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So überführten Schülerzeitungs-Journalisten ihre Direktorin des Betrugs

Etwas hatte ihren Verdacht erregt, als die Mitarbeiter einer Schülerzeitung begannen, dem Lebenslauf ihrer neuen Schulleiterin auf den Grund zu gehen. So gründlich, dass diese sich genötigt sah, ihren Hut zu nehmen.

Die strahlenden Schüler zeigen ihre Zeitung

Die Mitarbeiter der High-School-Zeitung "The Booster Redux" aus Kansas: Trina Paul, Gina Mathew, Kali Poenitske, Maddie Baden, Patrick Sullivan und Connor Balthazor (v.l.n.r.). Sie halten ihre Veröffentlichung hoch, die zum Rücktritt der neu eingesetzten Schuldirektorin führte.

"Ein paar Dinge passten einfach nicht zusammen", erzählt Connor Balthazor der "Washington Post". Am 6. März hatte die Pittsburg High School in Kansas eine neue Direktorin bekommen, Amy Robertson. Neugierig wie gute Journalisten nun mal sind, hatte sich das Team, das für die interne Schülerzeitung "The Booster Redux" arbeitet, die Historie ihrer neuen Schulleitung näher angeschaut und war schnell auf Ungereimtheiten gestoßen. Es begann bereits damit, dass die Corllins University, eine Privatuniversität, die Robertson als ihre Alma mater angegeben hatte, keine funktionierende Website besaß. Zudem ließ sich nicht bestätigen, dass Corllins überhaupt eine zugelassene Hochschule war.

Die Jugendlichen recherchierten so lange weiter, bis sie einen Artikel auf der Titelseite ihrer Zeitung veröffentlichen konnten, in dem sie die Abschlüsse ihrer Direktorin sowie ihre Arbeit als Lehrbeauftragte hinterfragten. Dabei hatte man ihnen stets gesagt, sie sollten ihre Nasen nicht in Dinge stecken, die sie nichts angingen. Lediglich die Studienberaterin und Leiterin ihrer Zeitung, Emily Smith, hatte sie bestärkt, dranzubleiben. Also machte das Team weiter.

Widersprüchliche Angaben

Die sechs Schüler fanden heraus, dass Corllins in einigen Artikeln als eine "Diplom-Schleuder" dargestellt worden war, wo man Abschlüsse, Diplome und Titel für Geld erwerben kann. Vom Bildungsministerium nicht anerkannt, verfügt die "Hochschule" zudem weder über eine Zulassung noch über eine real existierende Adresse. "Das war alles schnell zu durchschauen", erklärt Balthazor. "All die glänzenden Beurteilungen enthielten keine konkreten Informationen ... man sollte meinen, dass unsere Autoritätspersonen das hätten bemerken können."

Robertson hatte mehr als 20 Jahre in Dubai gelebt, bevor sie eingestellt worden war. Sie hatte behauptet, zuvor als Vorstandsvorsitzende eines Bildungsberatungsunternehmens gearbeitet zu haben. In einer einberufenen Konferenz präsentierte Robertson jedoch "unvollständige Angaben, sich widersprechende Daten und Unstimmigkeiten in ihren Antworten", berichteten die Schüler. Die Schulleiterin behauptete, Corllins vor dem Verlust der Zulassung als Hochschule besucht zu haben.

Direktorin zu Fall gebracht

Robertson lehnte es ab, direkt auf die Fragen der 16- und 17-jährigen Schüler zu antworten, weil "ihre Bedenken nicht auf Fakten basierten". Doch die Recherchen stellten sich als wasserdicht heraus. Smith, ihre Leiterin, musste sich wegen Befangenheit zurückziehen, weil sie selbst zu dem Komitee gehörte, das Robertson eingestellt hatte.

"Am Anfang war es ganz schön aufregend", erklärt Balthazor, "es war wie im Film, wenn ein Großstadtjournalist einen Vorgesetzten zu Fall bringt." Vier Tage nach der Veröffentlichung des Artikels in der , reichte Robertson ihren Rücktritt ein. Und die echten amerikanischen "Großstadt-Journalisten" feiern den Nachwuchs für ihren Coup.


bal

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