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US-Waffenlobby verpasst Rotkäppchen ein Gewehr

Nix mit Brotkrumen: In den USA tragen Hänsel und Gretel jetzt Gewehre. Die Waffenlobby hat klassische Märchen umgeschrieben und den Hauptfiguren Waffen verpasst – um die kleinen Leser schon früh dafür zu begeistern.

Rotkäppchen läuft durch den Wald

Ganz allein läuft Rotkäppchen im Märchen durch den Wald - dann sollte es sich besser mit einem Gewehr schützen, meint die NRA

Man kann nicht früh genug anfangen, findet der US-Waffenverband NRA – und hat nun neue Fassungen klassischer Grimms Märchen veröffentlicht, um Kinder schon früh für Schusswaffen zu begeistern. Zwei Märchen, "Rotkäppchen" und "Hänsel und Gretel", hat der Verband auf seiner Seite schon hochgeladen. Der Unterschied zum Original: Alle Kinder tragen darin Gewehre mit sich herum.

In der NRA-Fassung zu "Rotkäppchen" heißt es so etwa: "An ihrem Geburtstag, es war nicht lange her, hatte Rotkäppchen ihre ganz eigene Waffe bekommen [...] Mit einem Kuss ihrer Mutter, das Gewehr über der Schulter und einen Korb für ihre Großmutter in den Händen, holte es tief Luft und trat in den Wald." Dort sei das Mädchen auf frische Spuren des Wolfes gestoßen. Nicht schlimm, meint die NRA, denn: "Rotkäppchen spürte das beruhigende Gewicht der Waffe auf der Schulter und setzte seinen Weg fort ..."

Noch wichtiger sind die Waffen offenbar für Hänsel und Gretel. Die nämlich gehen im NRA-Märchen mit ihren Gewehren in den Wald, um zu jagen und ihre Familie zu ernähren. "Zum Glück hatten sie gelernt, wie man sicher eine Waffe benutzt, und den größten Teil ihres Lebens mit ihren Eltern gejagt", heißt es in der Neufassung. "Je tiefer sie in den Wald gelangten, desto besser wurde die Jagd für Hänsel und Gretel. Sie erlegten ein paar Eichhörnchen und Kaninchen, die sicherlich helfen würden." Irgendwann hörten die beiden ein Rascheln im Gebüsch – und erblickten "einen herrlichen Hirschbock, der gerade aus dem Fluss trank. Gretel machte ihr Gewehr bereit und feuerte. Ihr Training hatte sich ausgezahlt, denn sie konnte ihn mit einem einzigen Schuss erlegen."

Kritik von Anti-Waffenvereinigungen

Immerhin: Abgesehen von den erlegten Tieren bleiben die beiden Adaptionen unblutig. Im Fall von Rotkäppchen genügt schon das Entsichern der Waffe, um die Großmutter vor dem Wolf zu schützen. "Oh, wie der Wolf es hasste, wenn Familien gelernt hatten, sich selbst zu verteidigen", heißt es dort.

Verfasst hat die Geschichten die Kinderbuchautorin und Bloggerin Amelia Hamilton. Ihre scheinheilige Begründung: "Die Originalmärchen sind sehr gewalttätig. Würde man Kindern mehr über Sicherheit beibringen, ließen sich die darin geschilderten Situationen vermeiden", sagte sie in einem Interview der NRA-Sendung "Cam & Co". Im Mai will die Autorin eine Neuversion von "Die drei kleinen Schweinchen" veröffentlichen.

Anti-Waffenvereinigungen kritisieren Hamiltons Kurzerzählungen scharf. Dan Gross, Präsident der "Brady Campaign to Prevent Gun Violence", teilte mit: "Märchen machen natürlich viel mehr Spaß als die harte Wahrheit, dass in Amerika jeden Tag beinahe 50 Kinder und Jugendliche durch Schusswaffen verletzt oder getötet werden."

Der einfache Zugang zu Gewehren und Pistolen führt in den USA immer wieder dazu, dass selbst Kleinkinder sich selbst oder andere Menschen damit verletzen. Erst vor zwei Wochen hatte ein Vierjähriger seiner Mutter bei einer Autofahrt versehentlich in den Rücken geschossen. 

car/DPA
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