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So loben Sie Ihre Kinder richtig

Natürlich soll man Kinder ermutigen und bestärken. Zu viel Lob kann allerdings sogar negative Auswirkungen haben, besonders bei eher unsicheren Kindern. Wie man es richtig macht.

Von Jessica Wagener

Kinder brauchen Lob, aber nicht im Überschwang und nicht ständig

Kinder brauchen Lob, aber nicht im Überschwang und nicht ständig

Aus dir wird mal eine ganz, ganz große Malerin!" Streichen Sie diesen und ähnliche Sätze aus Ihrem elterlichen Repertoire. Ja, Kinder brauchen Lob. Aber wenn Sie zum 23.000 Mal angesichts des minimal variierten expressionistischen Filzstiftgekritzels ein Verzückungs-Feuerwerk loslassen, tun Sie Ihrem Sprössling damit keinen Gefallen. Im Gegenteil: Besonders auf unsichere Kinder kann zu viel Lob negative Auswirkungen haben.

Diplom-Psychologe Stefan Drewes, 53, Leiter der schulpsychologischen Beratungsstelle in Düsseldorf, erklärt: "Lob kommt nur an, wenn es authentisch und ehrlich ist. Kinder sind sehr feinfühlig, schon in der Grundschule bekommen sie mit, ob Lob echt ist oder nicht. Besonders jüngere Kinder sind darauf ausgerichtet, ihren Eltern Freude zu machen. Sie hören sehr genau heraus, ob Erwartungen mit dem Lob verbunden sind."

Und zwar am ehesten dann, wenn das Lob vom Kind selbst als nicht angemessen bewertet wird. Statt ihre Eltern mit schlechterer Leistung zu enttäuschen, wagen sie dann lieber gar nichts mehr.

So wenig Lob wie möglich?

Forscher der Universität Utrecht veröffentlichten im Februar 2013 Ergebnisse einer Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Lob und Selbstbewusstsein von Kindern. Fazit: Mit undifferenziertem Lob geht oft ein Erwartungsdruck einher, dem sich die Kinder durch Zaghaftigkeit und Verweigerung zu entziehen versuchen. Sollen Eltern ihre Kinder jetzt also möglichst wenig loben?

Natürlich nicht, meint Stefan Drewes: "Das Ziel von Lob ist positive Rückmeldung und Verstärkung. Psychologen wissen schon seit Jahren, dass Veränderungen durch positive Rückmeldung wirksamer sind als durch negative." Es gehe viel mehr darum, ganz gezielt zu loben. "Man sollte nur etwas loben, was man wirklich gut findet, eine bestimmte Teilleistung hervorheben, auf die sich das Lob bezieht und nicht allgemein bleiben. 'Du bist ein tolles Kind' ist zum Beispiel schwierig. Je spezifischer das Lob, desto besser kommt es an." Und desto glaubwürdiger und damit ermutigender ist es.

Und was ist, wenn es mal nichts zu loben, sondern vielmehr zu kritisieren gibt? Hier gelten ähnliche Regeln - die Kritik an einer bestimmten Situation und nicht an der Person des Kindes festmachen. Drewes: "Also: 'In Mathe, bei der einen Klassenarbeit...' Man sollte nach vorne schauen und überlegen, was man gemeinsam verbessern kann."

Vor allem sollten Mama und Papa möglichst sachlich bleiben, wenn sie den Nachwuchs tadeln. "Bei negativer Rückmeldung kommt es oft zu übermäßiger Kritik durch die Eltern, unter anderem durch Enttäuschung, zu hohe Ansprüche und Erwartungen. Hier sollte man als Elternteil reflektieren: Warum gehe ich jetzt hier wirklich so in die Luft wegen einer vier, die in ein paar Jahren niemanden mehr interessiert?"

Konsequent sein

Und nicht zuletzt ist sowohl bei positivem als auch bei negativem Feeback immer wieder die Nummer eins der elterlichen Tugenden gefragt: Konsequenz. "Wenn man zusammen mit dem Kind Vereinbarungen getroffen hat, die nicht eingehalten werden, sollte man an den Konsequenzen festhalten und sie auch durchziehen", so Stefan Drewes.

Also: Erwartungen runterschrauben, konsequent bleiben, sachlich kritisieren - und vor allem spezifisch loben. In der Untersuchung des Utrechter Forschers Eddie Brummelman heißt es abschließend auch: "Ganz ähnlich wie Penicillin kann Lob negative Nebenwirkungen haben und sollte daher nicht willkürlich angewandt werden."

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