufsabschluss vorweisen", heißt es in der Studie.

Wie löst man diese Misere?

Ein Ansatz, den die Katholische Jugendsozialarbeit aufs Tapet gebracht hatte, wurde in der Vergangenheit bereits umgesetzt: der Wunsch nach einer Erweiterung der "assistierten Ausbildung"; das heißt, dass Jugendlichen in einer normalen Berufsausbildung zusätzliche Vorbereitungs- und Unterstützungsangebote gemacht wurden. Das reicht aber nicht. Ein weiteres Ziel ist die gesetzliche Verankerung der Ausbildungsgarantie. Außerdem sollen Jugendliche, die an der Kippe stehen und abzurutschen drohen, materiell und immateriell geholfen werden. Auch so genannte "schwer erreichbare Jugendliche" sollen verlässlichere Angebote bekommen, Ausbildungen nachzugehen.

gos
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