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"Das Gymnasium ist ein Relikt"

Inklusion lautet das Gebot der Stunde - ein gemeinsamer Unterricht für Behinderte und nicht behinderte Kinder. Damit gehören auch Sonderschule und Gymnasium auf den Prüfstand, meint ein Schulforscher.

Herr Professor Schuck, überall liest man momentan von Inklusion. Was steckt eigentlich hinter dem sperrigen Begriff?
Dabei geht es um die alte Frage, wie Menschen friedlich zusammenleben, wie sie wertschätzend und respektvoll miteinander umgehen, ohne das Verschiedene abzulehnen oder auszusondern. Was die Schule betrifft, zwingt uns Inklusion über einen tiefgreifenden Wandel des Schulsystems nachzudenken. In Deutschland sind wir noch immer vom preußischen Schulsystem geprägt, das eine Schule für Bauern, Bürger und Gelehrte kannte. Damals wurde unser separierendes System aus der Taufe gehoben. Damit haben wir bis heute zu kämpfen. Die folgerichtige Fortsetzung des Gedankens war es, Behinderte in Sonderschulen zu unterrichten. Inklusion bedeutet, diese Trennung aufzubrechen, Behinderte in die allgemeinen Schulen zu integrieren und sie dort so zu unterstützen, wie sie es brauchen.

Früher hieß das Integration. Wo ist der Unterschied?
Wir könnten heute nicht so über Inklusion sprechen, wenn es nicht die Integrationsbewegung gegeben hätte. Inklusion bedeutet eine Fortentwicklung dieses Gedankens. Hier wird allerdings nicht eine kleinere Gruppe in eine größere Gruppe integriert, vielmehr ist das Schulsystem aufgefordert, sich grundlegend zu verändern. Und zwar so, dass alle Kinder einer Wohngegend eine Schule besuchen können.

Bedeutet Inklusion also das Ende der Sonderschule?
Ich bin überzeugt, dass die Sonderschulen, wie wir sie kennen, auslaufen werden. Die Kompetenzen der Sonderschullehrer werden allerdings weiterhin gebraucht und müssen in die Schule der Zukunft eingebracht werden. Nur so kann es gelingen, die pädagogischen Bedürfnisse aller Kinder abzudecken - ohne behinderte Kinder in Sondersysteme zu packen. Damit wird auch die Debatte um die Gesamtschule wieder neu entfacht.

Warum?
Inklusion kann nur gelingen, wenn die Schulklassen heterogen sind, wenn die Stärkeren die Schwächeren mitziehen können. Dann profitieren alle. Wir müssen uns fragen, ob das Gymnasium nicht ein Relikt ist, eine überholte, im klassischen Denken verwurzelte Vorstellung.

Viele Eltern haben allerdings Angst, dass leistungsstärkere Kinder in einer Gesamtschule in ihrem Lernfluss gebremst werden.
Aus gelungenen Integrationsprojekten wissen wir, dass dies nicht der Fall ist. In Hamburg konnten wir sogar beobachten, dass Eltern sich für das Modell der Integrativen Regelklassen stark machten. Als dieses abgeschafft werden sollte, gingen sie dafür auf die Straße. Die Eltern haben offensichtlich erlebt, dass eine gut umgesetzte Inklusion das Schulleben bereichert.

Welche Hoffnungen werden mit der gemeinsamen Beschulung von behinderten und nicht behinderten Kindern verbunden?
Wir müssen zwei Gruppen unterscheiden: Der Großteil der behinderten Kinder hat Schwierigkeiten mit dem Lernen, der Sprache oder in der emotional-sozialen Entwicklung. Viele dieser Kinder können mit entsprechender Förderung die üblichen Abschlüsse der allgemeinen Schulen erreichen. Werden sie in Sonderschulen unterrichtet, bleiben sie unter ihrem möglichen Leistungsniveau. Die andere Gruppe sind geistig, seh- oder hörbehinderte Kinder. Auch sie profitieren in allen Entwicklungsbereichen von dem sozialen Miteinander.

Bei der Inklusion soll jedes Kind individuell gefördert werden. Das Ziel klingt ja schön, doch gelingt es tatsächlich, jedes behinderte Kind in die Regelschule zu integrieren? Ist die hehre Idee umsetzbar?
Diese Idee ist umsetzbar, wie viele Schulversuche gezeigt haben. Dafür muss sich die allgemeine Schule allerdings grundlegend verändern - bis hinein in jede einzelne Unterrichtsstunde. Der Anteil des Frontalunterrichts wird sicher abnehmen und offeneren Unterrichtsformen weichen. Die Idee, dass wir guten Unterricht machen können, wenn wir nur homogene Klassen schaffen, ist ohnehin fraglich. Denn das Leistungsspektrum war und ist innerhalb einer Klasse schon immer unterschiedlich. Ohne Zweifel muss es aber auch in einem inklusiven Schulsystem Strukturen geben, die eine besondere Förderung von zum Beispiel schwerbehinderten Kindern gewährleisten.

Was braucht es für eine gelungene Inklusion?
Ohne Ressourcen - also mehr Lehrkräfte und mehr finanzielle Mittel - wird inklusiver Unterricht nicht gelingen. Vor allem braucht es ein gutes pädagogisches Konzept, wie Kinder gemeinsam lernen können. Lehrer, Sozialpädagoginnen und Erzieherinnen müssen dafür intensiv miteinander kooperieren und genug Zeit haben, um sich auszutauschen. Ein Sonderpädagoge, der nur ab und zu einmal in einer Klasse vorbeischaut, und einen ansonsten unveränderten Unterricht unterstützt, reicht nicht.

Schleswig-Holstein ist einer Bertelsmann-Studie zufolge Vorreiter in Sachen Inklusion, Niedersachsen Schlusslicht. Was macht das eine Bundesland richtig und das andere falsch?
In Schleswig-Holstein hat die Politik die Weichen für eine gelungene Inklusion früh gestellt. Sonderschulen wurden zu Förderzentren entwickelt, welche die allgemeine Schule seit den 1990er Jahren bei der Integration unterstützen. Von dort werden Sonderpädagogen in die allgemeine Schule geschickt. In Niedersachsen hat man sich erst spät um das Thema gekümmert. Die Sonderschulen versuchten dort noch länger, ihre Schülerschaft zu erhalten.

Wie sieht die Situation in anderen Ländern aus? Gibt es Vorbilder für eine gelungene Inklusion?
Finnland ist ein gutes Beispiel. Dort war das Schulsystem ebenfalls stark gegliedert. Irgendwann war klar: So geht es nicht weiter, so wird Potenzial verschwendet. Das Land hat sich daher Ende der 1960er Jahre dazu entschieden, konsequent Gesamtschulen einzurichten. Bei dieser Gelegenheit hat man auch gleich die Zahl der integriert geförderten Kinder erhöht - durch Maßnahmen in den Schulen vor Ort. Behinderte Kinder sind seitdem selbstverständlich Teil der allgemeinen Schule. Finnland war sich allerdings hinsichtlich der Schulentwicklung politisch einig, es gab einen breiten gesellschaftlichen Konsens. In Deutschland ist man davon weit entfernt.

Zusätzliche Lehrerstellen, behindertengerechter Umbau von Schulen: Ist Inklusion in Zeiten klammer Kassen machbar?
Ich bin überzeugt, dass Inklusion machbar ist. Es geht darum, wie vorhandene Mittel eingesetzt werden. Auch hier sind wiederum die Finnen ein gutes Vorbild: Sie stecken mehr Geld und Personal in die Grundschule, da sie der Überzeugung sind, dass die Weichen für die individuellen Bildungskarrieren früh gestellt werden. Die Mittel, die in den weiterführenden Bereich fließen, sind geringer. In Deutschland ist es umgekehrt. Es ist alles eine Frage der politischen Prioritäten, des gesellschaftlichen Konsenses. Die klammen Kassen haben andere Länder auch.

Lea Wolz

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