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Mutter verabreichte ihrem krebskranken Sohn heimlich Cannabis

Die Mutter eines krebskranken Jungen weiß sich nach mehreren erfolglosen Therapien ihres Sohnes nicht mehr zu helfen. Im Internet schöpft sie neue Hoffnung und berichtet nun von ihren Erfahrungen.

Callie und ihr Sohn Deryn sitzen in der britischen Fernsehsendung "This Morning"

Callie (r.) und ihr Sohn Deryn in der britischen Fernsehsendung "This Morning". Die Mutter verabreichte ihrem krebskranken Sohn Cannabis.  

"Ich wollte sterben. Ich hatte genug vom Leben", sagt der 17-jährige Deryn Blackwell im Interview bei der britischen Fernsehsendung "This Morning". Ein schockierender Wunsch, bei dem man sich fragt, wieso ein junger Mensch so etwas sagt.

Als Deryn diesen Wunsch äußerte, lag er im Sterben. Das war vor drei Jahren. Der damals 14-Jährige hatte seine vierte Knochentransplantation hinter sich, war mit Schmerzmitteln vollgepumpt und laut seinen Ärzten hatte er maximal noch eine Woche zu leben. Doch selbst die wollte er nicht mehr. Viel zu lange hatte er schon um sein Leben gerungen.

Leukämie war für Deryn erst der Anfang

Bereits 2010 wurde bei Deryn Leukämie diagnostiziert. Chemotherapien und Bestrahlungen waren von nun an ein Teil seines Lebens. Doch er kämpfte sich zurück und ging anderthalb Jahre später wieder zur Schule. Er hatte den Blutkrebs zwar noch nicht vollkommen besiegt, aber er war auf einem guten Weg.

Nur drei Monate später kam der Rückschlag. entdeckten eine zweite bösartige Krebsart – das Langerhans-Zell-Sarkom. Deryn musste jetzt nicht nur mit zwei unterschiedlichen Krebsarten umgehen, sondern sogar mit einer Erkrankung, die generell erst 50 Mal diagnostiziert worden ist und an der zu dem Zeitpunkt fünf Menschen auf der Welt erkrankt waren.

Wieder folgten eine Reihe von Chemotherapien und Bestrahlungen, aber der Zustand von Deryn verbesserte sich nicht. Die Ärzte fanden heraus, dass es Probleme mit seinem Knochenmark gab.

Es gab keinen Ausweg

Eine Transplantation sollte Deryn retten. Dazu musste ein Spender her und der fand sich schon nach kurzer Zeit in Deutschland. Doch die ersten drei OP-Versuche schlugen fehl. Die Familie war am Boden zerstört. Ohne neues Knochenmark konnte sein Immunsystem nicht arbeiten, also keine Infektion bekämpfen. Der vierte Versuch würde damit sein letzter sein.

46 Tage nach der Operation nahm sein Körper das neue Knochenmark noch immer nicht an. "Nur Antibiotika und Morphium hielten ihn am Leben, ohne sie wäre er nach drei bis sieben Tagen gestorben", sagte seine Mutter Callie.

Der kleine Deryn sitzt im Krankenhaus Oberkörperfrei an Geräte angeschlossen

Der kleine Deryn nach einer seiner unzähligen Chemotherapien 


Das war der Moment, in dem Deryn sterben wollte: Er war krank, er hatte seit sieben Monaten nichts gegessen, sein Mund war voller Blasen, er konnte nicht schlucken und sein Körper war mit Wunden bedeckt.

Cannabisöl als letzte Chance 

Seine Mutter Callie wollte vom Sterben nichts hören. Sie hatte noch nicht aufgegeben. Sie konnte nicht aufgeben. Schließlich war es ihr Sohn, der da im Sterben lag: "Weil das Langerhans-Zell-Sarkom eine so unbekannte Krankheit war, hatte ich angefangen, mich im Internet zu informieren. Tatsächlich hatte ich gelesen, dass medizinisches Cannabisöl helfen sollte", erzählte sie im Interview.

Sie fragte also die Ärzte, ob sie das schon versucht hätten. Denn schließlich werde Cannabisöl in vielen Ländern in Europa und den USA verwendet: "Doch die Ärzte durften es ihm nicht geben, weil sie keine Lizenz hatten, es Kindern zu verabreichen", erzählte Callie. Also besprach sie mit ihrem Sohn, ihm das Öl ohne das Wissen der Ärzte zu geben. Deryn willigte ein.  

Bereits eine halben Stunde nach der Einnahme des Cannabisöls ging es Deryn besser, berichtet seine Mutter. Er habe keine Schmerzen mehr gehabt. Nach fünf Tagen dann sei auch Deryns medizinischer Zustand besser geworden. Callie erzählte: "Seine Wunden an der Hand waren auf einmal nicht mehr da. Und am 75. Tag nach seiner Knochenmark-Transplantation war er komplett geheilt. Damit hätte ich im Traum nicht gerechnet."

Drohen der Mutter rechtliche Konsequenzen?

Heute ist Deryn, wie er sagt, wieder zu 100 Prozent gesund. Über die Krankheit ihres Sohnes schrieb die Mutter jetzt ein Buch – "The boy in 7 billion" (Ein Junge unter 7 Milliarden).

In dem Interview merkt der Moderator an, dass die Eltern mit einer Strafverfolgung konfrontiert werden könnten. Der Besitz von ist in Großbritannien illegal und eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren nach sich ziehen. Callie und ihr Sohn schütteln darüber nur mit dem Kopf.


rpw

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