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Neymar statt Karl - Einwanderer bringen neue Namen mit

Ben steht seit Jahren an der Spitze, Mia konnte sich 2015 das erste Mal durchsetzen: Die Verbreitung von Vornamen sagt viel über ein Land aus. Auch in Deutschland wirken sich aktuelle Entwicklungen wie die gestiegene Zahl von Einwanderern auf die Namenslisten aus.

Schlafendes Baby

Seit Jahren zeigt sich bei der Namensgebung ein Trend zur Individualisierung: Viele Eltern wollen ihrem Kind einen besonderen Namen geben und kommen so auch immer wieder auf abwegige Ideen, wie zum Beispiel Waldmeister.

Mia und Ben, Emma und Jonas - die langjährigen Spitzenreiter der Vornamen-Ranglisten sind bestens bekannt. Doch zu den beliebten Modenamen kommen immer mehr neue hinzu. Denn dass Zuwanderer das Land Tag für Tag ein Stück vielfältiger machen, spiegelt sich auch in den Geburtsurkunden wider: Jedes Jahr werden in der Bundesrepublik rund 1000 Vornamen eingetragen, die es bei uns vorher nicht gab. "Mit der Migration kommen neue Namen zu uns", sagt Gabriele Rodríguez.

Die Wissenschaftlerin arbeitet in der Namensberatungsstelle, die es seit den 1960er Jahren an der Universität Leipzig in Sachsen gibt. Rund 3000 Menschen aus dem ganzen Bundesgebiet melden sich hier jedes Jahr mit ihren Fragen. Allein im Jahr 2014 registrierten die Forscher 41.514 unterschiedliche Vornamen. Seit vorigem Jahr bemerkt Rodríguez in ihren Daten auch den verstärkten Einfluss durch Flüchtlinge. 

Namen werden "eingedeutscht"

In England habe es der Prophetenname Mohammed gar an die Spitze der Namencharts geschafft, erläutert der Freizeit-Namensforscher Knud Bielefeld. Er sei bei Eltern, deren Familien aus Indien und Pakistan stammen, überaus beliebt. In der Bundesrepublik allerdings rangiere Mohammed unter ferner liefen. Hier lebten vor allem türkischstämmige Muslime, erklärt Bielefeld. Bei ihnen spiele der Name keine so große Rolle. 

Neu sind Namen aus dem arabischen, türkischen, kurdischen oder persischen Raum in Deutschland aber keineswegs. Schließlich stammen viele Kinder aus Familien, die in den vergangenen Jahrzehnten in die Bundesrepublik eingewandert sind. Im Laufe der Zeit verwischen die Grenzen dann auch. "Jasmin etwa ist ein persischer Name, der mittlerweile ganz normal als deutscher Name empfunden wird", erläutert Rodríguez.

Beliebteste Vornamen 2015
Platz 1

Mädchen: Mia

Jungen: Ben

Platz 2

Mädchen: Emma

Jungen: Jonas

Platz 3

Mädchen: Hannah/Hanna

Jungen: Leon

Platz 4

Mädchen: Sophia/Sofia

Jungen: Elias

Platz 5

Mädchen: Anna

Jungen: Finn/Fynn

Platz 6

Mädchen: Emilia

Jungen: Noah

Platz 7

Mädchen: Lina

Jungen: Paul

Platz 8

Mädchen: Marie

Jungen: Luis/Louis

Platz 9

Mädchen: Lena

Jungen: Lukas/Lucas

Platz 10

Mädchen: Mila

Jungen: Luca/Luka

Ermittelt wurde die Rangliste von Namensforscher Knud Bielefeld. In Deutschland gibt es keine amtliche Vornamenstatistik. Bielefeld und sein Team werteten laut eigenen Angaben 183.396 Geburtsmeldungen aus 512 Standesämtern, Geburtskliniken und Geburtshäusern aus. 

Doch nicht nur die Migration lässt die Anzahl der Vornamen steigen. "Es gibt auch einen Trend zur Individualisierung", weiß die Wissenschaftlerin. "Viele Eltern wollen ausgefallene Namen, die nicht jeder hat." So bekomme inzwischen nur jedes zehnte Kind einen Namen, der in dem Geburtsjahr häufiger als zehn Mal eingetragen wird. 66 Prozent der Sprösslinge können sich demnach sogar sicher sein, in ihrem Jahrgang ein Unikat zu bleiben. Oft handelt es sich hier allerdings um Kombinationen aus mehreren Rufnamen.

Waldmeister "geht gar nicht"

Einige Paare zeigen sich durchaus kreativ. Xantippe, Anakin, Neymar, Sequoia, Godsgift, Buckminster, Schnuckelpupine, Prinz-Gold - alles Namen, die kürzlich auf deutschen Geburtsurkunden erfasst wurden. Wenn ein Vorname noch nicht in den Büchern der Standesämter vermerkt ist, wenden sich die Eltern an Rodríguez. Sie untersucht, ob die Wunschsilben als Name geeignet sind und schreibt eine Empfehlung für die Behörden. 

Manchmal fällt ihr Urteil aber auch negativ aus. "Hauptkriterium ist, ob der Name das Kind lächerlich machen würde", erläutert Rodríguez. "Superman, Wikileaks, Waldmeister - das geht gar nicht." Dass traditionelle Namen bei so viel Veränderungen aussterben, braucht aber niemand zu befürchten. Denn auch altdeutsche und germanische Namen gewinnen seit Jahren an Beliebtheit. Ob Karl, Otto oder Friedrich - besonders Jungen werden wieder öfter nach ihren Großvätern benannt.
 

Tim Fuhse/DPA
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