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Er wollte seiner Tochter wehtun, verdammt!

Starkoch Jamie Oliver hat seiner Tochter sehr scharfe Chili auf einen Apfel gerieben, um sie zu bestrafen. Die meisten Facebook-Fans des stern finden das nicht schlimm. Geht's noch, User?

Ein Kommentar von Susanne Baller

  Jamie Oliver bei einer Präsentation seiner Kochkünste

Jamie Oliver bei einer Präsentation seiner Kochkünste

In der Fernsehsendung "BBC Good Food Show London" hat Jamie Oliver erzählt, wie er seine zwölfjährige Tochter Poppy bestraft hat, indem er ihr einen Apfel aufschnitt und ihn mit Chili einrieb. Mit Chili der Sorte Scotch Bonnet, die unter Kennern als höllisch scharf gilt und ganz weit oben auf der Scoville-Skala für Schärfeeinheiten steht. Gestern haben wir von diesem Vorfall berichtet und den Kommentar auf unserer Facebook-Seite gepostet. Und mit Entsetzen die Reaktionen unserer User verfolgt.

Wer hat denn eigentlich was gegen Erziehung?, könnte man sich fragen, wenn man dieses Posting auf Facebook liest: "Erziehung ist verboten... deswegen treten unsere Kinder Opas in der U-Bahn zu Tode, verkaufen Drogen, oder werden mit 14 schwanger." 558 User liken seine Aussage. Große Einigkeit also darüber, dass Kinder erzogen werden müssen. Richtig, das steht sogar im Grundgesetz, Artikel 6, Absatz 2: "Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft." Eltern sind VERPFLICHTET ihre Kinder zu erziehen.

Erziehen geht anders

Wie? Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: So, dass die Grundrechte von Kindern gewahrt werden. Und da hat Jamie Oliver gleich zwei verletzt: das Recht auf Gesundheit und das Recht auf elterliche Fürsorge. Er hat seiner Tochter ohne ihr Wissen ein für Kinder ohnehin viel zu scharfes Chilipulver auf einen Apfel gerieben. Damit hat er sowohl ihre Gesundheit als auch das Wohl des Kindes gefährdet. Er wollte ihr wehtun! Das ist weder Erziehung noch Strafe, sondern Heimtücke. Was man bei einem Streich unter Kumpels vielleicht noch lustig finden kann, eignet sich nicht als "Retourkutsche" dafür, dass ein Kind frech war.

Eine Frau schreibt: "Mein gott meine Mutter wurde früher mit Gürtel bestraft zum Glück gibt es das heute nicht mehr aber nen klaps auf den Hintern. .sorry das hat noch niemandem geschadet im Gegenteil manche hätten das echt mal dringend nötig." Bei solchen Aussagen wundert es nicht, dass die Statistik zu Gewalt gegen Kinder heute noch so aussieht:

In dieser Woche feiern wir 25 Jahre UN-Kinderrechtskonvention, die am 20. November 1989 von der UN-Generalversammlung angenommen worden ist. Der Kinderrechtskonvention sind mehr Staaten beigetreten als allen anderen UN-Konventionen, 193 insgesamt. Sie legt Standards zum Schutz des Kindes fest, eines der Grundrechte ist die gewaltfreie Erziehung, eines die elterliche Fürsorge.

Noch ein Kommentar einer Dame auf Facebook: "Seh ich auch so mal eine Watschn schadet nicht,warum sind Jugendliche und Kinder heut so rotzig,weil sie keine Grenzen mehr haben,das ist ungesund,das braucht jedes Lebewesen...." 18 Menschen gefällt das. In welchem Jahrhundert leben wir eigentlich?

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