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Der Staat verliert Milliarden, weil Teenager nicht ausschlafen dürfen

Jeden Tag quälen sich müde Teenager am Morgen aus dem Bett und in die Schule. Eine Studie aus den USA zeigt: Würde der Unterricht später beginnen, käme das nicht nur den Schülern zugute. Auch der Staat könnte Milliarden sparen.

Teenager schläft in der Schule ein

Ein späterer Unterrichtsbeginn soll zu besseren Leistungen in der Schule führen

Die makroökonomische Untersuchung des amerikanischen Thinktanks "RAND Corporation" ergab, dass der US-Staatshaushalt innerhalb von zwei Jahren 8,6 Milliarden Dollar einsparen könnte, wenn der Unterrichtsbeginn auf 8.30 Uhr verlegt würde. Die anfallenden Kosten einer solchen Umstellung, zum Beispiel geänderte Busfahrpläne, wären also recht bald wieder ausgeglichen. Nach 15 Jahren würde die Einsparung 9,3 Milliarden Dollar pro Jahr betragen.

"Jeder spricht nur über die Kosten, aber kaum jemand denkt wirklich über die Vorteile nach", sagte Marco Hafner, einer der Autoren der Studie, dem "Business Insider". Schon zuvor hatten einige wissenschaftliche Untersuchungen gezeigt, dass ein Schulbeginn um 8 Uhr oder sogar noch früher sich kontraproduktiv auf die Leistungsfähigkeit der Schüler auswirkt. Im April forderte auch die US-amerikanische Akademie für Schlafmedizin, dass der Unterricht keinesfalls vor 8.30 Uhr beginnen dürfe. Viele Schüler könnten nicht vor 23 Uhr einschlafen und kämen so nicht auf acht bis zehn Stunden Schlaf.

Bessere Leistungen in der Schule durch mehr Schlaf?

Die Studie der "RAND Corporation" zeigt nun auch die nackten ökonomischen Auswirkungen einer solchen Reform auf. Die Wissenschaftler argumentieren, dass ausgeschlafene Schüler bessere Leistungen bringen, mehr lernen und somit von größerem Nutzen für die Volkswirtschaft wären. Co-Autorin Wendy Troxel spricht von einer "Win-Win-Situation": Sowohl die Teenager als auch die Wirtschaft würden profitieren.

Darüber hinaus seien die mess- und vorhersagbaren Vorteile eines früheren Unterrichtsbeginns noch eine "Unterschätzung", schreiben die Wissenschaftler. Sie rechnen damit, dass neben den Einsparungen in Milliardenhöhe auch eine geringere Selbstmordrate und ein Rückgang der Fettleibigkeit unter Teenagern zu den Effekten gehören würden. Auch sagen sie weniger Verkehrsunfälle durch übermüdete Schüler voraus. 

Diskussion in Deutschland stockt

In Deutschland beginnt der Unterricht an den meisten ebenfalls spätestens um 8 Uhr – und die Ergebnisse der Studie aus den USA lassen sich mit hoher Wahrscheinlichkeit auch grob auf das deutsche Wirtschaftssystem anwenden.

Reformbemühungen gibt es in dieser Hinsicht aber kaum. Als der damalige baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger 2006 für einen Schulbeginn um 9 Uhr plädierte, nannte der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, diesen Vorschlag "nicht zu Ende gedacht". Sein Argument: Die Mittagsbetreuung in den Schulen würde mindestens 30 Milliarden Euro kosten. Lieber sollten die Eltern dafür sorgen, dass ihre Kinder rechtzeitig ins Bett kämen.


epp
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