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Eine Schwangerschaft macht weder dumm noch faul

Im Silicon Valley erreicht das Wettrennen um Spitzenkräfte eine neue Dimension. Frauen wird das Einfrieren von Eizellen bezahlt. Erst die Karriere, der Kinderwunsch kann warten. Warum eigentlich?

Ein Kommentar von Susanne Baller

  Rentenbeginn war einfach der perfekte Zeitpunkt für ein Baby!

Rentenbeginn war einfach der perfekte Zeitpunkt für ein Baby!

Facebook macht es bereits, und Apple zieht im Januar 2015 nach: Die beiden IT-Unternehmen zahlen ihren Mitarbeiterinnen das Einfrieren von Eizellen. Sie nehmen ihnen durch das Angebot, die Entnahme und Versorgung ihrer Eizellen zu finanzieren, die Sorge darum, vielleicht irgendwann nicht mehr Mutter werden zu können, weil sie das "lauter werdende Ticken der biologischen Uhr" überhört haben. Einer klassischen Befruchtung ist irgendwann ein natürliches Ende gesetzt, ab dem 35. Lebensjahr sinken Anzahl und Fruchtbarkeit der Eizellen. Eine tolle weitere Sozialleistung also.

Wäre da nicht dieser Beigeschmack.

Wieso trauen die Firmen ihren Mitarbeiterinnen nicht zu, dass sie nach einer Schwangerschaft ebenso gut weiterarbeiten wie vorher? Ein Kind zu bekommen bedeutet nicht den Verlust von Gehirnzellen, Fleiß, Engagement und Leidenschaft, das haben genügend Frauen in der Vergangenheit bewiesen. Selbst wenn manche Mütter nur noch in Teilzeit an den Arbeitsplatz zurückkehren wollen oder können, zeigt die Erfahrung, dass es kaum so effizient und fokussiert arbeitende Kolleginnen gibt wie sie.

Aber die Teilzeit-Muttis wollen die Konzerne mit dem Angebot gar nicht locken.

Sozialleistungs-Rüstungswettlauf

Der Beweggrund für die Übernahme der Kosten sei für beide Konzerne, dass eine Volldampf-Karriere und Kinder noch immer schwer zu bewältigen seien, erklärte Brigitte Adams, Anwältin und Gründerin des Gefrierspezialisten Eggsurance, dem Sender NBC. Das alte Thema der Vereinbarkeit von Familie und Beruf also? Der andere Grund für den im Silicon Valley perks arms race genannten Sozialleistungs-Rüstungswettlauf ist, mit einer großen Palette an Zukunftsoptionen die rar gesäten weiblichen Talente zu ködern. Sie jung vom Markt zu fischen und zu halten. Falls sie doch jung schwanger werden, gibt es nämlich auch Geld: Facebook zahlt Eltern für ein Baby 4000 Dollar zur freien Verfügung, "baby cash". Je vielfältiger die Optionen, desto verlockender der Arbeitgeber.

Viele Frauen sind sich nicht sicher, ob oder wann sie Kinder bekommen wollen. Die meisten wissen hingegen eher, wann sie es nicht wollen: manche nicht unter 25, manche auf keinen Fall mit über 40. Einige Frauen fragen sich auch, ob sie überhaupt schwanger werden können. Zu oft hört man als Heranwachsende von jenen, die sich Kinder gewünscht haben, aber irgendwann feststellen mussten, dass sie keine bekommen können. Das jahrelange Schlucken von Verhütungsmitteln und Tragen von Spiralen tun ihr Übriges, um eine gewisse Unsicherheit zu schüren. Und dann kommt so ein scheinbar verführerisches Angebot.

Erst kommt die Karriere - und dann?

Mit dem Gefrier-Punkt betreten die Firmen ein neues Terrain. Sie finanzieren ihren Mitarbeiterinnen, sich alle Optionen für eine Mutterschaft offen zu lassen. Bis der richtige Partner gefunden, die Karriere gemacht oder das Haus abbezahlt ist. Die Familie steht damit auf der gleichen Planungsebene wie die Karriere. Die nächsten Jahre werden zeigen, was sich Facebook und Co einfallen lassen, wenn dann irgendetwas mit dem Kind nicht stimmt. Es zu schwierig ist, zu trotzig, zu frech. Vielleicht bestreiten die Silicon-Valley-Konzerne dann die Internatskosten, britische Nannys und Kindertherapeuten. Damit sich die Eltern nicht von häuslichen Sorgen ablenken lassen, das ist besser für die Karriere.

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