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Wenn es ein Fehler war, Kinder zu bekommen

Ich bereue, dass ich Kinder bekommen habe – darf eine Mutter so etwas sagen? Ja, sagt die israelische Soziologin Orna Donath im Interview mit dem stern. Denn manchmal könne auch das Lächeln eines Kindes den Verlust der eigenen Identität nicht aufwiegen.

Buchcover #regrettingmotherhood und Autorin Orna Donath

Unter #regrettingmotherhood brach im vergangenen Jahr eine emotionsgeladene Debatte los, deren Grundlage Orna Donath mit ihren Studienergebnissen geschaffen hatte. Am 4. Februar erscheint ihr Buch (links).

"Zeitvergeudung", "30 Jahre Leiden" oder "Versklavung" – die Frauen aus Donaths Studie beschreiben ihre Mutterschaft mit drastischen Worten.

Frau Donath, bereuen Sie es, keine Mutter zu sein?
Überhaupt nicht. Ich bin jetzt 39, aber ich wusste schon mit 16, dass ich keine Kinder will. Meine Freundinnen sagten alle, sie würden irgendwann zwei, drei Kinder haben. Ich dachte: Wow, interessant – ich habe andere Träume! Selbst wenn jetzt ein Goldfisch käme ...

Ein Goldfisch?
Ein Goldfisch, der Wünsche erfüllt, das sagt man im Hebräischen. Gibt's den in Deutschland nicht?

Bei uns kommt die gute Fee.
Also, wenn eine gute Fee käme und mir anböte, von vorn zu beginnen: Ich würde mich wieder gegen Kinder entscheiden. Viele Frauen können das nicht. Sie werden zur Mutterschaft gedrängt, von ihren Familien, von der Gemeinschaft – und von den eigenen Vorstellungen: dass zu einem erfüllten Leben unbedingt Kinder gehören.

Die Frauen glauben, wenn sie kein Kind bekommen, werden sie irgendwann alt, einsam, grau und traurig im Lehnstuhl sitzen.
Genau! Frauen und Männern ohne Nachwuchs wird eine düstere Zukunft prophezeit. "Du wirst es bereuen!" – dieser Satz wird wie eine Waffe gegen Kinderlose gerichtet. Für meine erste Studie hatte ich kinderlose Frauen und Männer befragt; alle berichteten von dieser Drohung. Da fragte ich mich: Vielleicht gibt es auch Menschen, die Kinder haben – und genau das bereuen? So kam ich auf das Thema meiner aktuellen Studie.

Über Onlineforen und Mütter-Netzwerke suchte ich solche Frauen. Es meldeten sich Dutzende. Aber viele brachen den Kontakt ab, wenn ich einen Termin vereinbaren wollte. Letztlich befragte ich 23 Frauen zwischen 20 und 70 Jahren: Frauen, die bereits Großmütter waren, solche mit kleinen und Teenager-Kindern, Akademikerinnen und Arbeiterinnen. Alle beantworteten die Frage: "Wenn Sie mit dem heutigen Wissen die Zeit zurückdrehen könnten, würden Sie noch einmal Mutter werden?" mit einem klaren "Nein".

Die Frauen beschrieben Mutterschaft als "Zeitvergeudung", "30 Jahre Leiden", "Versklavung" und "Albtraum meines Lebens". Die Interviews lösten letztes Jahr unter dem Schlagwort "Regretting Motherhood" eine hitzige Debatte aus. In Onlinekommentaren wurden die Frauen als "krank und gefühlsarm" bezeichnet. Wie haben Sie diesen Sturm erlebt?
Ich war ja weit weg von den Ländern, in denen am heftigsten diskutiert wurde. Zuallererst Deutschland, dann auch Finnland, Österreich und Schweden. Aus Deutschland meldeten sich die meisten Frauen bei mir: Kinderlose, die sich dafür bedankten, dass ich das rosarote Bild der glücklichen Mutter mit Grautönen versehen hatte – und natürlich Mütter, die erleichtert waren, dass endlich jemand sagte: Nicht alle genießen es, Mutter zu sein.

Wie erklären Sie sich, dass gerade in Deutschland eine kleine israelische Studie so einschlug?
Da muss ich raten, denn ich habe mich nie mit deutscher Kultur beschäftigt. Vielleicht hat es mit der Angst zu tun, dass die Bevölkerung schrumpft. Vielleicht fühlen die deutschen Frauen sich unter Druck wegen der hohen Erwartungen, die man dort an Mütter stellt. Aber eigentlich haben in Deutschland Frauen doch bereits die Wahl: Sie können sich gegen Kinder entscheiden, sie tun es auch. In Israel gilt dagegen immer noch: Eine richtige Frau wird auch Mutter.

Wie verläuft die Debatte in Israel?
Vor zwei Wochen wurde meine Studie in der Zeitung "Haaretz" präsentiert. Das Ergebnis war eine hässliche Diskussion, die sehr schnell persönlich wurde. Es wird über alles spekuliert: meine Eltern, mein Aussehen, meine Sexualität.

Ihr ausführliches Buch zur Studie kommt jetzt in Deutschland heraus – noch bevor es in Israel publiziert wird. Gleichzeitig erscheinen weitere Bücher von deutschen Autorinnen. Eine Welle bereuender Mütter.
In den letzten Jahrzehnten wurden zunehmend auch problematische Seiten der Mutterschaft thematisiert, so "unmütterliche" Gefühle wie Frustration, Langeweile, Wut.
Aber über Reue wurde nie gesprochen: dass manchmal auch das Lächeln eines Kindes nicht den Verlust des eigenen Lebens, der eigenen Identität aufwiegen kann. Dabei finde ich das gar nicht so überraschend. Wir bereuen berufliche Entscheidungen, wir bereuen Tattoos, Partner, Ehen – warum nicht auch die Entscheidung für Kinder? 

Weitere Titel zum Thema Regretting Motherhood
Cover Christina Mundlos
Wenn Mutter sein nicht glücklich macht: Das Phänomen Regretting Motherhood

erschienen im November: Ein seriöses, informatives Sachbuch der Soziologin Christina Mundlos mit Hintergrundinformationen zum Mutterbild in Deutschland, Interviews mit bereuenden deutschen Müttern, politischen Forderungen und – allerdings recht knapp geratenen – Tipps für bereuende Mütter und Väter sowie Frauen mit und ohne Kinderwunsch.

© Foto:mvgverlag
Cover Sarah Fischer
Die Mutterglück-Lüge: Regretting Motherhood – Warum ich lieber Vater geworden wäre

In ihrem flott runterzulesenden Selbsterfahrungsbericht, garniert mit ein paar Zahlen und Fakten zur Mutterschaft in Deutschland, beschreibt Sarah Fischer, wie sich ihr Leben mit Kind komplett ändert: Sie findet Basteln und das Rumhängen auf dem Spielplatz langweilig, ihr alter Job ist mit Kind kaum mehr machbar und ihr anfangs engagierter Partner ist auch keine Hilfe, sondern bremst sie aus. Mit echter Reue, wie sie die Israelin Orna Donath in ihrer Studie beschreibt, haben diese altbekannten Probleme wenig zu tun – aber egal, Bücher mit dem Schlagwort "Regretting Motherhood" auf dem Titel verkaufen sich besser, glauben die Verlage.

© Foto:Ludwig
Die falsche Wahl – Wenn Frauen ihre Entscheidung für Kinder bereuen

Die Journalistin Esther Göbel beginnt ihr Buch persönlich: Sie ist wie Orna Donath selber kinderlos und will sich dafür nicht mehr rechtfertigen. Für sie ist die Debatte "Regretting Motherhood" eine "Reise zu einem verbotenen Gefühl". Drei Mütter hat sie besucht und ausführlich zu ihren Reuegefühlen befragt. Daneben enthält das Buch Hintergründe unter anderem zur Situation von Frauen in Israel, dem deutschen Müttermythos und den angeblichen neuen Vätern. Alles gut recherchiert und aufgeschrieben, aber oftmals nicht wirklich neu. Hilfreich für alle, die noch mehr wissen wollen: Die weiterführende Link- und Literaturliste in diesem Buch. 

© Foto:Droemer


Viele Mütter finden Sandkuchenbacken doof oder reiben sich zwischen Job und Kindern auf. Aber genau diese altbekannten Klagen meinen Sie ja nicht.
Ich spreche nicht über Mütter, die ihren Alltag stressig finden. Ich spreche auch nicht über Karrierefrauen, die Kinder als Hindernis beim Aufstieg empfinden. Keine der Frauen, die ich befragte, wollte Karriere machen. Ich spreche über etwas ganz anderes, über echte, tiefe Reue: Es war ein Fehler, Mutter zu werden, ich habe es mir anders vorgestellt. Einige machen das fest am Gefühl, für immer besorgte Mutter zu sein, selbst wenn die Kinder aus dem Haus sind. Viele litten darunter, ihr altes Leben verloren zu haben, als sie neues schenkten. Die Zeit vor der Geburt erschien ihnen reicher und befriedigender. Nun fehlte ihnen die Zeit, sie selbst zu sein. "Kinder löschen dich vollständig aus", sagte eine Frau.

Demnach reicht es nicht, bessere Kinderbetreuung zu fordern, aktivere Väter und eine familienfreundlichere Arbeitswelt?
Natürlich bin ich unbedingt dafür, Familien die bestmögliche Unterstützung anzubieten. Aber sich als Mutter eins mit dem Kind und der Welt zu fühlen – diesen Zustand kann man nicht politisch verordnen. Ich habe auch Mütter befragt, die alles hatten: einen liebevollen Partner, der sich viel um die Kinder kümmerte, Wohlstand, verständnisvolle Chefs – und sie bereuten die Mutterschaft trotzdem. Auch mir geht es gut, aber ich will keine Kinder. Unter gar keinen Umständen!

Warum nicht?
Ich will einfach diese Art von Beziehung nicht, diese Verantwortung für jemanden, der komplett von mir abhängig ist.

Wie wollen Sie denn eine solche Verantwortung vermeiden? Vielleicht wird Ihr Partner krank oder Ihre Eltern.
Natürlich würde auch ich meinem Partner und meinen Eltern zur Seite stehen! Aber warum sollte ich zusätzlich zu dieser Verantwortung noch eine weitere übernehmen, wenn ich diese Art von Beziehungen begrenzen kann?

Die erste Zeit mit Kind kann sich schlimm anfühlen, aber später haben Eltern wieder mehr Freiheiten. Internationale Studien zeigen: Eltern mit kleinen Kindern sind unglücklicher als Kinderlose – aber später im Leben dann wiederum glücklicher als Gleichaltrige ohne Kinder.
Dieses Argument hören Mütter ständig: Alles wird besser, es ist nur eine Phase. Aber es geht nicht immer aufwärts. Ich zitiere jetzt eine der Mütter. Sie bereute, als sie verstand, dass das Leben mit Kindern sich quasi im Kreis dreht: Wenn sie klein sind, haben sie Probleme. Wenn sie älter sind, haben sie neue Probleme. Es hört nie auf. Wohnung oder Job kann man kündigen, seinen Partner verlassen. Kinder bleiben. Und sie sind eben keine Garantie für eine glückliche Zukunft. Es wird Frauen vorgegaukelt, dass Kinder die Lösung für alles sind: Wenn du dich einsam fühlst – werde Mutter! Wenn du dich selbst verwirklichen willst – werde Mutter! Wenn dich dein altes Leben nervt oder dein Job – werde Mutter!

Im Deutschen gibt es dafür einen bösen Ausdruck: "Flucht in die Frucht".
Das trifft es. Eskapismus pur – die Mutterschaft als Zuflucht.

Alle befragten Frauen sagten immer und immer wieder, dass sie ihre Kinder sehr lieben würden.
Es ist kein Wunder, dass die Frauen das so betonen: Sie haben sich schon weit vorgewagt, indem sie sich zu ihrer Reue bekennen. Die Liebe hat dann etwas Versöhnliches. Ich glaube ihnen: Sie lieben ihre Kinder – aber sie hassen es, Mutter zu sein.

Die Frauen beschreiben die Liebe zu ihren Kindern als tief und einzigartig. Wenn man das liest, denkt man: So schlecht kann das alles nicht sein. Liebe – das ist es doch, was uns ausmacht, davon kann man gar nicht genug in seinem Leben haben.
So denken Sie. Aber es gibt Frauen, die werden Ihnen sagen, dass es auch ohne Kinder schon genug Liebe in ihrem Leben gibt. Oder dass die Liebe zu ihren Kindern etwas ganz Besonderes ist – aber trotzdem nicht die Nachteile aufwiegt.

Ihre Studie wurde kritisiert, weil Sie nur wenige Frauen interviewt haben. Sie haben bei ihnen auch keine Gemeinsamkeiten herausgearbeitet. Wir erfahren beispielsweise wenig über Biografien oder Geburtserlebnisse.
Ich bin Soziologin, keine Psychologin. Ich habe diese Frauen nicht bis in den letzten Winkel durchleuchtet. Ich stelle nur fest: Es sind ganz unterschiedliche Frauen mit ganz unterschiedlichen Kindern. Meine Befragung ist natürlich nicht repräsentativ, und ich weiß nicht, wie vielen Frauen es so geht. Vermutlich werden wir es nie wissen, eben weil es ein Tabu ist. In der Religion oder vor Gericht ist Reue eine positiv besetzte Emotion, in allen anderen Lebensbereichen nicht.

Schau vorwärts und nie zurück.
Genau. Mütter geben aber nicht nur schöne Familientraditionen weiter, sondern durchleben auch Verletzungen aus der eigenen Kindheit neu. Die Tochter einer afrikanischstämmigen Interviewpartnerin fragte sie: "Mama, wieso hast du mich nicht richtig gewaschen? Innen an den Händen und Füßen bin ich hell, überall sonst noch dunkel." Das brach ihrer Mutter das Herz. Sie hatte selbst als Kind Rassismus erlebt. Jetzt musste sie das mit ihrer Tochter erneut durchmachen.

Einige Frauen waren bereits mit dem ersten Kind unglücklich und bekamen trotzdem ein zweites oder drittes. Warum?
Viele Israelis denken, dass ein Kind Schaden nimmt – psychisch und sozial –, wenn es ohne Geschwister aufwächst. Eltern mit einem Kind gelten in Israel nicht als Familie. Durchschnittlich bekommen Frauen hier drei Kinder.

Die Botschaft ist auch eine politische: "Bekommt mehr Kinder als die Palästinenser"?
Das wird mal offen gesagt und mal versteckt. Wir haben es alle im Hinterkopf – genauso wie die Tatsache, dass die Nationalsozialisten die Juden auslöschen wollten. Die "gefühlte Pflicht", viele Kinder zu bekommen, hat zu tun mit unserer Vergangenheit – und mit unserer Gegenwart: Krieg und Terror. Jede Mutter auf der Welt hat Angst, dass ihrem Kind etwas zustößt. In Israel müssen Eltern ihre Töchter und Söhne in einen mehr als zweijährigen Wehrdienst entlassen, womöglich sogar in einen Krieg. Israelische Mütter tragen eine besondere Last, wie die palästinensischen Mütter.

Israel ist Vorreiter, was künstliche Befruchtung angeht. Steigt damit der Druck auf Frauen, Kinder zu bekommen – es scheint ja nun immer leichter möglich, es gibt keine "Ausreden" mehr?
Ja, ganz sicher. Wir sind auf Platz eins weltweit, was den Anteil der Paare angeht, die künstliche Methoden der Fortpflanzung nutzen. Der Staat fördert das aktiv, bezahlt die teuren Behandlungen, bis zu acht in zwei Jahren für Frauen bis 45.

Man könnte denken: Wer sich all die Behandlungen antut, muss das Kind doch unbedingt wollen. Aber zu den von Ihnen Befragten zählten auch Mütter, die durch künstliche Befruchtung schwanger wurden.
Wer einmal mit künstlicher Befruchtung angefangen hat, dem fällt es schwer, wieder damit aufzuhören. Es ist eine Art Abhängigkeit, oft über Jahre: der nächste Zyklus, der nächste Bluttest, die nächsten Spritzen. Es geht nur noch darum, dass sich Ei und Spermium treffen – aber dass daraus ein Kind entstehen soll, dass eine Frau Mutter wird und was das für sie bedeutet, gerät immer mehr in den Hintergrund.

Wir reden dauernd über Mütter. Was ist denn mit den Vätern? Mit dem Phänomen "regretting fatherhood"?
Ursprünglich wollte ich auch über bereuende Väter schreiben, meine Studie sollte "Regretting Parenthood" heißen. Ich hatte zehn Väter interviewt – doch dann merkte ich, dass das zu viel Stoff wird. Bei den Vätern ist es wohl nicht so sehr die Gesellschaft, die Druck macht, es sind eher die Lebensgefährtinnen: Von den zehn interviewten Männern wollten acht eigentlich nie Kinder haben, aber sie lebten mit Frauen zusammen, die sich das wünschten.

Sie beschäftigen sich mit Themen, die Ihren eigenen Lebensentwurf bestätigen. Wollen Sie nicht mal zu Glücksmomenten bei Eltern forschen?
Glauben Sie mir, ich weiß, wer ich bin und was mich glücklich macht. Ich brauchte keine bereuenden Eltern, um mich als Nicht-Mutter besser zu fühlen. Und wenn eine Frau glückliche Mutter ist, dann freue ich mich sehr für sie. Aber was hat das mit mir zu tun? Gar nichts.

Manchmal kommen Kinder durch die Hintertür – plötzlich hat man eine Patchworkfamilie. Was, wenn Sie sich in jemanden verlieben, der schon Kinder hat?
Das passiert mir nicht. Ich möchte wirklich keine Mutter werden, weder biologisch noch sozial. Eine Studentin fragte mich mal, ob ich denn wenigstens einen Hund oder eine Katze hätte, ob ich wüsste, was Verantwortung sei. Als ob ich keine Verantwortung trüge. Ich arbeite seit über zehn Jahren ehrenamtlich in einem Krisenzentrum für vergewaltigte Frauen. Und ich habe eine Familie: meinen kinderlosen Partner, meine Schwester und meine kleinen Nichten, meine Eltern und weitere Verwandte.

Was sagt Ihre Mutter zu Ihren Thesen?
Viele Leute denken offenbar, wenn ich keine Mutter werden wolle, läge dies an einer schlimmen Kindheit. Das Gegenteil ist der Fall: Ich hatte liebevolle Eltern. Meine Schwester ist heute glückliche Mutter von drei großartigen Töchtern – und ich bin eben die Mutter von niemandem. Meine Eltern würden mir Kinder wünschen, weil sie selbst die Zeit mit uns so genossen haben. Aber sie lassen mich mein Leben leben.

Ihre Interviews mit Müttern sollten doch eigentlich dazu beitragen, dass Eltern offener über unterschiedliche Gefühle diskutieren. Stattdessen verteidigen viele nur ihr eigenes Lebensmodell.
Dieses Gegeneinander macht mich traurig. Wieso lassen wir Mütter, die scheinbar nicht "funktionieren", allein mit Scham und Schuldgefühlen oder kanzeln sie als Freaks ab? Mütter und Nicht-Mütter, bereuende und glückliche Mütter sollten zusammenstehen.
Kritiker sagen, ich sei gegen Mutterschaft generell. Wie käme ich dazu, Frauen zu sagen, wie sie zu leben haben?! Ich will nur, dass Frauen die Wahl haben! Dass sie genauer überlegen, was für ein Leben sie wollen. Mein Buch ist eigentlich ein Liebesbrief an alle Mütter.

Ein recht düsterer Liebesbrief.
Uns wird immer nur eine Geschichte von Mutterschaft erzählt, und sie hat immer ein Happy End. Aber ich wollte die andere Geschichte erzählen.

Interview: Nikola Sellmair
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