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Die große Angst vor Cybermobbing

Die Angreifer sind überall, verbünden sich auf Facebook, verbreiten Gemeinheiten über Whatsapp und fiese Fotos per Snapchat: Opfer von Cybermobbing haben oft das Gefühl, ihren Peinigern nicht mehr entgehen zu können. Wie können wir Kinder und Jugendliche schützen?

Safer Internet Day

Oft fühlen sich Kinder und Jugendliche mir ihren Erfahrungen im Netz allein gelassen und haben niemanden, mit dem sie über fiese Kommentare oder Beleidigungen reden können

27 Mal am Tag – vor dem Frühstück, in der ersten Pause, zwischen zwei Schulstunden, nach dem Mittagessen, während der langweiligen Deutsch-Hausaufgaben: Im Schnitt checken Jugendliche ihr Handy 27 Mal am Tag. Nicht online zu sein, kann sich der Großteil schon lange nicht mehr vorstellen. 92 Prozent der 12- bis 19-Jährigen haben inzwischen ein eigenes Smartphone, wie die JIM-Studie 2015 gezeigt hat.

Doch das Internet birgt gerade für Kinder und Jugendliche viele Gefahren. Ihre Eltern stehen oft hilflos daneben und haben nicht einmal mehr eine ungefähre Ahnung davon, was ihre Kinder im Internet erleben. Rund jeder dritte Schüler ist laut der JIM-Studie bereits einmal im Internet gemobbt worden. Und auch wer selbst noch nicht zum Opfer von Cybermobbing wurde, kennt wahrscheinlich jemanden aus der Schule oder dem Freundeskreis, der im Netz fertig gemacht wurde. Der Safer Internet Day, der sich für mehr Sicherheit im Internet einsetzt, steht in diesem Jahr unter dem Motto "Extrem im Netz". Der Aktionstag will darauf hinweisen, dass Beleidigungen im Netz immer schwerere Formen annehmen.

Der Hass lauert überall

Die Grenzen zwischen Mobbing und Cybermobbing sind fließend. Meist sind die Angriffe im Netz nur die Fortsetzung der direkten Beleidigungen. Doch im Internet liegt die Hemmschwelle niedrig, man muss das Gesicht des anderen nicht sehen, wenn man ihn beleidigt. Diese Distanz zum Opfer wirkt verharmlosend – ein fieses Foto ist schnell hochgeladen und Gemeinheiten tippen sich leichter, als sie sich aussprechen lassen.

Dem Cybermobbing zu entkommen, ist schwierig, selbst ein Schulwechsel ist heute oft kein Neuanfang mehr. Denn über Facebook, Whatsapp und Co. verbreiten sich Beleidigungen auch über Schul- und Stadtgrenzen hinweg. Das Publikum, das bei den Angriffen live dabei ist, ist riesengroß.

Wie sich Kinder und Jugendliche vor Mobbing schützen können, ist schwer zu sagen. Die aktuelle Cybermobbing-Studie der Landesanstalt für Medien NRW und der Universität Duisburg-Essen kommt zu dem Schluss, dass bei Jugendlichen vor allem ihre sozialen Kompetenzen, die sogenannten Softskills, Einfluss darauf nehmen, ob sie zu Tätern oder Opfern von Mobbing im Netz werden. Besonders oft gemobbt werden demnach Menschen, die als ängstlich, depressiv oder als unsicher im Umgang mit anderen wahrgenommen werden. Die Täter hingegen sind häufig sehr risikobereit. Aber Achtung: Vergleichsweise viele Täter, laut der Studie rund 12 Prozent, waren früher selbst einmal Opfer von Cybermobbing.

Eltern verlieren den Anschluss

Viele Kinder und Jugendliche haben ihre Eltern, was die Nutzung des Internets betrifft, längst abgehängt. "Die Medienentwicklung ist so rasant, dass viele Eltern verunsichert sind. Solange ihr Kind noch klein ist, sind sie oft sehr streng, manchmal zu streng", sagt Thomas Voß, Programmleiter der Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein. "Kaum ist die Grundschule beendet, geben sie schnell auf, sich für die Mediennutzung ihrer großen Kinder überhaupt noch zu interessieren. Das ist schade." Denn wenn ihr Leben im Internet schon vorher Thema am Küchentisch war, ist die Chance größer, dass die Jugendlichen sich auch bei Problemen im Netz an ihre Eltern wenden. "Nur weil Kids ihre Smartphones fixer bedienen können, ist die Elternverantwortung für die Medienerziehung noch lange nicht überflüssig", sagt Voß.  

Die Schule springt dort bisher nur begrenzt ein. Sowohl die Ausstattung der Klassenräume als auch die Ausbildung der Lehrer im Bereich Medienbildung werden seit Jahren als unzureichend kritisiert. Bis sich das ändert, stehen die Eltern noch mehr in der Pflicht.

Was tun bei Cybermobbing? Fünf Tipps von "Klicksafe"

  1.  Mobber sperren
    Die meisten Anbieter geben einem die Möglichkeit, jemanden, der andere belästigt, zu sperren oder zu melden. Wenn das nichts bringt, sollte man sich ein neues Profil/eine neue Handynummer oder eine neue Mailadresse zulegen.
  2. Nicht antworten
    Auf beleidigende oder unangenehme Nachrichten sollte man, auch wenn es schwerfällt, nicht reagieren. Ansonsten droht die Gefahr, dass sich die Beleidigungen bzw. Mobbing-Attacken immer weiter hochschaukeln. Das bedeutet aber nicht, dass man dem erlebten Cybermobbing nur tatenlos zuschauen sollte.
  3. Beweise sichern
    Kopien von unangenehmen Nachrichten, Bildern oder Online-Gesprächen können helfen, anderen zu zeigen, was passiert ist und den Peiniger zu ermitteln. Sie sind gegenüber der Schule, dem Internetanbieter oder der Polizei nützliche Beweise.
  4. Beleidigungen entfernen lassen
    "Das Internet vergisst nie" – auch wenn in diesem Spruch viel Wahrheit steckt, lohnt es sich, bei Mobbingfällen den Anbieter einer Seite zu kontaktieren und um eine Entfernung der beleidigenden Inhalte zu bitten. Selbst wenn das gerade bei ausländischen Seiten oft schwierig ist, empfiehlt sich der Versuch.
  5. Darüber reden
    Hilfe bekommen Betroffene an vielen Stellen. Zum Beispiel bei der Nummer gegen Kummer. Ausführliche Informationen über Cybermobbing für Eltern und Kinder finden sich auf den Seiten der "Klicksafe"-Initiative, unter anderem eine preisgekrönte Erste-Hilfe-App, die von Jugendlichen entwickelt wurde.
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